Das Symptom
Zwanzig Seiten beidseitig gedruckt, und beim Durchblättern steht jede zweite Seite
kopf. Oder schlimmer: Die Seiten stehen richtig herum, sind aber in der falschen
Reihenfolge zusammengeheftet, sodass man das Papier bei jedem Blattwechsel um die
eigene Achse drehen muss. Der Text ist vollständig, die Tinte sitzt, die Seiten
stimmen — nur das Bündel ist unlesbar.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Dieser Fehler ist eine Seltenheit in der Drucker-Kategorie: Er ist vollständig
erklärbar, vollständig dokumentiert und vollständig die Schuld eines einzigen
Schalters. Beidseitiger Druck kennt genau drei Zustände, und sie heißen bei
Microsoft wie bei CUPS praktisch gleich — einseitig, an der langen Kante gewendet,
an der kurzen Kante gewendet. Mehr gibt es nicht.
Der Ärger entsteht daran, dass diese Namen niemandem etwas sagen. Microsoft
definiert die kurze Kante als Wenden parallel zur Breite des Mediums und die lange
als Wenden parallel zur Höhe — geometrisch einwandfrei und im Druckdialog vollkommen
nutzlos. CUPS ist gnädiger und schreibt in die Handbuchseite gleich hin, wofür man
sie braucht: lange Kante für Hochformat, kurze Kante für Querformat. Das ist die
ganze Regel. Wer sie einmal gelesen hat, trifft die Einstellung ab sofort blind.
Bleibt die Frage, warum sie ständig falsch steht. Weil sie an drei Stellen
gleichzeitig existiert: im Gerät, in den Voreinstellungen der Warteschlange und im
Druckdialog der Anwendung — und die letzte Instanz, die etwas hineinschreibt,
gewinnt. Ein Häkchen im Druckdialog repariert deshalb genau einen Ausdruck. Wer den
Ärger loswerden will, setzt die Voreinstellung der Warteschlange und lässt die
Anwendungen darüber streiten.
Und dann gibt es noch die Geräte ohne Wendeeinheit, bei denen die Software den
Stapel gedanklich umsortiert und der Mensch ihn körperlich umdreht. Microsoft
nennt das nüchtern manuelles Duplex, ausgeführt von Software und Nutzer. Übersetzt
heißt das: Hier ist die Fehlerquelle namentlich benannt, und sie steht vor dem
Papierfach.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Feststellen, welche Wendekante überhaupt gemeint ist
Ein Dokument im Hochformat wird üblicherweise an der langen Kante gewendet, eines im Querformat an der kurzen. Die CUPS-Handbuchseite schreibt genau das: beidseitig an der langen Kante ist für Hochformat-Ausgabe gedacht, beidseitig an der kurzen Kante für Querformat. Wer Hochformat mit der Querformat-Einstellung druckt, bekommt die kopfstehende Rückseite — und umgekehrt.
2.Unter Linux oder macOS die Einstellung direkt am Auftrag mitgeben
CUPS nimmt die Wendekante als Auftragsoption entgegen. Damit lässt sich in zwei Ausdrucken feststellen, welche der beiden Varianten das gewünschte Ergebnis liefert, ohne an Voreinstellungen zu drehen.
lp -o sides=two-sided-long-edge datei.pdf
lp -o sides=two-sided-short-edge datei.pdf
3.Die richtige Variante als Standard hinterlegen
Hat man die passende Kante gefunden, wird sie als Voreinstellung gespeichert. Die Handbuchseite ist hier präzise, und der Unterschied ist wichtig: Als normaler Nutzer aufgerufen, landet die Einstellung in der eigenen Datei ~/.cups/lpoptions und gilt nur für einen selbst; als root aufgerufen, schreibt derselbe Befehl nach /etc/cups/lpoptions und setzt damit die Vorgabe für alle Nutzer. Genutzt werden diese Optionen laut Dokumentation von lp und lpr beim Abschicken von Aufträgen.
lpoptions -p Warteschlangenname -o sides=two-sided-long-edge
sudo lpoptions -p Warteschlangenname -o sides=two-sided-long-edge
4.Unter Windows die Voreinstellung der Warteschlange ändern
Windows kennt dieselben drei Zustände unter denselben Namen: einseitig, beidseitig an der langen Kante, beidseitig an der kurzen Kante. Dauerhaft umstellen lässt sich das mit einem Aufruf aus dem Modul PrintManagement; laut Dokumentation braucht dieser Befehl Administratorrechte. Den aktuellen Stand zeigt Get-PrintConfiguration.
Get-PrintConfiguration -PrinterName "Buero-Laser"
Set-PrintConfiguration -PrinterName "Buero-Laser" -DuplexingMode TwoSidedLongEdge
5.Prüfen, ob das Gerät überhaupt selbst wendet
Microsoft unterscheidet in der Beschreibung des Duplexmodus zwei Fälle: Automatisches Duplex erledigt die Hardware, manuelles Duplex erledigen Software und Nutzer. Beim manuellen Duplex druckt das Gerät erst alle Vorderseiten und fordert dann zum Wiedereinlegen auf. Steht dabei die Rückseite falsch herum, liegt es nicht an der Einstellung, sondern daran, wie der Stapel zurückgelegt wurde — Drehen um die andere Achse, ein Testblatt mit Bleistiftpfeil hilft mehr als jedes Menü.
6.Zum Schluss die Anwendung im Verdacht behalten
Bleibt es bei falschen Rückseiten, obwohl die Warteschlange richtig steht, überschreibt die Anwendung die Einstellung. Textverarbeitungen und PDF-Betrachter bringen eigene Duplexschalter mit, und der zuletzt gesetzte gewinnt. In diesem Fall im Druckdialog der Anwendung dieselbe Kante wählen — und sich nicht wundern, dass zwei Programme dieselbe Einstellung unterschiedlich benennen.