Das Symptom
Der Ausdruck ist da, aber er sitzt falsch. Unten fehlt die letzte Zeile. Rechts
ist die Tabelle angeschnitten. Die Seitenzahl steht halb auf dem Papierrand, und
irgendwie wirkt das Ganze zu klein — als hätte jemand das Dokument um ein paar
Prozent geschrumpft und dann noch verschoben. Auf dem Bildschirm sah alles
richtig aus. Und die Vorschau im Druckdialog übrigens auch.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Zwischen Ihrem Dokument und dem Blatt Papier liegen drei Maße, die alle
unterschiedlich sein dürfen und es erschreckend oft auch sind: das Format, für
das das Dokument gesetzt wurde, das Format, das im Druckdialog eingestellt ist,
und das Format des Papiers, das tatsächlich im Fach liegt. Stimmen die drei nicht
überein, rechnet irgendjemand in der Kette die Differenz weg — und niemand hält
das für einen Fehler, der eine Meldung wert wäre.
Der Klassiker heißt Letter gegen A4. Der W3C-Standard für den Seitendruck nennt
die Maße nebeneinander: A4 ist 210 mal 297 Millimeter, Letter 8,5 mal 11 Zoll,
also rund 216 mal 279 Millimeter. Letter ist damit gut fünf Millimeter breiter
und fast zwei Zentimeter kürzer. Ein A4-Dokument auf Letter-Papier verliert
unten fast zwei Zentimeter — genau dort, wo Fußzeile, Seitenzahl und
Unterschriftszeile stehen. Das ist keine Bosheit des Geräts, sondern das
Ergebnis einer Rechnung, die stimmt.
Dazu kommt ein zweites Maß, das kaum jemand kennt und das Microsoft im Print
Schema sauber trennt: Neben der Papiergröße gibt es die bedruckbare Fläche.
Sie beschreibt die tatsächlich bebilderbare Leinwand und hat einen eigenen
Ursprung — ist der größer als null, existiert ein Rand, auf dem dieses Gerät
schlicht nichts drucken kann. Ein Layout, das den Rand ausreizt, verliert dort
Inhalt, egal wie richtig das Papierformat eingestellt ist.
Und dann ist da noch die Option, die all das kaschieren soll und dabei das dritte
Symptom erzeugt: „An Seite anpassen“. Das Print Schema formuliert es als
Verkleinerung auf die bedruckbare Fläche unter Beibehaltung des
Seitenverhältnisses. Übersetzt: Der Inhalt wird geschrumpft, bis er passt. Nichts
fehlt mehr — dafür ist jetzt alles ein bisschen kleiner, als es sein sollte, und
niemand erinnert sich, das je eingeschaltet zu haben. Die Alternative heißt in
derselben Dokumentation ausdrücklich, dass keine Skalierung angewandt wird. Man
kann Maßtreue haben oder Vollständigkeit. Beides gleichzeitig gibt es nur, wenn
das Format von Anfang an stimmt — und genau dort sollte man deshalb anfangen.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Erst das Format des Dokuments feststellen, nicht das des Druckers
Die häufigste Verwechslung: Man ändert im Druckdialog das Papierformat und wundert sich, dass sich nichts bessert. Das Dokument selbst hat ein Format — in Textverarbeitung, Tabelle oder PDF unter Seiteneinrichtung oder Dokumenteigenschaften. Steht dort Letter, während im Fach A4 liegt, hilft keine Druckereinstellung, sondern nur eine Korrektur am Dokument. Umgekehrt genauso.
2.Das Papierformat im Druckdialog auf das Papier im Fach setzen
Im Druckdialog das Format wählen, das wirklich im Papierfach liegt. Microsoft führt die Namen im Print Schema als feste Bezeichner: psk:ISOA4 und psk:NorthAmericaLetter gehören zum Element PageMediaSize, das laut Dokumentation die physischen Medienmaße für die Ausgabe beschreibt. In der Oberfläche heißen sie schlicht A4 und Letter. Achtung: Manche Anwendungen merken sich das Format pro Dokument, andere pro Drucker — die Einstellung an einer Stelle heilt die andere nicht.
3.Unter Linux und macOS das Format direkt am Auftrag mitgeben
Wer nicht raten will, setzt es auf der Kommandozeile. Die CUPS-Handbuchseite beschreibt die Option unmissverständlich: Sie setzt die Seitengröße, und die meisten Drucker unterstützen mindestens die Namen a4, letter und legal. Das ist der schnellste Test, ob es wirklich am Format liegt: Derselbe Ausdruck einmal mit ausdrücklich gesetztem Format.
lp -o media=a4 dokument.pdf
4.Das Format dauerhaft für die Warteschlange festlegen
Damit nicht jeder Auftrag von Neuem auf Letter zurückfällt, gehört die Vorgabe an die Warteschlange. Für den eigenen Benutzer erledigt das lpoptions, das laut Handbuch benutzerbezogene Druckeroptionen und Vorgaben setzt, die dann von lp verwendet werden. Systemweit übernimmt lpadmin: Die Handbuchseite erklärt, dass sich jede zur Druckzeit vorhandene Option als Vorgabe festschreiben lässt.
lpoptions -p Drucker -o media=a4
sudo lpadmin -p Drucker -o media-default=a4
5.Die Skalierung bewusst wählen, statt sie zu erben
Erst wenn das Format stimmt, ist die Skalierung überhaupt eine sinnvolle Frage. Steht dort noch An Seite anpassen aus einem früheren Auftrag, wird der Inhalt verkleinert, obwohl er längst passt — das ist der Grund für Ausdrucke, die korrekt aussehen, aber unerklärlich klein sind. Also: Skalierung ausschalten, wenn die Maße stimmen sollen; einschalten, wenn nichts wegfallen darf. Beides zusammen geht nicht.
6.Den unbedruckbaren Rand akzeptieren oder umgehen
Bleibt nach allem ein schmaler weißer Streifen ringsum, ist das kein Fehler, sondern der bedruckbare Bereich des Geräts. Wie breit dieser Rand ausfällt und ob ein Gerät randlos drucken kann, ist reine Herstellersache und steht in keinem Standard — hier endet die belegbare Auskunft. Praktisch heißt das: Layout mit ausreichendem Rand entwerfen, statt gegen die Mechanik zu arbeiten.