Layer 8Ehrlicher Tech-Support

App-Passwörter überleben den Passwortwechsel

Ein App-Kennwort wird beim Zurücksetzen des Kontokennworts nicht automatisch ungültig. Und eine freigegebene App interessiert sich nicht dafür.

Aufwand:
ca. 30 Min.
Voraussetzung:
Zugang zu den Sicherheitseinstellungen des Kontos, Liste der eigenen Programme, die auf das Konto zugreifen
Gilt für:
Konten mit App-Kennwörtern, Konten mit freigegebenen Drittanbieter-Apps

Das Symptom

Alles ist getan: neues Kontopasswort, alle Sitzungen beendet, zweiter Faktor eingerichtet, Weiterleitungen geprüft. Und trotzdem taucht in der Anmeldehistorie weiterhin ein Zugriff auf, der nicht zuzuordnen ist – oft mit einem Programmnamen statt eines Browsers. Oder Mails werden gelesen und als gelesen markiert, ohne dass sich jemand angemeldet hätte. In der Sitzungsliste steht nichts, weil hier gar keine Sitzung im üblichen Sinn läuft.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Ein Konto hat mehr Schlüssel als das eine Passwort, und zwei Sorten davon sind ausdrücklich so gebaut, dass sie den Passwortwechsel überstehen – nicht als Fehler, sondern als Zweck.

Die erste Sorte ist das App-Kennwort. Es existiert, damit ein Programm sich anmelden kann, das mit einer Zwei-Faktor-Abfrage nichts anfangen kann. Es geht bewusst am normalen Anmeldeweg vorbei, und deshalb erwischt der neue Weg es auch nicht. Microsoft sagt das in einem Satz, den man sich merken sollte: App-Kennwörter werden nicht automatisch widerrufen, wenn man das Kennwort zurücksetzt. Wer sie nicht einzeln löscht, hat die Haustür ausgetauscht und den Schlüssel unter der Matte liegen gelassen.

Die zweite Sorte ist die erteilte App-Berechtigung – jener Dialog, in dem eine Anwendung um Zugriff auf Postfach, Kontakte oder Dateien bittet und man auf „Zulassen“ klickt. Hier ist der Unterschied noch grundsätzlicher: Es meldet sich gar kein Mensch an. Es arbeitet eine Anwendung mit einer Zustimmung, die man einmal gegeben hat. Microsoft zieht daraus die unbequeme Schlussfolgerung selbst und schreibt, dass die üblichen Gegenmaßnahmen – Kennwort zurücksetzen, mehrstufige Authentifizierung erzwingen – bei dieser Angriffsart nicht wirksam sind. Das ist kein Nebensatz, sondern die ganze Pointe: Gegen eine erteilte Berechtigung hilft nur, sie zurückzunehmen.

Praktisch heißt das, dass die Reihenfolge auch hier zählt. Erst den Anmeldeweg schließen, dann die Nebenschlüssel einziehen: App-Kennwörter löschen, Apps entziehen, Single-Sign-On-Verknüpfungen durchsehen. Und erst danach die eigenen Programme neu verbinden – wer währenddessen frische Schlüssel ausgibt, verteilt sie in eine Umgebung, in der die Aufräumarbeit noch nicht fertig ist.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Erst die Anmeldung schließen, dann die Nebenschlüssel

    Die Reihenfolge stammt von Microsoft: Kennwort zurücksetzen und Konto sperren, aktive Sitzungen widerrufen, dann die registrierten Zweitfaktor-Geräte, dann die Liste der Anwendungen mit Benutzereinwilligung. Microsoft ordnet all diese Schritte ausdrücklich als Methoden ein, die es dem Angreifer sonst ermöglichen könnten, die Persistenz aufrechtzuerhalten und später die Kontrolle wiederzuerlangen – und mahnt, jeden einzelnen auszuführen.

  2. 2.

    Alle App-Kennwörter löschen, nicht nur die verdächtigen

    Microsoft ist hier eindeutig: App-Kennwörter werden nicht automatisch widerrufen, wenn das Kennwort zurückgesetzt wird; der Benutzer soll vorhandene App-Kennwörter löschen und neue erstellen. Löschen statt sortieren ist die richtige Entscheidung, weil einem App-Kennwort nicht anzusehen ist, wer es erzeugt hat – es trägt nur den Namen, den jemand ihm gegeben hat.

  3. 3.

    Die Liste der Apps mit erteilter Zustimmung durchgehen

    Microsoft führt das als eigenen Schritt: die Liste der Anwendungen mit Benutzereinwilligung überprüfen und alle Anwendungen entfernen und widerrufen, die nicht zulässig sein sollten. Die Frage bei jedem Eintrag lautet nicht, ob der Name seriös klingt, sondern ob man die App kennt und heute noch benutzt. Alles andere fliegt raus; was man vermisst, verbindet man neu.

  4. 4.

    Verstehen, warum Passwortwechsel und Zwei-Faktor hier nicht greifen

    Microsoft schreibt zu missbräuchlichen Zustimmungserteilungen, dass normale Korrekturschritte wie das Zurücksetzen von Kennwörtern oder das Erfordern der mehrstufigen Authentifizierung bei dieser Art von Angriff nicht wirksam seien. Der Grund ist der Mechanismus: Nicht ein Mensch meldet sich an, sondern eine Anwendung nutzt eine einmal erteilte Berechtigung. Sie fragt nie wieder nach einem Passwort, weil sie das nie musste.

  5. 5.

    Auch die Berechtigungen lesen, nicht nur die Namen

    Bei jeder App steht dabei, worauf sie zugreifen darf. Microsoft nennt als typischen Umfang solcher Anfragen Kontaktinformationen, E-Mails oder Dokumente – Leserechte am ganzen Postfach sind für ein Kalender-Werkzeug oder einen Newsletter-Dienst kein plausibler Bedarf. Ein zu weiter Umfang ist auch dann ein Grund zum Entziehen, wenn die App echt ist.

