Das Symptom
Ein Anruf ist schiefgegangen — stumm, abgebrochen, oder er kam nie an. Danach steht in der Statusleiste plötzlich nicht mehr LTE oder 5G, sondern die langsame Vorgängerstufe. Die Seite lädt zäh, Videos ruckeln, das Netz ist aber nachweislich da: Andere Geräte im selben Raum, im selben Netz, zeigen volle Geschwindigkeit.
Man schaltet den Flugmodus an und wieder aus. Keine Änderung. Man stellt den Netzmodus von Hand um, was kurz hilft und dann wieder nicht. Irgendwann, oft nach dem Neustart am nächsten Morgen, ist der Spuk vorbei — und niemand weiß, warum.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Das Handy ist nicht kaputt, es ist beleidigt, und zwar nach Vorschrift. Geräte tragen eine Nutzungseinstellung, die festlegt, was im Zweifel wichtiger ist: Daten oder Sprache. Ein sprachzentriertes Gerät, das über LTE keine Sprachdienste zustande bekommt, schaltet seine LTE-Fähigkeit ab, um wenigstens telefonieren zu können. Schaltet es sie später wieder ein, soll es sich laut Standard für die Dauer eines Zeitgebers merken, in welchen Netzen Sprache über LTE nicht möglich war — und diese Netze bei der automatischen Netzwahl für LTE nicht mehr als Kandidaten berücksichtigen, solange ein anderes Netz verfügbar ist. Übersetzt: Das Telefon hat sich gemerkt, dass dieser Anbieter beim Telefonieren über LTE nicht geliefert hat, und geht ihm für den Rest des Tages aus dem Weg.
Warum der Flugmodus nichts nützt, steht ebenfalls dort, und es ist eine der schöneren Präzisionsfallen des Standards. Die Liste der Ereignisse, die die Notiz löschen, ist abschließend: Gerät ausschalten, USIM entnehmen, Zeitgeber abgelaufen, im betroffenen Netz wieder für Sprache im IMS verfügbar, oder Konfiguration der Sprachdomäne geändert. Der Flugmodus kommt darin nicht vor, weil er das Gerät nicht ausschaltet, sondern nur den Funk abklemmt. Deshalb der weit verbreitete Erfahrungswert, dass am nächsten Morgen alles wieder gut ist: Zwischendurch war das Ding einmal richtig aus.
Wie lange es sonst dauert, ist Sache des Herstellers, aber nicht beliebig. Der Standard deckelt den Zeitgeber auf den größtmöglichen Wert des Hintergrund-Suchtimers, und der liegt für ein gewöhnliches Handy im Bereich von 6 Minuten bis 8 Stunden. Ein Nachmittag im langsamen Netz ist damit vollständig regelkonform. Die schlechteste Reaktion ist übrigens, den Netzmodus im Menü fest auf LTE zu stellen: Damit zwingt man das Gerät zurück in genau die Lage, wegen der es ausgewichen ist. Wer es eilig hat, startet neu. Wer es genau wissen will, wählt das Netz von Hand — im manuellen Modus wird es weiterhin angezeigt, der Ausschluss gilt nur für die automatische Auswahl.