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BetriebssystemSchweregrad: Drucker

Duplexdruck: Die Rückseite steht auf dem Kopf

Beidseitig gedruckt, Rückseite verkehrt herum? Dann wendet der Drucker an der falschen Kante. Lange Kante ist Hochformat, kurze Kante Querformat.

Aufwand:
ca. 10 Min.
Voraussetzung:
Zugriff auf die Druckereinstellungen, Administrator-Rechte für die dauerhafte Umstellung unter Windows
Gilt für:
Windows 10 und 11, Linux und macOS mit CUPS

Das Symptom

Zwanzig Seiten beidseitig gedruckt, und beim Durchblättern steht jede zweite Seite kopf. Oder schlimmer: Die Seiten stehen richtig herum, sind aber in der falschen Reihenfolge zusammengeheftet, sodass man das Papier bei jedem Blattwechsel um die eigene Achse drehen muss. Der Text ist vollständig, die Tinte sitzt, die Seiten stimmen — nur das Bündel ist unlesbar.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Dieser Fehler ist eine Seltenheit in der Drucker-Kategorie: Er ist vollständig erklärbar, vollständig dokumentiert und vollständig die Schuld eines einzigen Schalters. Beidseitiger Druck kennt genau drei Zustände, und sie heißen bei Microsoft wie bei CUPS praktisch gleich — einseitig, an der langen Kante gewendet, an der kurzen Kante gewendet. Mehr gibt es nicht.

Der Ärger entsteht daran, dass diese Namen niemandem etwas sagen. Microsoft definiert die kurze Kante als Wenden parallel zur Breite des Mediums und die lange als Wenden parallel zur Höhe — geometrisch einwandfrei und im Druckdialog vollkommen nutzlos. CUPS ist gnädiger und schreibt in die Handbuchseite gleich hin, wofür man sie braucht: lange Kante für Hochformat, kurze Kante für Querformat. Das ist die ganze Regel. Wer sie einmal gelesen hat, trifft die Einstellung ab sofort blind.

Bleibt die Frage, warum sie ständig falsch steht. Weil sie an drei Stellen gleichzeitig existiert: im Gerät, in den Voreinstellungen der Warteschlange und im Druckdialog der Anwendung — und die letzte Instanz, die etwas hineinschreibt, gewinnt. Ein Häkchen im Druckdialog repariert deshalb genau einen Ausdruck. Wer den Ärger loswerden will, setzt die Voreinstellung der Warteschlange und lässt die Anwendungen darüber streiten.

Und dann gibt es noch die Geräte ohne Wendeeinheit, bei denen die Software den Stapel gedanklich umsortiert und der Mensch ihn körperlich umdreht. Microsoft nennt das nüchtern manuelles Duplex, ausgeführt von Software und Nutzer. Übersetzt heißt das: Hier ist die Fehlerquelle namentlich benannt, und sie steht vor dem Papierfach.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Feststellen, welche Wendekante überhaupt gemeint ist

    Ein Dokument im Hochformat wird üblicherweise an der langen Kante gewendet, eines im Querformat an der kurzen. Die CUPS-Handbuchseite schreibt genau das: beidseitig an der langen Kante ist für Hochformat-Ausgabe gedacht, beidseitig an der kurzen Kante für Querformat. Wer Hochformat mit der Querformat-Einstellung druckt, bekommt die kopfstehende Rückseite — und umgekehrt.

  2. 2.

    Unter Linux oder macOS die Einstellung direkt am Auftrag mitgeben

    CUPS nimmt die Wendekante als Auftragsoption entgegen. Damit lässt sich in zwei Ausdrucken feststellen, welche der beiden Varianten das gewünschte Ergebnis liefert, ohne an Voreinstellungen zu drehen.

    lp -o sides=two-sided-long-edge datei.pdf
    lp -o sides=two-sided-short-edge datei.pdf
    
  3. 3.

