Das Symptom
Der Geschäftsbrief kommt auf grauem Recyclingpapier heraus, während das
Briefpapier unberührt in Fach 2 liegt. Oder umgekehrt: Der Serienbrief frisst
sich durch den gesamten Vorrat an Briefumschlägen, weil das Gerät sich entschied,
sie für gewöhnliches Papier zu halten. Im Druckdialog stand das richtige Fach —
man hat extra nachgesehen. Beim nächsten Auftrag steht dort wieder etwas
anderes.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Es gibt einen Denkfehler, der fast allen passiert, und er sitzt schon in der
Frage. Man fragt sich: Wie sage ich dem Drucker, aus welchem Fach er ziehen
soll? Der Standard beantwortet aber eine andere Frage, nämlich: Auf welchem
Papier soll gedruckt werden?
RFC 8011 beschreibt diese Kette ausdrücklich. Nennt man ein Medium, wählt das
Gerät implizit das Fach aus, in dem dieses Medium liegt. Nennt man ein Format,
wählt das Gerät implizit einen Medienname und darüber wieder ein Fach. Und wenn
man umgekehrt ein Fach benennt, dann wählt dieses Fach implizit aus, was gerade
darin liegt — zum Zeitpunkt des Drucks, nicht zum Zeitpunkt des Einstellens. Wer
also hart auf Fach 2 stellt und jemand füllt dort gewöhnliches Papier nach, hat
keinen Fehler eingebaut, sondern genau das bekommen, was er verlangt hat.
Der zweite Teil der Wahrheit ist die Trennung zwischen was ginge und was
dringliegt. Der Standard führt dafür zwei getrennte Eigenschaften: eine für
alles, was das Gerät unterstützt, und eine für den Teil davon, der wirklich
eingelegt und ohne Handgriff verfügbar ist. Genau deshalb kann ein Fach in jedem
Menü auftauchen und für diesen einen Auftrag trotzdem ausfallen. Auf der
Windows-Seite steht dieselbe Unterscheidung im Print Schema: Unterstützte
Fächer, die gerade nicht installiert sind, sollen als eingeschränkt gemeldet
werden.
Und dann ist da noch der Grund, warum sich Einstellungen scheinbar von selbst
zurücksetzen. Das Print Schema kennt die Fachauswahl auf drei Ebenen — Auftrag,
Dokument, Seite — und erklärt sie ausdrücklich für gegenseitig ausschließend.
Wer im Programm eine Ebene bedient und in den Druckereigenschaften eine andere,
hat nicht doppelt abgesichert, sondern einen Konflikt erzeugt, dessen Auflösung
niemand vorhersagen kann.
Praktisch folgt daraus eine einzige, unspektakuläre Regel: Papier benennen, nicht
Fächer zählen. Am Gerät hinterlegen, was in welchem Fach liegt, und in der
Anwendung nur noch sagen, worauf gedruckt werden soll. Das überlebt sogar den
Kollegen, der die Fächer umsortiert — und das ist mehr, als man von einer
Fachnummer je verlangen kann.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Nicht das Fach suchen, sondern das Papier benennen
Der wirksamste Griff ist auch der unauffälligste: Statt Fach 2 anzukreuzen, geben Sie an, auf welchem Papier gedruckt werden soll. Der Standard beschreibt genau diese Richtung — ein Medienname wählt implizit das Fach aus, in dem dieses Medium liegt. Das hat einen praktischen Vorteil: Räumt jemand das Briefpapier von Fach 2 in Fach 3, druckt es weiterhin richtig. Die Fachnummer wäre dann falsch, der Papiername nicht.
2.Am Gerät hinterlegen, was in welchem Fach liegt
Damit das funktionieren kann, muss der Drucker wissen, womit er bestückt ist. Am Bedienfeld gehört zu jedem Fach das eingelegte Format und die Papiersorte eingetragen — Briefumschläge als Umschläge, Briefpapier als das, was es ist. Genau darauf beruht die Unterscheidung des Standards zwischen dem, was ein Gerät könnte, und dem, was gerade bereitliegt. Ein Fach, dessen Inhalt nicht hinterlegt ist, kann von keiner Anwendung sinnvoll angesprochen werden.
3.Nachsehen, welche Optionen diese Warteschlange wirklich anbietet
Bevor man rät, fragt man. Die CUPS-Handbuchseite beschreibt den Schalter dafür schlicht als Auflistung der druckerspezifischen Optionen und ihrer aktuellen Einstellungen. Was dort nicht auftaucht, gibt es für diese Warteschlange auch nicht — und dann hilft kein Wert, den man irgendwo abgeschrieben hat.
lpoptions -p Drucker -l
4.Den Wert am einzelnen Auftrag ausprobieren, bevor er festgeschrieben wird
Der schnellste Test ist ein einzelner Ausdruck mit ausdrücklich gesetztem Medium. Die Handbuchseite zu lp beschreibt die Option als Setzen der Seitengröße und nennt die üblichen Namen a4, letter und legal; Geräte mit mehreren Fächern führen daneben eigene Namen für Sorten und Zuführungen, die im vorigen Schritt sichtbar wurden. Erst wenn ein Auftrag so richtig herauskommt, lohnt es sich, den Wert dauerhaft zu hinterlegen.
lp -o media=a4 dokument.pdf
5.Die Vorgabe dorthin schreiben, wo sie hingehört
Zwei Ebenen, zwei Werkzeuge. Für den eigenen Benutzer setzt lpoptions die Vorgaben, die laut Handbuch anschließend von lp und lpr benutzt werden. Systemweit übernimmt lpadmin: Dort lässt sich jede zur Druckzeit vorhandene Option als Standard festschreiben. Der Unterschied ist wichtig, wenn sich mehrere Personen einen Rechner teilen — die eine Einstellung heilt die andere nicht.
lpoptions -p Drucker -o media=a4
sudo lpadmin -p Drucker -o media-default=a4
6.Unter Windows die Ebene wählen, statt mehrere zu bedienen
Entscheiden Sie sich bewusst: Entweder die Fachauswahl steckt im Dokument beziehungsweise im Druckdialog des Programms, oder sie steht als Vorgabe in den Druckeinstellungen des Treibers. Beides gleichzeitig zu setzen ist laut Print Schema kein doppelter Boden, sondern eine ausdrücklich unzulässige Kombination. Einen unterstützten PowerShell-Schalter für die Papierzufuhr gibt es nicht — Set-PrintConfiguration kennt Papierformat, Duplex und Farbe, aber kein Fach. Die Fachvorgabe wird deshalb in den Druckereigenschaften gesetzt, nicht auf der Kommandozeile.
7.Zubehörfächer im Treiber nachtragen
Ein nachgerüstetes Fach existiert für das System erst, wenn es dort eingetragen ist. Unter Windows steht das in den Druckereigenschaften unter den Geräteeinstellungen, wo installierbares Zubehör gemeldet wird; unter CUPS entspricht dem eine Option in der Warteschlange, die im dritten Schritt sichtbar wird. Solange das Fach dort fehlt, sieht der Druckdialog es nicht — und der Drucker zieht weiter aus dem, was er kennt.