Das Symptom
Sie drucken eine Seite. Heraus kommen achtzehn. Auf jeder stehen ein paar Zeilen
kryptischer Zeichen — Prozentzeichen, Klammern, Buchstabenfolgen ohne Sinn,
vielleicht ein erkennbares Wort wie ein Schriftartname dazwischen. Der Rest der
Seite ist leer. Das Gerät arbeitet dabei zufrieden weiter und wirkt völlig
unbeeindruckt davon, dass es gerade das halbe Papierfach für nichts verbraucht.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Ein Drucker versteht keine Dokumente. Er versteht eine Sprache — meist
PostScript, PCL oder ein herstellereigenes Format — und rechnet das, was in
dieser Sprache ankommt, in Punkte auf Papier um. Ihr Rechner erzeugt diese
Sprache erst, und zwar im Treiber. Was Sie hier sehen, ist das Ergebnis eines
Missverständnisses zwischen diesen beiden: Der Rechner spricht die eine Sprache,
das Gerät versteht die andere, und weil beide sich für zuständig halten, fragt
niemand nach.
Das Bemerkenswerte ist, dass das Protokoll diesen Fall kennt und sauber regelt.
RFC 8011 schreibt vor, dass ein Drucker eine Anfrage ablehnen muss, wenn das
gelieferte Dokumentformat nicht zu den unterstützten gehört — mit einem eigenen
Statuscode dafür. Es gibt also einen vorgesehenen, höflichen Weg, hier Nein zu
sagen. Dieser Weg wird nur nicht beschritten, wenn die Warteschlange die Daten
unverändert durchreicht, statt sie als Auftrag mit Formatangabe zu übergeben. In
CUPS heißt eine solche Warteschlange raw, und die Handbuchseite sagt offen, was
das bedeutet: Jede vorhandene Treiberbeschreibung wird entfernt. Damit fällt auch
die Prüfung weg, die den Unsinn verhindert hätte.
Selbst dort, wo der Standard den Drucker das Format selbst erkennen lässt, ist er
ehrlich über die Grenze: Beim Selbsterkennen kann ein Drucker feststellen, dass
er das Format nicht kennt — kann, nicht muss. Merkt er es erst nach der Annahme,
trägt er das nachträglich bei den Auftragsgründen ein. Merkt er es nie, druckt er
weiter. Und ein Gerät, das gerade in seinen einfachen Textmodus gefallen ist,
merkt es garantiert nie: Für einen Textinterpreter ist eine Steuersequenz kein
Befehl, sondern eine Zeichenkette. Er setzt sie hin. Trifft er dabei auf ein
Zeichen für den Seitenvorschub, wirft er das Blatt aus und macht auf dem nächsten
weiter. Deshalb kommen nicht ein paar wirre Zeilen heraus, sondern ein Stapel.
Der Drucker macht hier also nichts falsch. Er tut exakt das, was man ihm gesagt
hat, in einer Sprache, in der man ihm eigentlich etwas anderes sagen wollte. Und
er wird damit nicht von selbst aufhören — solange Papier im Fach liegt, hat er
keinen Grund dazu. Deshalb beginnt die Reparatur nicht mit dem Treiber, sondern
mit der Abbruchtaste.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Den Auftrag zuerst stoppen
Solange das Gerät druckt, ist jede Analyse Papierverschwendung. Die CUPS-Handbuchseite beschreibt den Schalter als Abbruch aller Aufträge am genannten Ziel; ein zweiter Schalter löscht zusätzlich die Auftragsdaten und heißt dort -x. Danach am Gerät gegebenenfalls den Puffer leeren — die meisten Drucker haben dafür eine Abbruchtaste; wie sie heißt, steht im Handbuch des Modells.
cancel -a Drucker
2.Nachsehen, worüber überhaupt gedruckt wird
Der nächste Schritt klärt den Weg zum Gerät. Die Handbuchseite beschreibt den Schalter als Anzeige der Drucker und der Geräte, an die sie angeschlossen sind. Steht dort ein Netzwerkanschluss, während im Treiber ein ganz anderes Modell hinterlegt ist, haben Sie die Ursache bereits gefunden. Ergänzend zeigt lpoptions die druckerspezifischen Optionen und ihre aktuellen Werte — bleibt diese Liste auffällig leer, spricht das für eine Warteschlange ohne Treiberbeschreibung.
lpstat -v
lpoptions -p Drucker -l
3.Eine Warteschlange ohne Treiber erkennen
Der häufigste Auslöser ist eine Warteschlange, die überhaupt nicht umwandelt, sondern durchreicht. In CUPS heißt dieses Modell schlicht raw, und die Handbuchseite sagt dazu unmissverständlich, dass es jede vorhandene PPD-Datei entfernt. Eine solche Warteschlange schickt dem Gerät exakt das, was die Anwendung erzeugt hat — was großartig ist, wenn das Gerät diese Sprache spricht, und genau dieses Symptom erzeugt, wenn nicht.
4.Den passenden Treiber ermitteln
Welche Treiberbeschreibungen der Server kennt, listet lpinfo auf; die Handbuchseite nennt die eine Form als Auflistung der verfügbaren Treiber und bietet einen Filter nach Hersteller und Modell an. Wichtig für die Erwartungshaltung: Dieselbe Handbuchseite hält ausdrücklich fest, dass CUPS-Druckertreiber und -Backends als veraltet gelten und in einer künftigen Version nicht mehr unterstützt werden. Für neuere Netzwerkdrucker ist der Weg über IPP der vorgesehene.
lpinfo -m
5.Die Warteschlange auf den richtigen Weg setzen
Für moderne Netzwerkdrucker beschreibt die Handbuchseite ein eigenes Modell: everywhere befragt den Drucker, auf den die angegebene IPP-Adresse zeigt, und leitet die Fähigkeiten daraus ab. Das ist der Weg, der den Formatstreit an der Wurzel beendet, weil beide Seiten dieselbe Auskunft verwenden. Die Adresse des Geräts steht auf seinem Display oder in der Netzwerk-Statusseite.
sudo lpadmin -p Drucker -v ipp://drucker.local/ipp/print -m everywhere
6.Die Fehlerpolitik so setzen, dass ein Formatfehler nicht das Gerät blockiert
Damit der nächste Formatkonflikt nicht die ganze Warteschlange lahmlegt, lohnt ein Blick auf die Fehlerpolitik. Die Handbuchseite beschreibt sie als Regel für Fehler wie Drucker, die nicht gefunden werden, die das gedruckte Format nicht unterstützen oder bei denen die Übergabe der Druckdaten scheitert — und nennt als Standardwert für Drucker das Anhalten des Geräts. Wer stattdessen den Auftrag verwerfen lassen will, setzt es ausdrücklich.
sudo lpadmin -p Drucker -o printer-error-policy=abort-job
7.Unter Windows die Warteschlange neu aufbauen
Unter Windows gibt es kein raw-Modell zum Nachsehen, dafür denselben Auslöser in anderer Form: eine Warteschlange mit dem Treiber eines fremden Modells, meist durch automatische Einrichtung entstanden oder aus einer alten Installation übriggeblieben. Die belastbare Reparatur ist hier keine Einstellung, sondern ein Neuanfang: die vorhandene Warteschlange entfernen, das Gerät neu hinzufügen und dabei den Treiber des tatsächlichen Modells wählen. Eine Warteschlange mit dem falschen Treiber ist kein Besitz, den man erhalten müsste.