Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Ausdruck abgeschnitten oder verschoben

Unten fehlt eine Zeile, rechts ist alles abgeschnitten? Meist steht das Papierformat auf Letter statt A4 — oder die Skalierung rechnet dazwischen.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Voraussetzung:
Druckdialog der Anwendung, Terminal unter Linux oder macOS, Administrator- beziehungsweise Root-Rechte für systemweite Vorgaben
Gilt für:
Windows 10 und 11, macOS, Linux mit CUPS

Das Symptom

Der Ausdruck ist da, aber er sitzt falsch. Unten fehlt die letzte Zeile. Rechts ist die Tabelle angeschnitten. Die Seitenzahl steht halb auf dem Papierrand, und irgendwie wirkt das Ganze zu klein — als hätte jemand das Dokument um ein paar Prozent geschrumpft und dann noch verschoben. Auf dem Bildschirm sah alles richtig aus. Und die Vorschau im Druckdialog übrigens auch.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Zwischen Ihrem Dokument und dem Blatt Papier liegen drei Maße, die alle unterschiedlich sein dürfen und es erschreckend oft auch sind: das Format, für das das Dokument gesetzt wurde, das Format, das im Druckdialog eingestellt ist, und das Format des Papiers, das tatsächlich im Fach liegt. Stimmen die drei nicht überein, rechnet irgendjemand in der Kette die Differenz weg — und niemand hält das für einen Fehler, der eine Meldung wert wäre.

Der Klassiker heißt Letter gegen A4. Der W3C-Standard für den Seitendruck nennt die Maße nebeneinander: A4 ist 210 mal 297 Millimeter, Letter 8,5 mal 11 Zoll, also rund 216 mal 279 Millimeter. Letter ist damit gut fünf Millimeter breiter und fast zwei Zentimeter kürzer. Ein A4-Dokument auf Letter-Papier verliert unten fast zwei Zentimeter — genau dort, wo Fußzeile, Seitenzahl und Unterschriftszeile stehen. Das ist keine Bosheit des Geräts, sondern das Ergebnis einer Rechnung, die stimmt.

Dazu kommt ein zweites Maß, das kaum jemand kennt und das Microsoft im Print Schema sauber trennt: Neben der Papiergröße gibt es die bedruckbare Fläche. Sie beschreibt die tatsächlich bebilderbare Leinwand und hat einen eigenen Ursprung — ist der größer als null, existiert ein Rand, auf dem dieses Gerät schlicht nichts drucken kann. Ein Layout, das den Rand ausreizt, verliert dort Inhalt, egal wie richtig das Papierformat eingestellt ist.

Und dann ist da noch die Option, die all das kaschieren soll und dabei das dritte Symptom erzeugt: „An Seite anpassen“. Das Print Schema formuliert es als Verkleinerung auf die bedruckbare Fläche unter Beibehaltung des Seitenverhältnisses. Übersetzt: Der Inhalt wird geschrumpft, bis er passt. Nichts fehlt mehr — dafür ist jetzt alles ein bisschen kleiner, als es sein sollte, und niemand erinnert sich, das je eingeschaltet zu haben. Die Alternative heißt in derselben Dokumentation ausdrücklich, dass keine Skalierung angewandt wird. Man kann Maßtreue haben oder Vollständigkeit. Beides gleichzeitig gibt es nur, wenn das Format von Anfang an stimmt — und genau dort sollte man deshalb anfangen.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Erst das Format des Dokuments feststellen, nicht das des Druckers

    Die häufigste Verwechslung: Man ändert im Druckdialog das Papierformat und wundert sich, dass sich nichts bessert. Das Dokument selbst hat ein Format — in Textverarbeitung, Tabelle oder PDF unter Seiteneinrichtung oder Dokumenteigenschaften. Steht dort Letter, während im Fach A4 liegt, hilft keine Druckereinstellung, sondern nur eine Korrektur am Dokument. Umgekehrt genauso.

  2. 2.

    Das Papierformat im Druckdialog auf das Papier im Fach setzen

    Im Druckdialog das Format wählen, das wirklich im Papierfach liegt. Microsoft führt die Namen im Print Schema als feste Bezeichner: psk:ISOA4 und psk:NorthAmericaLetter gehören zum Element PageMediaSize, das laut Dokumentation die physischen Medienmaße für die Ausgabe beschreibt. In der Oberfläche heißen sie schlicht A4 und Letter. Achtung: Manche Anwendungen merken sich das Format pro Dokument, andere pro Drucker — die Einstellung an einer Stelle heilt die andere nicht.

