Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Präsentation sieht auf dem fremden Rechner anders aus

Zu Hause sitzt jede Zeile, auf dem Beamer-Rechner bricht alles um. In der Datei steht nur der Name der Schrift – nicht die Schrift selbst.

Aufwand:
ca. 20 Min.
Voraussetzung:
PowerPoint oder Word, unzip, Terminal oder Eingabeaufforderung
Gilt für:
PowerPoint (pptx) und Word (docx), Weitergabe an fremde Rechner und Beamer-PCs

Das Symptom

Auf dem eigenen Rechner sitzt jede Überschrift auf einer Zeile, jede Aufzählung passt auf die Folie. Auf dem Rechner im Besprechungsraum ist die Überschrift plötzlich zweizeilig, der letzte Aufzählungspunkt hängt über dem Folienrand, und die Schrift sieht nach Standard aus statt nach Hausschrift. Es ist dieselbe Datei, per Mail verschickt, unverändert geöffnet.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Eine Präsentationsdatei enthält den Text und die Anweisung, ihn in einer bestimmten Schrift zu setzen — aber standardmäßig nicht die Schrift. Was in der Datei steht, ist ein Name. Findet das Programm auf dem fremden Rechner keine Schrift dieses Namens, nimmt es eine andere. Und weil zwei Schriften nie identische Zeichenbreiten haben, verschiebt sich damit alles, was auf diesen Breiten aufbaut: Zeilenumbrüche, Textfeldhöhen, die Frage, ob eine Aufzählung noch auf die Folie passt.

Der Layer-8-Anteil ist die stille Annahme, eine Datei enthalte alles, was man sieht. Sie enthält es nicht. Man kann es hineinlegen — die Formate sehen dafür ausdrücklich eine Liste eingebetteter Schriften vor —, aber das passiert nur, wenn jemand es einschaltet, und zwar bevor gespeichert wird. Nachträglich das Häkchen zu setzen und die Datei nicht erneut zu speichern, bringt nichts.

Der zweite, weniger bekannte Teil ist rechtlicher Natur und steht mitten in der Schriftdatei. Jede Schrift trägt eine Kennung, die sagt, ob und wozu sie eingebettet werden darf: gar nicht, nur zum Ansehen und Drucken, oder auch zum Weiterbearbeiten. Ein Programm, das sich an die Spezifikation hält, bettet eine gesperrte Schrift nicht ein — es ignoriert die Einstellung nicht aus Bosheit, sondern weil die Schrift es untersagt. Wer das weiß, sucht den Fehler nicht mehr im Programm, sondern in der Schriftwahl. Und wer eine Präsentation auf fremder Technik halten muss, trifft diese Wahl vorher.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Nachsehen, ob überhaupt eine Schrift in der Datei liegt

    Eine pptx-Datei ist ein Zip-Archiv. Der erste Befehl zeigt, ob darin Schriftdaten stecken – ohne Einbettung findet er nichts. Der zweite liest die Liste der eingebetteten Schriften aus der Präsentationsdatei selbst. Bleiben beide Ausgaben leer, während die Folien eine besondere Schrift verwenden, ist die Ursache gefunden, bevor irgendwer sonst die Datei öffnet.

    unzip -l praesentation.pptx | grep -i font
    unzip -p praesentation.pptx ppt/presentation.xml | tr '>' '\n' | grep -i embeddedFont
    
  2. 2.

    Das Einbetten einschalten – und zwar vor dem Speichern

    Die Einstellung sitzt in den Programmoptionen; Microsoft beschreibt sie für Word als das Kontrollkästchen „Embed TrueType fonts“ im Bereich „Save options“ auf der Registerkarte „Save“ des Optionen-Dialogs. In PowerPoint liegt sie an derselben Stelle. Wichtig ist der Zeitpunkt: Die Schriftdaten wandern beim Speichern in die Datei. Eine bereits gespeicherte Präsentation wird durch das Setzen des Häkchens nicht rückwirkend vollständig – sie muss danach erneut gespeichert werden.

  3. 3.

