Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Im Ausland sucht das Handy dauernd ein Netz

Im Ausland leert sich der Akku im Stillstand. Der Standard verlangt, dass das Telefon im Roaming regelmäßig nach dem Heimatnetz sucht.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Voraussetzung:
Smartphone mit SIM oder eSIM
Gilt für:
Mobilfunkgeräte nach 3GPP TS 23.122

Das Symptom

Erster Morgen im Urlaub, das Telefon lag die ganze Nacht auf dem Nachttisch, und der Akku hat trotzdem kräftig verloren. Der Empfangsbalken wechselt im Minutentakt den Netznamen, manchmal steht kurz gar keiner da. Zu Hause hält dasselbe Gerät im Leerlauf tagelang durch. Verdächtigt wird die Kamera-App, die Wetter-App, das Alter des Akkus — schuld ist keines davon.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Ein Telefon im Ausland gibt sich mit dem Netz, das es gefunden hat, nicht zufrieden. Es soll zurück. Der Standard, der die Netzauswahl beschreibt, verlangt von einem Gerät im besuchten Netz ausdrücklich, in festen Abständen zu versuchen, wieder Dienst im Heimatnetz oder in einem höher priorisierten Netz zu bekommen. Jeder dieser Versuche ist eine Suche über die Frequenzbänder, die das Gerät beherrscht — und Funkempfänger, die suchen, verbrauchen mehr Strom als Funkempfänger, die eingebucht ruhen.

Der Takt dafür ist nicht die Laune des Herstellers, sondern ein Wert namens Timer T, der auf der SIM-Karte steht. Der Standard gibt einen Rahmen von sechs Minuten bis acht Stunden vor, erlaubt ausdrücklich auch die Ansage, gar nicht periodisch zu suchen, und schreibt für den Fall, dass auf der Karte nichts hinterlegt ist, sechzig Minuten als Standardwert fest. Der erste Versuch kommt frühestens zwei Minuten nach dem Einbuchen. Diese Zahlen gehören dem Netzbetreiber, der die Karte ausgegeben hat. Im Einstellungsmenü gibt es dafür keinen Regler, und es wird auch keinen geben.

Was es gibt, ist ein Schalter mit Nebenwirkung. Die periodischen Rückkehrversuche finden laut Standard ausschließlich im automatischen Modus statt. Wer im Ausland manuell ein Netz auswählt, schaltet die wiederkehrende Suche damit ab — und verliert im selben Moment die Selbstheilung: Bricht dieses eine Netz weg, sucht das Gerät sich von allein keines mehr. Das ist ein vernünftiger Handel für eine Woche am selben Ort und ein schlechter für eine Rundreise. Und wer den manuellen Modus nach der Heimreise vergisst, hat plötzlich einen sehr sparsamen Akku und sehr wenig Empfang.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Den Verdacht überhaupt richtig stellen

    Typisch ist ein Akku, der über Nacht deutlich verliert, obwohl niemand das Gerät benutzt hat, und ein Empfangsbalken, der zwischen Netzen und Anzeigen springt. Das unterscheidet den Fall von einer App, die im Vordergrund Strom zieht: Hier passiert das Auffällige im Leerlauf und erst seit der Einreise.

  2. 2.

    Verstehen, dass das Verhalten vorgeschrieben ist

    Ein Gerät im fremden Netz ist laut TS 23.122 verpflichtet, in festen Abständen zu prüfen, ob das Heimatnetz oder ein höher priorisiertes Netz erreichbar ist. Das ist kein Fehler und keine schlechte Firmware, sondern die Netzauswahl im automatischen Modus. Wer sie kennt, sucht nicht mehr nach der App, die es angeblich verursacht.

  3. 3.

