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Scan an E-Mail: Der Drucker kommt beim Postfach nicht durch

Der Scan wird nie zugestellt? Der Anbieter hat einfache Kennwort-Anmeldung, alte TLS-Versionen und Port 465 abgeräumt — das Gerät merkt es nicht.

Aufwand:
ca. 30 Min.
Voraussetzung:
Zugang zur Weboberfläche des Multifunktionsgeräts, Ein eigenes Postfach für das Gerät, Administrator-Zugang beim Mail-Anbieter
Gilt für:
Multifunktionsgeräte mit Scan an E-Mail, Microsoft 365 und Office 365, Postfächer bei beliebigen Anbietern mit Einlieferung über SMTP

Das Symptom

Am Gerät sieht alles gut aus. Der Scan läuft durch, das Display zeigt kurz einen Fortschrittsbalken, dann ist es wieder still. Im Postfach kommt nichts an. Kein Fehler, keine Rückmeldung, keine Mail im Spam-Ordner — nichts. Manchmal steht auf dem kleinen Display eine Zahl oder ein Kürzel, das genauso gut eine Fehlernummer wie eine Uhrzeit sein könnte. Und das Ganze ging bis vor Kurzem einwandfrei.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Ein Drucker verschickt keine E-Mails. Er tut so, als ob — und lässt in Wirklichkeit ein fremdes Postfach für sich arbeiten. Microsoft beschreibt genau diese Geräteklasse und sagt den entscheidenden Satz dazu: Sie erzeugen Nachrichten, können sie aber nicht selbst versenden, weil sie keine Mailserver sind. Netzwerkscanner, die Dokumente als Anhang verschicken, sind dort namentlich aufgeführt.

Das heißt: Das Gerät meldet sich an einem Postfach an wie ein Mailprogramm. Und damit unterliegt es allem, was in den letzten Jahren an dieser Anmeldung verschärft wurde. Nur merkt es davon nichts, weil es keine Oberfläche hat, die eine Absage anzeigen könnte.

Drei Verschärfungen treffen fast immer gleichzeitig zu. Erstens die Anmeldung selbst: Der Standard verlangt seit RFC 6409, dass ein Einlieferungsserver eine unauthentifizierte Nachricht ablehnen muss. Zweitens die Art der Anmeldung: Die einfache Kombination aus Name und Kennwort ist bei Microsoft angekündigt zum Auslaufen und außerdem für neuere Organisationen von vornherein pro Postfach abgeschaltet. Drittens die Verschlüsselung: Verlangt wird TLS in Version 1.2 oder 1.3 — und das ist keine Einstellung, sondern eine Eigenschaft der Firmware. Ein Gerät von 2016 kann das oft schlicht nicht, egal was man in seine Weboberfläche einträgt.

Dazu kommt der Port, an dem sich das Alter eines Geräts am schnellsten ablesen lässt. Steht dort 465, gibt Microsoft dafür eine ungewöhnlich direkte Auskunft: Dann unterstützt das Gerät die verlangten TLS-Versionen nicht. Bemerkenswert daran ist, dass 465 als solcher völlig in Ordnung ist — RFC 8314 stellt ausdrücklich fest, dass zwischen STARTTLS auf 587 und sofortigem TLS auf 465 kein bedeutsamer Sicherheitsunterschied besteht. Der Port ist hier nicht die Ursache, sondern das Symptom.

Der eigentliche Layer-8-Anteil steckt aber woanders: in dem Kennwort, das seit Jahren im Klartext in einem Webformular steht, das jeder erreicht, der im richtigen Netz ist und vor dem Gerät steht. Sehr oft ist es das persönliche Konto von jemandem, der längst die Abteilung gewechselt hat. Der Scan hört nämlich auch dann auf zu funktionieren, wenn diese Person ihr Kennwort ändert — und dann sucht man tagelang am Drucker nach einem Fehler, den ein Mensch verursacht hat.

Die echte, verifizierte Lösung

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  1. 1.

    Erst klären, welchen Weg das Gerät überhaupt gehen soll

    Für Geräte gibt es nicht einen Weg, sondern mehrere, und sie haben verschiedene Voraussetzungen. Microsoft unterscheidet die Einlieferung über ein angemeldetes Postfach, die Weiterleitung über einen Connector und den direkten Versand. Nur der erste Weg braucht Postfach und Kennwort, nur er darf auch nach außen versenden und legt eine Kopie in Gesendete Objekte. Wer das nicht vorher entscheidet, stellt anschließend Werte ein, die zueinander nicht passen.

  2. 2.

    Ein eigenes Postfach nur für den Scanner einrichten

    Das Konto der Chefin gehört nicht in ein Gerät, an dem jeder vorbeikommt. Richten Sie ein eigenes, lizenziertes Postfach ein, das nur der Scanner benutzt. Nebeneffekt: Wenn das Gerät später aus einer fremden Adresse senden soll, verlangt Microsoft dafür ausdrücklich die Berechtigung Senden als — sonst kommt die Mail als Unzustellbarkeitsbericht zurück, mit der Meldung, der Client habe keine Berechtigung, als dieser Absender zu senden.

  3. 3.