  6. 6.

    Die Single-Sign-On-Anmeldungen bei anderen Diensten aufräumen

    Das BSI beschreibt beide Richtungen. Wer noch Zugriff hat, sieht in den Einstellungen des E-Mail-Kontos nach, für welche Anwendungen die Anmeldung über dieses Konto läuft und ob neue hinzugekommen sind. Wer keinen Zugriff mehr hat, informiert die Anbieter dieser Anwendungen und legt dort, wenn möglich, eigene Anmeldedaten an, statt weiter über das strittige Konto zu gehen.

  7. 7.

    Erst danach die eigenen Programme neu verbinden

    Jetzt ein neues App-Kennwort pro Programm erzeugen und jede benötigte App einzeln neu freigeben. Der Zeitpunkt ist wichtig: Wer neu verbindet, während Kennwort und Sitzungen noch nicht erneuert sind, legt frische Schlüssel in eine Umgebung, in der noch jemand mitliest. Und wer beim Neuverbinden merkt, dass ein Programm gar nicht mehr gebraucht wird, lässt es einfach weg.

  8. 8.

    Nach einigen Tagen die Liste erneut aufrufen

    Eine App, die man entzogen hat und die wieder in der Liste steht, ist kein Anzeigefehler, sondern ein Hinweis darauf, dass die Zustimmung erneut erteilt wurde – und damit auf einen Zugang, der noch offen ist. Dann beginnt man wieder bei Kennwort und Sitzungen, statt nur ein zweites Mal auf Entziehen zu klicken.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ich habe das Kontopasswort geändert. Sind damit nicht alle Zugänge weg?

Nein, und das steht bei Microsoft in einem einzigen, sehr klaren Satz: App-Kennwörter werden nicht automatisch widerrufen, wenn Sie das Kennwort zurücksetzen. Microsoft verlangt deshalb ausdrücklich, dass vorhandene App-Kennwörter gelöscht und neu erstellt werden. Ein App-Kennwort ist ein zweiter, gleichwertiger Schlüssel – es wurde erzeugt, damit ein Programm auch ohne das Kontopasswort hineinkommt, und genau das tut es weiterhin.

?Wozu gibt es diese App-Passwörter überhaupt?

Für Programme, die mit einer Zwei-Faktor-Abfrage nichts anfangen können – ältere Mail-Programme etwa, die nur Benutzername und Passwort kennen. Statt die Zwei-Faktor-Authentisierung abzuschalten, erzeugt man ein eigenes Kennwort für dieses eine Programm. Der Preis dafür ist, dass ein solches Kennwort seinem Zweck nach an der normalen Anmeldung vorbeigeht und deshalb auch von einem Passwortwechsel nicht erfasst wird.

?Und die Apps, denen ich einmal Zugriff erlaubt habe?

Die sind der zweite Fall, und dort hilft der Passwortwechsel noch weniger. Microsoft schreibt zu missbräuchlich erteilten App-Berechtigungen: Normale Korrekturschritte wie das Zurücksetzen von Kennwörtern oder das Erfordern der mehrstufigen Authentifizierung seien bei dieser Art von Angriff nicht wirksam. Eine erteilte Berechtigung hängt nicht an der Anmeldung, sondern an der Zustimmung – und die muss man einzeln zurücknehmen.

?Wie kommt so eine App überhaupt an mein Konto?

Über einen Zustimmungsdialog, den man für einen Anmeldeschritt gehalten hat. Microsoft beschreibt das Muster: Der Angreifer registriert eine App, die Zugriff auf Kontaktinformationen, E-Mails oder Dokumente anfordert, und bringt Nutzer über einen Phishing-Angriff oder über eingeschleusten Code auf einer vertrauenswürdigen Website dazu, dieser App die Zustimmung zu erteilen. Danach hat sie Zugriff auf Daten auf Kontoebene.

?Was hat Single-Sign-On damit zu tun?

Es ist dieselbe Frage aus der Nutzersicht. Das BSI rät, die Anwendungen zu prüfen, bei denen man sich über das gehackte E-Mail-Konto per Single-Sign-On anmeldet, und erklärt, wo man nachsieht: In den Einstellungen des E-Mail-Kontos lasse sich erfahren, für welche Anwendungen das der Fall ist und ob neue hinzugefügt wurden. Für den Fall ohne Zugriff empfiehlt das BSI außerdem, die Anbieter dieser Anwendungen zu informieren.

Belege

Diese Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft – Hersteller, Standard oder Gesetzestext. Wer es nicht glaubt, muss es nicht: Da steht, wo es nachzulesen ist.

Zuletzt geprüft am . Dokumentation altert – ein Datum daneben ist der einzige ehrliche Umgang damit.

Auch zu finden unter

Verwandte Fehler

SWAnfängerfehlerPermission denied

bash: ./script.sh: Permission denied

Shell-Skript startet nicht mit 'Permission denied'? Meist fehlt nur das Ausführbar-Recht. So machst du es lauffähig – und findest seltenere Ursachen.

SWLästigpermission denied while trying to connect to the Docker daemon socket

Docker: permission denied am Docker-Socket

Docker läuft, aber ohne sudo kommt „permission denied“? Der Zugriff hängt an der Docker-Gruppe — und die hat sicherheitsrelevante Nebenwirkungen.

SWAnfängerfehlerEACCES: permission denied

npm EACCES: permission denied beheben

npm install -g bricht mit 'EACCES: permission denied' ab? Nicht sudo verwenden. So installierst du globale Pakete korrekt über nvm oder ein eigenes Prefix.