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Nach einem Telefonie-Aussetzer meidet das Handy LTE

Ein sprachzentriertes Handy, das über LTE nicht telefonieren konnte, merkt sich das Netz und meidet es. Ausschalten löscht die Notiz, Flugmodus nicht.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Gilt für:
Mobilfunkgeräte nach 3GPP TS 23.122, Geräte mit Nutzungseinstellung sprachzentriert

Das Symptom

Ein Anruf ist schiefgegangen — stumm, abgebrochen, oder er kam nie an. Danach steht in der Statusleiste plötzlich nicht mehr LTE oder 5G, sondern die langsame Vorgängerstufe. Die Seite lädt zäh, Videos ruckeln, das Netz ist aber nachweislich da: Andere Geräte im selben Raum, im selben Netz, zeigen volle Geschwindigkeit.

Man schaltet den Flugmodus an und wieder aus. Keine Änderung. Man stellt den Netzmodus von Hand um, was kurz hilft und dann wieder nicht. Irgendwann, oft nach dem Neustart am nächsten Morgen, ist der Spuk vorbei — und niemand weiß, warum.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Das Handy ist nicht kaputt, es ist beleidigt, und zwar nach Vorschrift. Geräte tragen eine Nutzungseinstellung, die festlegt, was im Zweifel wichtiger ist: Daten oder Sprache. Ein sprachzentriertes Gerät, das über LTE keine Sprachdienste zustande bekommt, schaltet seine LTE-Fähigkeit ab, um wenigstens telefonieren zu können. Schaltet es sie später wieder ein, soll es sich laut Standard für die Dauer eines Zeitgebers merken, in welchen Netzen Sprache über LTE nicht möglich war — und diese Netze bei der automatischen Netzwahl für LTE nicht mehr als Kandidaten berücksichtigen, solange ein anderes Netz verfügbar ist. Übersetzt: Das Telefon hat sich gemerkt, dass dieser Anbieter beim Telefonieren über LTE nicht geliefert hat, und geht ihm für den Rest des Tages aus dem Weg.

Warum der Flugmodus nichts nützt, steht ebenfalls dort, und es ist eine der schöneren Präzisionsfallen des Standards. Die Liste der Ereignisse, die die Notiz löschen, ist abschließend: Gerät ausschalten, USIM entnehmen, Zeitgeber abgelaufen, im betroffenen Netz wieder für Sprache im IMS verfügbar, oder Konfiguration der Sprachdomäne geändert. Der Flugmodus kommt darin nicht vor, weil er das Gerät nicht ausschaltet, sondern nur den Funk abklemmt. Deshalb der weit verbreitete Erfahrungswert, dass am nächsten Morgen alles wieder gut ist: Zwischendurch war das Ding einmal richtig aus.

Wie lange es sonst dauert, ist Sache des Herstellers, aber nicht beliebig. Der Standard deckelt den Zeitgeber auf den größtmöglichen Wert des Hintergrund-Suchtimers, und der liegt für ein gewöhnliches Handy im Bereich von 6 Minuten bis 8 Stunden. Ein Nachmittag im langsamen Netz ist damit vollständig regelkonform. Die schlechteste Reaktion ist übrigens, den Netzmodus im Menü fest auf LTE zu stellen: Damit zwingt man das Gerät zurück in genau die Lage, wegen der es ausgewichen ist. Wer es eilig hat, startet neu. Wer es genau wissen will, wählt das Netz von Hand — im manuellen Modus wird es weiterhin angezeigt, der Ausschluss gilt nur für die automatische Auswahl.

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  1. 1.

    Das Gerät wirklich ausschalten, nicht nur den Flugmodus schalten

    Das Ausschalten steht ausdrücklich in der Löschliste des Standards, der Flugmodus nicht. Wer den Zustand sofort beenden will, fährt das Gerät herunter und wieder hoch. Das ist der einzige der üblichen Handgriffe, der die gemerkten Netze mit Sicherheit trifft.

  2. 2.

    Alternativ die SIM entnehmen

    Auch das Entnehmen der USIM löscht die gespeicherte Information laut Abschnitt 3.1. Bei einer eSIM entfällt dieser Weg naturgemäß — dort bleibt das Ausschalten.

  3. 3.