    Die Anmeldung für dieses Postfach überhaupt erst freischalten

    Bei neueren Umgebungen ist der Weg ab Werk zu. Microsofts Hinweis dazu ist knapp und folgenreich: Die Einlieferung per SMTP-Anmeldung ist für Organisationen, die nach Januar 2020 angelegt wurden, abgeschaltet und muss pro Postfach eingeschaltet werden. Solange das nicht geschehen ist, sind alle weiteren Einstellungen am Gerät wirkungslos — und die Fehlermeldung des Geräts sagt darüber nichts.

  4. 4.

    Server, Port und Verschlüsselung genau so eintragen, wie der Anbieter sie nennt

    Für Microsoft 365 lautet die dokumentierte Kombination: als Server der Name smtp.office365.com und ausdrücklich keine IP-Adresse, als Port 587 mit 25 als Alternative, dazu eingeschaltetes TLS in Version 1.3 oder 1.2. Steht im Gerät noch 465, ist das kein Detail, sondern ein Hinweis auf zu alte Firmware. Andere Anbieter nennen andere Namen — aber immer nennt sie der Anbieter, nicht das Gerätehandbuch.

  5. 5.

    Prüfen, ob das Gerät die verlangte TLS-Version überhaupt kann

    Hier scheitern die meisten älteren Multifunktionsgeräte, und zwar endgültig. Microsoft formuliert es als harte Bedingung: Das Gerät muss TLS 1.3 oder 1.2 beherrschen, sonst kann es diesen Weg nicht benutzen. Das ist keine Einstellung, sondern eine Eigenschaft der Firmware. Ein Firmware-Update kann helfen; ob es für Ihr Modell eines gibt, steht nur beim Hersteller — hier endet die belegbare Auskunft.

  6. 6.

    Port 25 gegen die eigene Leitung prüfen

    Bleibt die Verbindung stumm, statt abgewiesen zu werden, liegt es oft gar nicht am Postfach. Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass manche Firewalls und Zugangsanbieter Port 25 sperren, weil darüber Mailserver untereinander zustellen. Das ist der Grund, warum 587 empfohlen wird: Er ist laut RFC 6409 für die Einlieferung reserviert und wird deshalb seltener blockiert.

  7. 7.

    Wenn das Postfach den Weg gar nicht mehr anbietet: den Weg wechseln

    Wenn die einfache Kennwort-Anmeldung in Ihrer Umgebung abgeschaltet ist und das Gerät kein moderneres Verfahren beherrscht, ist an dieser Stelle Schluss — Microsoft nennt in dem Fall selbst andere Verfahren als Ersatz. Praktisch heißt das: Weiterleitung über einen Connector mit fester IP-Adresse, ein eigener Mailserver im Haus als Zwischenstation, oder der Verzicht auf Scan an E-Mail zugunsten von Scan an Ordner. Was nicht hilft, ist am Gerät weiterzuprobieren.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum darf ein Drucker die Mail nicht einfach selbst verschicken?

Weil er kein Mailserver ist und auch nicht so behandelt wird. Microsoft schreibt genau über diese Geräteklasse: „These devices and applications create email messages, but are incapable of sending those messages without help, because they aren't email servers.“ Ausdrücklich genannt sind dabei „Network-connected scanners that send scanned documents as attachments in email messages“. Der Scanner muss den Umweg über ein echtes Postfach nehmen — und sich dafür anmelden wie jedes andere Mailprogramm auch. Der Standard sieht das genauso: Nach RFC 6409 gilt „The MSA MUST, by default, issue an error response to the MAIL command if the session has not been authenticated“.

?Der Drucker steht auf Port 465 und es geht nicht. Ist der Port kaputt?

Der Port ist nicht kaputt, er ist nur der falsche für diesen Weg — und er verrät nebenbei etwas über das Alter der Firmware. Microsoft sagt für die Einlieferung über ein Postfach klar: „TCP Port: Port 587 (recommended) or port 25 is required and must be unblocked on your network.“ Und zu 465 ausdrücklich: „If your device or application recommends or defaults to TCP port 465, it doesn't support the required versions of TLS for client SMTP submission in Microsoft 365 or Office 365.“ Technisch sind beide Wege gleichwertig — RFC 8314 hält fest, „that there is no significant difference between the security properties of STARTTLS on port 587 and Implicit TLS on port 465“ — aber welchen davon Ihr Anbieter anbietet, entscheidet nicht das Gerät.

?Kann ich einfach mein normales Postfach und mein normales Kennwort eintragen?

Technisch oft ja, praktisch immer seltener und aus zwei Gründen nie eine gute Idee. Erstens ist die einfache Kennwort-Anmeldung auf dem Rückzug: Microsoft vermerkt, „Client SMTP submission using Basic authentication in Exchange Online is scheduled for deprecation“ und dass sie mit den Sicherheitsstandards von Entra ID nicht zusammenpasst. Zweitens ist die Anmeldung pro Postfach überhaupt erst freizuschalten: „SMTP AUTH is disabled for organizations created after January 2020 but you can enable it per-mailbox.“ Und drittens steht das Kennwort danach im Klartext in einem Webformular, das jeder erreicht, der vor dem Gerät steht. Ein eigenes Postfach nur für den Scanner ist die richtige Antwort.

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