    Zwischen den beiden Einbettungsarten bewusst wählen

    Angeboten werden zwei Varianten: nur die verwendeten Zeichen oder alle Zeichen. Die Spezifikation lässt beides ausdrücklich zu – „Not all characters for a typeface must be stored. It is up to the generating application to determine which characters are to be stored in the corresponding font data files.“ Die sparsame Variante hält die Datei klein, reicht aber nur zum Anzeigen: Wer beim Empfänger noch ein Wort ergänzen soll, hat für neue Buchstaben keine Zeichen mehr. Soll weitergearbeitet werden, alle Zeichen einbetten; soll nur vorgeführt werden, die verwendeten.

  4. 4.

    Prüfen, ob die Schrift überhaupt eingebettet werden darf

    Scheitert das Einbetten stillschweigend, liegt es meist an der Lizenzkennung in der Schriftdatei. PowerPoint macht die Antwort selbst zugänglich: Über die Sammlung aller verwendeten Schriften lässt sich zu jeder abfragen, ob sie eingebettet werden darf und ob sie es ist. Die Ausgabe im Direktfenster nennt Ross und Reiter – und erspart das Rätselraten, welche der acht Schriften die Bremse ist.

    For Each usedFont In ActivePresentation.Fonts
        Debug.Print usedFont.Name, usedFont.Embeddable, usedFont.Embedded
    Next
    
  5. 5.

    Auf Schriften ausweichen, die auf dem Zielrechner sicher vorhanden sind

    Eine Schrift, die nicht eingebettet werden darf, lässt sich nicht überreden. Dann bleibt nur der Wechsel – am besten über die Schriftarten des Entwurfs, nicht Folie für Folie von Hand. Für einen Vortrag auf fremder Technik ist die langweilige, überall vorhandene Schrift die zuverlässigere Wahl als die schöne, die nur der eigene Rechner kennt.

  6. 6.

    Auf einem Rechner ohne die Schrift gegenprüfen

    Die einzige belastbare Kontrolle ist der Blick auf einem System, auf dem die Schrift nicht installiert ist – der Beamer-Rechner im Besprechungsraum, ein Zweitgerät, notfalls ein Kollegenrechner. Wer zusätzlich ein PDF exportiert und mitschickt, hat eine Fassung, deren Umbruch nicht mehr vom fremden Schriftenbestand abhängt. Auch dieses PDF gehört einmal dort geöffnet, wo es später gezeigt wird.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum sieht die Präsentation woanders anders aus, obwohl es dieselbe Datei ist?

Weil die Datei die Schrift nicht enthält, sondern nur ihren Namen nennt. Steht die Schrift auf dem fremden Rechner nicht zur Verfügung, setzt das Programm eine andere ein – mit anderen Zeichenbreiten, und damit anderem Umbruch. Damit es nicht dazu kommt, muss die Schrift mit in die Datei. Die OpenType-Spezifikation beschreibt genau diesen Fall: „Embeddable fonts may be stored in a document. When a document with embedded fonts is opened on a system that does not have the font installed (the remote system), the embedded font may be loaded for temporary (and in some cases, permanent) use on that system by an embedding-aware application.“

?Ich habe das Einbetten eingeschaltet, eine Schrift fehlt trotzdem. Woran liegt das?

Vermutlich darf sie nicht eingebettet werden. Jede Schriftdatei trägt im Feld fsType, was mit ihr erlaubt ist – Microsoft beschreibt den Wert 2 als: „Restricted License embedding: the font must not be modified, embedded or exchanged in any manner without first obtaining explicit permission of the legal owner.“ Und Wert 4 erlaubt das Einbetten nur zum Ansehen und Drucken: „Documents containing Preview & Print fonts must be opened “read-only”; no edits may be applied to the document.“ PowerPoint kennt diese Unterscheidung: Zu jeder verwendeten Schrift gibt es die Eigenschaft Embeddable, deren Wert msoFalse laut Dokumentation bedeutet: „The specified font cannot be embedded in the presentation.“

?Ich nutze nur ein paar Zeichen in dieser Schrift. Warum wird die Datei trotzdem so viel größer?

Weil ab einer bestimmten Menge nicht mehr die benutzten Zeichen, sondern die ganze Schrift mitgeht. Für Word beschreibt Microsoft die Schwelle wörtlich: „If fewer than 32 characters of a TrueType font are used in a document, Word embeds the subset (only the characters used) in the document. If more than 32 characters are used, Word embeds the entire font.“ Wer drei verschiedene Schriftfamilien mit je vier Schnitten verwendet, bettet also schnell zwölf vollständige Schriftdateien ein.

Belege

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