Das Symptom
Irgendwo im Ausland hat sich das Handy einmal an einem Netz versucht und eine Absage
kassiert. Seitdem ist dieser Anbieter aus der Welt verschwunden. Auf jedem Ladenschild
in der Fußgängerzone steht sein Name, das Handy des Reisebegleiters hängt fröhlich
darin — und die automatische Netzsuche bietet ihn schlicht nicht mehr an.
Flugmodus an und wieder aus: nichts. Neu starten: nichts. Karte herausnehmen, pusten,
wieder hineinlegen: nichts. Zwei Tage später, dreihundert Kilometer weiter, immer noch
nichts. Die naheliegende Erklärung wäre ein Defekt. Es ist das Gegenteil: Das Gerät
tut exakt das, was der Standard ihm vorschreibt.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Eine abgewiesene Einbuchung ist im Mobilfunk kein Fehlschlag, den man beliebig oft
wiederholen darf. Sie ist eine Auskunft, und das Gerät notiert sie. Kommt auf einen
Einbuchversuch eine Antwort mit einem Ursachenwert wie „PLMN not allowed“ zurück, wandert
das betreffende Netz in eine Liste gesperrter Netze — und zwar auf die SIM-Karte, nicht
in den Arbeitsspeicher. Der Standard formuliert dazu einen Satz, an dem sich sämtliche
Volksheilmittel dieser Branche die Zähne ausbeißen: Die Liste bleibt erhalten, wenn das
Gerät ausgeschaltet oder die SIM entnommen wird. Neustarten heilt hier nichts, weil es
nichts zu heilen gibt. Die Karte in ein fremdes Handy zu stecken ebenfalls nicht — der
Eintrag reist mit.
Das Verwirrende daran: Manchmal hilft der Neustart doch. Dann hatte man aber die andere
Liste erwischt. Für gesperrte Datendienste führt das Gerät eine zweite Liste, und für die
sagt derselbe Abschnitt ausdrücklich das Gegenteil — sie wird beim Ausschalten oder beim
Entnehmen der SIM gelöscht. Zwei fast gleich klingende Listen mit exakt entgegengesetzter
Haltbarkeit, das ist der ganze Grund, warum im Netz sowohl „Neustart hilft immer“ als auch
„Neustart hilft nie“ zu lesen ist. Beide Lager haben recht, nur eben über verschiedene
Listen.
Der Ausweg steht im selben Dokument und ist erfreulich unspektakulär. Im manuellen Modus
zeigt das Gerät ausdrücklich auch die gesperrten Netze an — sie verschwinden nur aus der
automatischen Suche. Und wählt man das gesperrte Netz von Hand aus und die Einbuchung
gelingt, wird der Eintrag gelöscht. Die Handeinwahl ist also kein Trick, der die Sperre
umgeht, sondern der im Standard vorgesehene Weg, sie aufzuheben. Wer stattdessen wartet,
kommt auch ans Ziel: Der Ablauf des Zeitgebers T3245 räumt den Eintrag ebenfalls weg. Das
dauert nur unangenehm viel länger als zwei Fingertipps im Einstellungsmenü. Und danach
bitte wieder auf automatisch zurückstellen, sonst tauscht man einen Fehler gegen den
nächsten.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Von automatisch auf manuelle Netzwahl umstellen
Die manuelle Netzwahl ist hier kein Notbehelf, sondern der vom Standard vorgesehene Ausweg. 3GPP TS 23.122 legt in Abschnitt 4.4.3.1.2 fest, dass das Gerät im manuellen Modus alle verfügbaren Netze anzeigt — und zählt ausdrücklich auf, dass dazu auch Netze aus der Liste „forbidden PLMNs“ und aus der Liste „forbidden PLMNs for GPRS service“ gehören. Das gesperrte Netz verschwindet also nur aus der automatischen Suche, nicht aus der manuellen Liste.
2.Genau das gesperrte Netz von Hand auswählen
Nach Abschnitt 3.1 wird ein Netz aus der Liste der „forbidden PLMNs“ entfernt, wenn nach einer anschließenden manuellen Auswahl genau dieses Netzes eine erfolgreiche Einbuchung zustande kommt, die nicht dem Katastrophen-Roaming dient. Die Handeinwahl ist damit nicht nur ein Umgehen der Sperre, sondern der Löschbefehl. Klappt die Einbuchung wieder nicht, war die Absage berechtigt: Dann fehlt schlicht das Roaming-Abkommen.
3.Nicht auf Neustart, Flugmodus oder SIM-Wechsel setzen
Alle drei Handgriffe zielen an der Sache vorbei, weil die Liste laut Abschnitt 3.1 beim Ausschalten und beim Entnehmen der SIM erhalten bleibt. Einzige Ausnahme ist eine optionale Erweiterung der Liste, die das Gerät zusätzlich im eigenen Speicher halten darf — deren Inhalt ist laut demselben Abschnitt zu löschen, wenn das Gerät ausgeschaltet oder die SIM entnommen wird. Wer nach einem Neustart kurz Erfolg hat und dann wieder nicht, hat genau diese Erweiterung erwischt.
4.Alternativ den Zeitgeber abwarten
Der Standard kennt neben der Handeinwahl zwei zeitgesteuerte Wege zurück. Ist das Gerät auf den Zeitgeber T3245 konfiguriert, wird das Netz beim Ablauf dieses Zeitgebers aus der Liste entfernt. Ist es das nicht, greift der Ablauf des Zeitgebers T3247 in Verbindung mit dem netzspezifischen Versuchszähler. Beide Wege kosten Wartezeit statt zwei Fingertipps — im Urlaub ist die Handeinwahl die schnellere Antwort.
5.Hinterher wieder auf automatisch zurückstellen
Der manuelle Modus ist ein Zustand, kein Vorgang: Das Gerät bleibt darin, bis jemand es umstellt. Wer nach der Reparatur vergisst zurückzustellen, hat beim nächsten Ortswechsel keinen Empfang mehr, obwohl Netz da ist — dann liegt es nicht mehr an der Sperrliste, sondern an der Einstellung.
6.Den Ursachenwert richtig lesen
Was hinter der Absage steckt, definiert 3GPP TS 24.301 im Anhang A: Ursache #11 „PLMN not allowed“ wird an das Gerät gesendet, wenn es in einem Netz Dienste anfordert, in dem es aufgrund seines Vertrags oder wegen betreiberseitiger Sperre nicht betrieben werden darf. Das ist keine Störung und kein Gerätefehler, sondern eine Vertragsauskunft in Zahlenform.