Das Symptom
Das Foto sah auf dem Bildschirm großartig aus: ein tiefes, leuchtendes Blau, ein
kräftiges Rot, satte Schatten. Auf Papier ist das Blau schmutzig, das Rot wirkt
wie ausgewaschen, und die Schatten sind ein einheitlicher brauner Brei. Der
Drucker ist neu, die Patronen sind voll, die Düsen sind sauber. Trotzdem: Es
sieht schlicht anders aus. Und je mehr Sie an den Reglern drehen, desto weniger
wird es besser.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Hier ist nichts kaputt. Hier trifft eine Erwartung auf Physik, und die Physik
gewinnt. Ein Bildschirm ist eine Lichtquelle: Er erzeugt Farbe, indem er Rot,
Grün und Blau zusammenschaltet. In Microsofts Beschreibung des RGB-Modells liegt
Schwarz im Ursprung — alle Anteile null, also kein Licht — und Weiß am
gegenüberliegenden Ende, wenn alles auf Maximum steht. Papier macht das genaue
Gegenteil. Es leuchtet nicht, es schluckt. Das CMY-Modell ist laut derselben
Dokumentation subtraktiv: Weiß liegt bei null, Schwarz bei Maximum. Wer nichts
abzieht, behält das weiße Blatt. Ein Ausdruck kann deshalb nicht leuchten, egal
wie gut der Drucker ist. Er kann nur unterschiedlich viel Licht wegnehmen.
Dazu kommt, dass Tinte sich nicht an die Theorie hält. Rechnerisch müsste die
Mischung aus Cyan, Magenta und Gelb Schwarz ergeben. Microsoft schreibt hin, was
tatsächlich herauskommt: meist ein dunkles Braun. Deshalb gibt es das K in CMYK —
eine vierte, schwarze Tinte, die ein Modell repariert, das in der Praxis nicht
funktioniert. Wer sich fragt, warum sein Drucker vier Patronen braucht, hat hier
die Antwort: Drei genügen nur auf dem Papier, und ausgerechnet dort nicht.
Der entscheidende Begriff heißt Farbvorrat. Jedes Gerät kann nur eine bestimmte
Menge Farben herstellen, und diese Mengen sind bei Monitor und Drucker
verschieden — nicht kleiner oder größer, sondern anders geschnitten. Was in der
einen Menge liegt, kann in der anderen fehlen. Und was fehlt, wird nicht
weggelassen, sondern ersetzt: durch die nächstliegende Farbe, die das Gerät
tatsächlich hinbekommt. Das ist der ganze Trick, und es ist auch die ganze
Enttäuschung. Ihr leuchtendes Blau wurde nicht falsch gedruckt. Es wurde
stellvertretend gedruckt.
Ein Farbprofil ist deshalb sinnvoll, aber es ist kein Zaubermittel. Es sorgt
dafür, dass die Ersetzung planvoll geschieht statt beliebig. Den Vorrat des
Druckers vergrößert es nicht. Wer den perfekten Abgleich zwischen einer
selbstleuchtenden Fläche und einem Blatt Papier verlangt, verlangt etwas, das es
nicht gibt — und das ist ausnahmsweise nicht die Schuld des Druckers. Der macht
hier nämlich genau das, was er kann. Nur eben nicht das, was Sie gesehen haben.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Die Erwartung an der Physik ausrichten
Ein Monitor sendet Licht, Papier wirft Licht zurück. Das sind zwei verschiedene Vorgänge, und die Farbmodelle spiegeln das: Im RGB-Modell ist der Ursprung Schwarz — alle drei Anteile null — und Weiß liegt am gegenüberliegenden Ende, wenn alles auf Maximum steht. Im CMY-Modell ist es umgekehrt: Es ist laut Microsoft subtraktiv, Weiß liegt bei null, Schwarz bei Maximum. Wer nichts abzieht, behält das weiße Papier; wer alles abzieht, bekommt Schwarz. Ein Ausdruck kann deshalb prinzipiell nicht leuchten.
2.Verstehen, was beim Drucken wirklich passiert
Zwischen Bild und Blatt liegen zwei getrennte Schritte, die Microsoft ausdrücklich unterscheidet: erst die Umrechnung in den Farbraum des Druckers, dann die Zuordnung auf die nächstliegende Farbe, die dieses Gerät tatsächlich herstellen kann. Der zweite Schritt ist der, der wehtut — dort verschwinden die Farben, die Sie am Bildschirm gesehen haben. Kein Treiber und keine Einstellung kann diesen Schritt abschalten, sondern nur beeinflussen.
3.Unter Windows in die Farbverwaltung schauen
Windows bringt eine eigene Systemsteuerung für Farbprofile mit. Microsoft dokumentiert dafür den kanonischen Namen Microsoft.ColorManagement und den Aufruf über control.exe mit dem Schalter für den Namen. Dort sehen Sie, welches Profil dem Drucker zugeordnet ist — und ob es überhaupt eines ist. Ehrlich dazu: Microsofts Liste der kanonischen Namen führt als unterstützte Systeme nur Vista bis 8.1; der Aufruf funktioniert auf aktuellen Windows-Versionen weiterhin, dokumentiert ist er dort aber nicht.
control.exe /name Microsoft.ColorManagement
4.Unter Linux und macOS die Farboptionen der Warteschlange auflisten
Welche Farbeinstellungen ein CUPS-Drucker überhaupt anbietet und was gerade gesetzt ist, listet lpoptions auf. Die Handbuchseite beschreibt den Schalter als Auflistung der druckerspezifischen Optionen und ihrer aktuellen Werte. Dort stehen je nach Treiber Einträge wie ColorModel oder die Medienauswahl. Was nicht in dieser Liste steht, kann der Treiber auch nicht — das erspart die Suche nach einem Schalter, den es nicht gibt.
lpoptions -p Drucker -l
5.Das Druckmedium richtig einstellen
Dieselbe Tinte auf Fotopapier und auf Kopierpapier ergibt zwei verschiedene Farben, weil das Papier mitentscheidet, wie viel Licht zurückkommt. Microsoft nennt das Papier ausdrücklich als einen der Faktoren, an denen sich das Verhalten der Tinten zeigt. Praktisch heißt das: Die Medienauswahl im Treiber muss zum eingelegten Papier passen. Wie stark ein bestimmtes Gerät dabei nachregelt, ist Herstellersache und in keinem Standard beschrieben — dort endet die belegbare Auskunft.
6.Einen Testdruck machen, statt am Bildschirm zu urteilen
Beurteilen Sie das Ergebnis auf Papier bei Tageslicht, nicht im Vergleich zum leuchtenden Monitor daneben. Microsoft nennt den Weißpunkt eines Farbraums als geräteabhängige Größe und die Gammakorrektur als üblichen Ausgleich für solche Unterschiede. Übersetzt: Selbst zwei korrekt eingestellte Geräte zeigen nicht dasselbe, und das Auge vergleicht mit dem, was direkt daneben leuchtet. Zwei Ausdrucke nebeneinander sind ein sinnvoller Vergleich, Bildschirm gegen Papier ist keiner.