    Ein Netz manuell auswählen

    Die manuelle Netzwahl beendet die periodischen Rückkehrversuche, weil diese laut Standard nur im automatischen Modus stattfinden. Im manuellen Modus zeigt das Gerät die verfügbaren Netze an; TS 23.122 verlangt dabei ausdrücklich, dass auch gesperrte und nicht nutzbare Netze in der Liste erscheinen — man kann sich also durchaus für eines entscheiden, das anschließend keine Dienste liefert. Die Einstellung heißt je nach Hersteller Netzauswahl, Netzbetreiber oder ähnlich; ein fester Menüpfad wird hier nicht behauptet, weil er sich zwischen den Systemen und Herstellern unterscheidet.

  4. 4.

    Nach dem Wechsel des Standorts wieder auf automatisch stellen

    Ein fest gewähltes Netz bleibt fest gewählt — auch in der nächsten Stadt, im nächsten Land und nach der Heimreise. Wer den manuellen Modus für die Akkulaufzeit benutzt, sollte ihn beim nächsten Ortswechsel zurückstellen, sonst steht man mit vollem Akku und ohne Empfang da.

  5. 5.

    In Gebieten ohne brauchbaren Empfang den Funk stilllegen

    Am teuersten ist die Suche dort, wo es wenig zu finden gibt: im Zug, in den Bergen, auf See. Der Flugmodus schaltet den Mobilfunk vollständig ab und beendet damit auch die Suche. Apple beschreibt für das iPhone ausdrücklich, dass WLAN und Bluetooth danach einzeln wieder eingeschaltet werden können — man verliert also nicht zwingend die Kopfhörer, wenn man den Mobilfunkteil zur Ruhe bringt.

  6. 6.

    Die periodische Suche nicht zu Hause suchen

    Die Vorschrift gilt laut TS 23.122 nur im Roaming. Wer denselben Akkuverlauf im Inland sieht, hat ein anderes Problem und sollte nicht an der Netzwahl drehen. Ausnahme sind Grenzregionen, in denen sich das Gerät ungewollt in ein Nachbarnetz einbucht und damit tatsächlich im Roaming ist.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum sucht das Telefon weiter, obwohl es doch längst Empfang hat?

Weil es im Ausland nicht irgendein Netz sucht, sondern ein bestimmtes. 3GPP TS 23.122 schreibt für ein Gerät im besuchten Netz vor, es solle „periodically attempt to obtain service on its HPLMN … or a higher priority PLMN/access technology combinations listed in ‚user controlled PLMN selector‘ or ‚operator controlled PLMN selector‘ by scanning“. Übersetzt: Solange du im fremden Netz hängst, versuchst du in festen Abständen, zum Heimatnetz oder zu einem höherwertigen Netz zurückzukommen. Jeder dieser Versuche ist eine vollständige Suche über die unterstützten Frequenzbänder — und die kostet Strom, auch wenn niemand das Gerät anfasst.

?Wie oft passiert das, und kann ich das Intervall ändern?

Das Intervall heißt im Standard Timer T und steht nicht im Menü, sondern auf der SIM-Karte. TS 23.122 legt fest: „T is either in the range 6 minutes to 8 hours in 6 minutes steps or it indicates that no periodic attempts shall be made. If no value for T is stored in the SIM, a default value of 60 minutes is used for T.“ Für den ersten Versuch gilt zusätzlich: „The MS shall make the first attempt after a period of at least 2 minutes and at most the time configured for T.“ Der Wert gehört also dem Anbieter, nicht dem Nutzer. Einstellen lässt er sich am Gerät nicht.

?Hilft es, das Netz von Hand auszuwählen?

Ja, und zwar aus einem im Standard nachlesbaren Grund. Für die periodischen Rückkehrversuche gilt: „The periodic attempts shall only be performed in automatic mode when the MS is roaming“. Wer im Ausland die manuelle Netzwahl benutzt und ein Netz fest auswählt, schaltet damit genau diese wiederkehrende Suche ab. Der Preis steht auf der anderen Seite derselben Medaille: Im manuellen Modus wechselt das Gerät nicht selbstständig, wenn dieses eine Netz wegbricht. Man tauscht Akkulaufzeit gegen Bequemlichkeit — bewusst, nicht versehentlich.

Belege

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