    Die richtige Variante als Standard hinterlegen

    Hat man die passende Kante gefunden, wird sie als Voreinstellung gespeichert. Die Handbuchseite ist hier präzise, und der Unterschied ist wichtig: Als normaler Nutzer aufgerufen, landet die Einstellung in der eigenen Datei ~/.cups/lpoptions und gilt nur für einen selbst; als root aufgerufen, schreibt derselbe Befehl nach /etc/cups/lpoptions und setzt damit die Vorgabe für alle Nutzer. Genutzt werden diese Optionen laut Dokumentation von lp und lpr beim Abschicken von Aufträgen.

    lpoptions -p Warteschlangenname -o sides=two-sided-long-edge
    sudo lpoptions -p Warteschlangenname -o sides=two-sided-long-edge
    
  4. 4.

    Unter Windows die Voreinstellung der Warteschlange ändern

    Windows kennt dieselben drei Zustände unter denselben Namen: einseitig, beidseitig an der langen Kante, beidseitig an der kurzen Kante. Dauerhaft umstellen lässt sich das mit einem Aufruf aus dem Modul PrintManagement; laut Dokumentation braucht dieser Befehl Administratorrechte. Den aktuellen Stand zeigt Get-PrintConfiguration.

    Get-PrintConfiguration -PrinterName "Buero-Laser"
    Set-PrintConfiguration -PrinterName "Buero-Laser" -DuplexingMode TwoSidedLongEdge
    
  5. 5.

    Prüfen, ob das Gerät überhaupt selbst wendet

    Microsoft unterscheidet in der Beschreibung des Duplexmodus zwei Fälle: Automatisches Duplex erledigt die Hardware, manuelles Duplex erledigen Software und Nutzer. Beim manuellen Duplex druckt das Gerät erst alle Vorderseiten und fordert dann zum Wiedereinlegen auf. Steht dabei die Rückseite falsch herum, liegt es nicht an der Einstellung, sondern daran, wie der Stapel zurückgelegt wurde — Drehen um die andere Achse, ein Testblatt mit Bleistiftpfeil hilft mehr als jedes Menü.

  6. 6.

    Zum Schluss die Anwendung im Verdacht behalten

    Bleibt es bei falschen Rückseiten, obwohl die Warteschlange richtig steht, überschreibt die Anwendung die Einstellung. Textverarbeitungen und PDF-Betrachter bringen eigene Duplexschalter mit, und der zuletzt gesetzte gewinnt. In diesem Fall im Druckdialog der Anwendung dieselbe Kante wählen — und sich nicht wundern, dass zwei Programme dieselbe Einstellung unterschiedlich benennen.

Häufige Fragen (FAQ)

?Was heißt lange Kante und kurze Kante überhaupt?

Es ist die Kante, an der das Blatt gewendet wird — und Microsoft definiert beide Begriffe geometrisch statt anschaulich. Bei der langen Kante wird die Seite parallel zur Höhe des Mediums gewendet, bei der kurzen Kante parallel zur Breite. Übersetzt: Beim Wenden an der langen Kante liest sich das Blatt wie ein Buch, beim Wenden an der kurzen Kante wie ein Notizblock, den man nach oben klappt. Die CUPS-Handbuchseite formuliert dieselbe Regel als Faustregel: beidseitig an der langen Kante für Hochformat, an der kurzen Kante für Querformat.

?Warum steht die Rückseite auf dem Kopf, obwohl ich nichts umgestellt habe?

Weil die falsche Wendekante fast immer die richtige Einstellung für ein anderes Seitenformat ist. Wer ein Dokument im Querformat mit der Voreinstellung für Hochformat druckt, bekommt exakt dieses Ergebnis — jede zweite Seite kopfüber. Der Drucker macht dabei nichts falsch, er wendet nur an der Kante, die man ihm einmal genannt hat, und wechselt das Format nicht von selbst mit.

?Ist das ein Fehler des Druckers oder des Treibers?

Von beiden nicht. Es ist eine Einstellung, und sie liegt an drei Stellen gleichzeitig: in der Anwendung, in den Voreinstellungen der Warteschlange und im Gerät. Gewinnen kann jede von ihnen, je nachdem, wer zuletzt schreibt. Deshalb ist die dauerhafte Reparatur nicht das Häkchen im Druckdialog, sondern die Voreinstellung der Warteschlange.

Belege

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