  3. 3.

    Unter Linux und macOS das Format direkt am Auftrag mitgeben

    Wer nicht raten will, setzt es auf der Kommandozeile. Die CUPS-Handbuchseite beschreibt die Option unmissverständlich: Sie setzt die Seitengröße, und die meisten Drucker unterstützen mindestens die Namen a4, letter und legal. Das ist der schnellste Test, ob es wirklich am Format liegt: Derselbe Ausdruck einmal mit ausdrücklich gesetztem Format.

    lp -o media=a4 dokument.pdf
    
  4. 4.

    Das Format dauerhaft für die Warteschlange festlegen

    Damit nicht jeder Auftrag von Neuem auf Letter zurückfällt, gehört die Vorgabe an die Warteschlange. Für den eigenen Benutzer erledigt das lpoptions, das laut Handbuch benutzerbezogene Druckeroptionen und Vorgaben setzt, die dann von lp verwendet werden. Systemweit übernimmt lpadmin: Die Handbuchseite erklärt, dass sich jede zur Druckzeit vorhandene Option als Vorgabe festschreiben lässt.

    lpoptions -p Drucker -o media=a4
    sudo lpadmin -p Drucker -o media-default=a4
    
  5. 5.

    Die Skalierung bewusst wählen, statt sie zu erben

    Erst wenn das Format stimmt, ist die Skalierung überhaupt eine sinnvolle Frage. Steht dort noch An Seite anpassen aus einem früheren Auftrag, wird der Inhalt verkleinert, obwohl er längst passt — das ist der Grund für Ausdrucke, die korrekt aussehen, aber unerklärlich klein sind. Also: Skalierung ausschalten, wenn die Maße stimmen sollen; einschalten, wenn nichts wegfallen darf. Beides zusammen geht nicht.

  6. 6.

    Den unbedruckbaren Rand akzeptieren oder umgehen

    Bleibt nach allem ein schmaler weißer Streifen ringsum, ist das kein Fehler, sondern der bedruckbare Bereich des Geräts. Wie breit dieser Rand ausfällt und ob ein Gerät randlos drucken kann, ist reine Herstellersache und steht in keinem Standard — hier endet die belegbare Auskunft. Praktisch heißt das: Layout mit ausreichendem Rand entwerfen, statt gegen die Mechanik zu arbeiten.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum fehlt unten immer die letzte Zeile?

Weil das Dokument für A4 gesetzt ist und der Drucker auf Letter steht — oder umgekehrt. Der W3C-Standard für den Seitendruck nennt beide Maße im Klartext: A4 ist „210 mm wide and 297 mm high“, Letter ist „8.5 inches wide and 11 inches high“, also rund 216 mal 279 Millimeter. Letter ist also gut fünf Millimeter breiter, aber fast zwei Zentimeter kürzer als A4. Wer ein A4-Dokument auf Letter-Papier legt, verliert unten diese zwei Zentimeter. Das ist keine Fehlfunktion, sondern schlichte Geometrie.

?Warum druckt der Drucker nicht bis an den Blattrand?

Weil er es nicht kann und das auch offen sagt. Microsofts Print Schema kennt neben dem Papierformat eine zweite Größe, den bedruckbaren Bereich: PageImageableSize „describes the imaged canvas for layout and rendering“ und wird laut Dokumentation aus Papierformat und Ausrichtung abgeleitet. Dazu gehört ein Ursprung, der den „horizontal origin of the imageable area relative to the application media size“ angibt. Ist dieser Ursprung größer als null, gibt es einen unbedruckbaren Rand — und alles, was dort landet, fällt weg.

?Soll ich „An Seite anpassen“ einschalten oder ausschalten?

Kommt darauf an, was Sie wollen. Das Print Schema beschreibt beide Optionen sauber: FitApplicationMediaSizeToPageImageableSize bedeutet, „the application media size should be scaled to the PageImageableSize preserving the aspect ratio“ — der Inhalt wird also verkleinert, bis er komplett auf die bedruckbare Fläche passt, und ist danach etwas kleiner als gedacht. Die Option None dagegen legt fest, dass „no scaling should be applied“ — dann stimmen die Maße, aber der Überstand wird abgeschnitten. Kein Ausdruck kann beides gleichzeitig.

Belege

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