Das Symptom
Sie tippen auf Drucken. Das Handy denkt kurz nach und meldet dann: kein Drucker
gefunden. Dabei steht der Drucker drei Meter weiter, ist eingeschaltet, im WLAN
angemeldet und druckt vom Rechner aus problemlos. Am Handy ist derselbe Netzname
zu sehen wie am Drucker. Sie starten das Handy neu, den Drucker auch, den Router
sicherheitshalber ebenfalls. Die Liste bleibt leer.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Der entscheidende Satz für diesen Fehler steht in RFC 6762, dem Standardtext für
die Namenssuche im lokalen Netz, und er ist unfreundlich präzise: Namen, die auf
.local enden, sind link-local und nur auf demjenigen Netzabschnitt bedeutsam, auf
dem sie entstehen. Genau darüber läuft die Druckersuche. Das Handy ruft nicht
irgendwo an, es ruft in den Raum — und wer den Raum nicht mit ihm teilt, hört den
Ruf nicht.
Und geteilt wird der Raum seltener, als es aussieht. Ein Gast-WLAN ist genau
dafür gebaut, seine Teilnehmer voneinander zu trennen. Ein zweites Netz für
Smart-Home-Geräte tut dasselbe. Zwei getrennte Namen für 2,4 und 5 GHz können
denselben Router meinen und trotzdem verschiedene Netzabschnitte sein. Und die
Einstellung, die im Accesspoint Client-Isolation heißt, macht aus einem einzigen
WLAN eine Ansammlung von Einzelzellen. In all diesen Fällen sind Handy und
Drucker sichtbar im selben Netz und funktional in zwei verschiedenen Welten. Der
Drucker antwortet, wie er soll. Die Antwort kommt nur nirgendwo an.
Was das Handy dabei überhaupt sucht, beschreibt RFC 6763: keine Geräte, sondern
Verzeichniseinträge. Es fragt nach Zeigereinträgen für den Diensttyp _ipp._tcp
und bekommt eine Liste von Dienstinstanznamen zurück, aufgebaut nach dem Muster
Instanz.Dienst.Domäne — wobei die Instanz genau der freundliche Name ist, den Sie
am Ende in der Auswahlliste sehen. Kommt keine Antwort, gibt es auch keine Liste.
Und weil eine ausgebliebene Antwort in diesem Verfahren nicht von „es gibt hier
keinen Drucker“ zu unterscheiden ist, meldet das Handy genau das. Es lügt nicht.
Es weiß es einfach nicht besser.
Bei Android kommt eine zweite Fallgrube dazu, und die hat mit dem Netz gar nichts
zu tun. Die Suche selbst erledigt dort ein Druckdienst, und Googles
Dokumentation stellt klar, dass ein solcher Dienst ausschließlich durch eine
ausdrückliche Handlung des Benutzers in den Einstellungen ein- oder ausgeschaltet
wird. Ist keiner aktiv, sucht auf dem Gerät niemand — und das Ergebnis sieht
haargenau aus wie ein kaputtes Netz. Bevor Sie also den Router zerlegen, sehen
Sie in den Einstellungen nach, ob überhaupt jemand losgeschickt wurde.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Zuerst die banale Bedingung prüfen
Apple schreibt sie im iPhone-Handbuch als ausdrücklichen Hinweis hin: iPhone und Drucker müssen im selben WLAN sein. Das klingt trivial, und es ist trotzdem der häufigste Fall — vor allem in Haushalten mit einem 2,4-GHz- und einem 5-GHz-Netz unter verschiedenen Namen oder mit einem separaten Gäste- oder Smart-Home-Netz. Prüfen Sie am Handy den Namen des verbundenen Netzes und am Drucker den Namen des Netzes, in dem er hängt. Nicht das Passwort, den Namen.
2.Gast-WLAN und Client-Isolation ausschließen
Ein Gastnetz ist genau dafür gebaut, seine Teilnehmer voneinander abzuschirmen — und der Drucker ist für das Handy dann ein Fremder. Dasselbe gilt für die Einstellung, die Geräte im selben Netz voneinander trennt und je nach Router Client-Isolation, AP-Isolation oder ähnlich heißt. Beides ist an dieser Stelle tödlich, denn die Druckersuche ist laut RFC 6762 auf den lokalen Netzabschnitt beschränkt und kennt keinen Umweg. Wo eine Trennung liegt, ist die Suche zu Ende.
3.Von einem Rechner aus nachsehen, ob sich der Drucker überhaupt meldet
Jetzt die Gegenprobe: Ein Rechner im selben Netz zeigt, ob das Problem beim Handy oder im Netz liegt. Die CUPS-Handbuchseite beschreibt einen Schalter, der alle im lokalen Netz verfügbaren Ziele anzeigt. Kommt dort nichts, kündigt sich der Drucker im erreichbaren Netzabschnitt nicht an — dann ist das Handy unschuldig.
lpstat -e
4.Die Dienstankündigung direkt mitlesen
Wer genauer hinsehen will, fragt den Diensttyp direkt ab. Das Werkzeug avahi-browse durchsucht laut Handbuchseite mDNS- und DNS-SD-Netzdienste; der Schalter für die Auflösung liefert die Details, der andere beendet die Suche, sobald die Liste einigermaßen vollständig ist. Erscheint hier ein Eintrag, ist der Drucker im Netz sichtbar und das Handy hat ein eigenes Problem. Erscheint keiner, ist es das Netz.
avahi-browse -rt _ipp._tcp
5.Unter Android den Druckdienst einschalten
Android liefert das Drucken nicht von sich aus mit einem Suchdienst aus. Der Druckdienst wird laut Googles Dokumentation ausschließlich durch eine ausdrückliche Benutzeraktion in den Geräteeinstellungen aktiviert oder deaktiviert. In den Einstellungen unter Verbundene Geräte oder Drucken nachsehen, ob ein Dienst vorhanden und eingeschaltet ist. Für Geräte ohne passenden Dienst bieten die Hersteller eigene Anwendungen an — welche das für Ihr Modell ist, steht in dessen Unterlagen und nicht in einem Standard.
6.Unter iOS und iPadOS die Druckerfähigkeit prüfen
Apples Handbuch nennt die Voraussetzung ohne Umschweife: Es wird drahtlos auf einen AirPrint-fähigen Drucker gedruckt, und zwar aus Apps heraus über die Teilen- beziehungsweise Aktionsschaltfläche und dann Drucken. Kann Ihr Gerät kein AirPrint, taucht es in dieser Liste nie auf, ganz gleich wie gesund das Netz ist. Ob ein Modell AirPrint beherrscht, steht in seinen Unterlagen — nachrüsten lässt es sich nicht.
7.Notfalls den Umweg über die feste Adresse nehmen
Führt die Suche nicht zum Ziel, bleibt der Weg, der ohne Suche auskommt: den Drucker an einem Rechner mit seiner IP-Adresse einrichten und ihn von dort freigeben, oder die Anwendung des Herstellers verwenden, die den Drucker über einen eigenen Weg anspricht. Das ist kein eleganter Weg, aber ein ehrlicher — die automatische Auffindbarkeit ist ein Komfortmerkmal, kein Naturgesetz.