    Nicht am Netzmodus herumstellen

    Die verbreitete Reaktion, im Menü von automatisch auf reines LTE oder reines 5G umzustellen, kuriert das Symptom und erzeugt ein schlimmeres: Ein sprachzentriertes Gerät hatte die E-UTRA-Fähigkeit abgeschaltet, weil über LTE keine Sprachdienste zustande kamen. Wer es zwangsweise dort festnagelt, riskiert genau das, was es zu vermeiden versuchte — ein Telefon, das keine Anrufe annimmt.

  4. 4.

    Die manuelle Netzwahl zeigt das Netz weiterhin an

    Der Ausschluss gilt nur für die automatische Auswahl. 3GPP TS 23.122 zählt in Abschnitt 4.4.3.1.2 die Liste der Netze, in denen die E-UTRA-Fähigkeit als nicht sprachtauglich abgeschaltet wurde, ausdrücklich unter den Einträgen auf, die das Gerät im manuellen Modus trotzdem anzeigt. Wer das Netz dort von Hand wählt, umgeht die Sperre — und sollte danach daran denken, wieder auf automatisch zu stellen.

  5. 5.

    Nicht mit einem Netzausfall verwechseln

    Der Standard nimmt den Ausschluss ausdrücklich zurück, wenn kein anderes Netz verfügbar ist, und er hindert die Auswahl desselben Netzes über eine andere Funktechnik nicht. Wer also gar kein Netz hat, hat ein anderes Problem — dieses hier äußert sich als langsame, aber funktionierende Verbindung.

  6. 6.

    VoLTE beim Anbieter prüfen, wenn es wiederkommt

    Tritt der Zustand immer wieder auf, ist die Ursache nicht das Gerät, sondern die Sprachversorgung über LTE in diesem Netz — im Roaming ist das der Normalfall, weil Sprache über LTE ein eigenes Abkommen zwischen den Betreibern braucht. Das Gerät reagiert dann jedes Mal korrekt auf einen Zustand, den es nicht ändern kann.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum hängt mein Handy plötzlich im langsamen Netz, obwohl LTE verfügbar ist?

Weil es sich das Netz gemerkt hat. 3GPP TS 23.122 beschreibt in Abschnitt 3.1 den Fall, dass ein Gerät seine E-UTRA-Fähigkeit abgeschaltet hatte und sie bei der Netzwahl wieder einschaltet. Ist die Nutzungseinstellung des Geräts sprachzentriert, soll es sich für die Dauer eines Zeitgebers TD diejenigen Netze merken, in denen die E-UTRA-Fähigkeit abgeschaltet wurde, und zwar als Netze, in denen Sprachdienste über E-UTRAN nicht möglich waren. Und dann folgt die Konsequenz: Bei der automatischen Netzwahl darf es solche Netze für die Zugangstechnik E-UTRA nicht als Auswahlkandidaten berücksichtigen, solange ein anderes Netz verfügbar ist. Das Handy meidet also gezielt LTE bei diesem Anbieter.

?Warum hilft der Neustart, der Flugmodus aber nicht?

Weil der Standard genau aufzählt, wann die Notiz verschwindet. Nach Abschnitt 3.1 löscht das Gerät die gespeicherte Information über Netze, in denen Sprachdienste über E-UTRAN nicht möglich waren, wenn es ausgeschaltet wird, wenn die USIM entnommen wird, wenn der Zeitgeber TD abläuft, wenn es in einer E-UTRAN-Zelle des betroffenen Netzes eingebucht ist und die oberen Schichten melden, dass das Gerät für Sprachdienste im IMS verfügbar ist, oder wenn sich die Konfiguration der Sprachdomäne so ändert, dass das Abschalten der E-UTRA-Fähigkeit nicht mehr nötig ist. Der Flugmodus steht in dieser Liste nicht — er trennt nur den Funk, er schaltet das Gerät nicht aus.

?Wie lange dauert das denn?

Der Standard nennt für TD keinen festen Wert, sondern eine Obergrenze: Der Wert des Zeitgebers TD ist Sache der Geräteumsetzung, darf aber den größtmöglichen Wert des Hintergrund-Suchtimers T aus Abschnitt 4.4.3.3.1 nicht überschreiten. Für ein gewöhnliches Handy ohne die IoT-Betriebsarten EC-GSM-IoT, Kategorie M1 oder Kategorie NB1 liegt T laut demselben Abschnitt im Bereich von 6 Minuten bis 8 Stunden in Schritten von 6 Minuten; ist auf der SIM kein Wert hinterlegt, gilt ein Vorgabewert von 60 Minuten. Die Obergrenze ist damit der Nachmittag, nicht die Minute — und genau deshalb fällt der Zustand überhaupt auf.

Belege

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