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Kopfzeile und Seitenzahl springen mitten im Dokument

Ab Seite 7 steht eine andere Kopfzeile, und die Nummerierung fängt wieder bei 1 an. Ursache ist fast immer ein Abschnittswechsel, den niemand sieht.

Aufwand:
ca. 30 Min.
Voraussetzung:
Microsoft Word, unzip, Terminal oder Eingabeaufforderung
Gilt für:
Word-Dokumente im Format docx

Das Symptom

Bis Seite 6 steht der Berichtstitel in der Kopfzeile, ab Seite 7 steht dort etwas anderes oder gar nichts. Die Seitenzahlen fangen mitten im Dokument wieder bei 1 an. Man ändert die Kopfzeile — und nur ein Teil des Dokuments übernimmt die Änderung. Oder schlimmer: Man ändert sie, und plötzlich stehen zwanzig Seiten weiter vorn ebenfalls anders da.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Ein Word-Dokument ist nicht ein Dokument, sondern eine Kette von Abschnitten. Jeder Abschnitt hat eigene Seitenränder, eine eigene Ausrichtung, eine eigene Nummerierung und eigene Kopf- und Fußzeilen — bis zu drei je Abschnitt, für die erste Seite, für gerade und für ungerade Seiten. Wer die Kopfzeile bearbeitet, bearbeitet immer die eines bestimmten Abschnitts. Dass sie an anderer Stelle gleich aussieht, liegt nicht daran, dass es dieselbe ist, sondern daran, dass der Nachbarabschnitt sie erbt.

Genau diese Vererbung steckt hinter der Schaltfläche, die im Bearbeitungsmodus auftaucht und die kaum jemand liest. Solange die Verknüpfung besteht, hat der Abschnitt keine eigene Kopfzeile hinterlegt, sondern nimmt die des Vorgängers. Ändert man sie dann, ändert man den Vorgänger mit — und wundert sich über Seiten, die man gar nicht angefasst hat. Umgekehrt bleibt eine Änderung wirkungslos für alle Abschnitte, die eigene Kopfzeilen führen.

Der unangenehmste Teil ist die Speicherstelle. Die Einstellungen eines Abschnitts stehen nicht an seinem Anfang, sondern an seinem Ende: im letzten Absatz, und beim letzten Abschnitt ganz am Schluss des Textkörpers. Ein Abschnittswechsel ist damit kein Trennstrich, sondern der Träger der Eigenschaften des Abschnitts VOR ihm. Wer ihn löscht, weil er stört, löscht die Einstellungen des vorderen Teils — und der übernimmt die des hinteren. Das erklärt den berüchtigten Moment, in dem nach dem Entfernen einer einzigen unsichtbaren Marke plötzlich das halbe Dokument im Querformat liegt. Es ist kein Fehler von Word. Es ist die dokumentierte Bauweise, die niemand erklärt bekommt.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Die Abschnittswechsel überhaupt sichtbar machen

    Ein Abschnittswechsel ist im Druckbild unsichtbar. Erst mit eingeschalteten Formatierungszeichen erscheint er als beschriftete Doppellinie, und in der Entwurfsansicht ist er kaum zu übersehen. Ohne diesen Schritt sucht man den Fehler in der Kopfzeile, obwohl er zwei Seiten vorher in einer unscheinbaren Marke sitzt.

  2. 2.

    In der Datei nachzählen, wie viele Abschnitte es gibt

    Eine docx-Datei ist ein Zip-Archiv. Der erste Befehl zählt die Abschnittsdefinitionen im Dokument, der zweite listet die vorhandenen Kopf- und Fußzeilenteile auf. Drei Kopfzeilendateien bei behaupteten „einer Kopfzeile“ sind die Antwort auf die Frage, warum eine Änderung nicht überall ankommt. Unter Windows funktioniert dasselbe, indem man eine Kopie auf .zip umbenennt und hineinsieht.

    unzip -p dokument.docx word/document.xml | grep -o "<w:sectPr[ />]" | wc -l
    unzip -l dokument.docx | grep -Ei "header|footer"
    
  3. 3.

    Die Verknüpfung gezielt lösen, bevor etwas geändert wird

    Soll ein Abschnitt eine eigene Kopfzeile bekommen, wird zuerst die Verknüpfung zum vorherigen gelöst und erst danach der Text geändert. In der umgekehrten Reihenfolge schreibt man den Text in die geerbte Kopfzeile und ändert damit alles Vorherige mit. Zu prüfen ist das für jede der drei Sorten getrennt – erste Seite, gerade und ungerade Seite – und für Kopf- und Fußzeile einzeln.

  4. 4.

    Die Nummerierung pro Abschnitt einstellen

    Die Seitennummerierung ist eine Abschnittseigenschaft: „This element specifies the page numbering settings for all page numbers that appear in the contents of the current section.“ Ein neuer Abschnitt kann die Zählung fortsetzen oder bei einem festgelegten Wert neu beginnen; in der Datei steht dann ein Startwert. Wenn die Zählung mitten im Dokument wieder bei 1 anfängt, ist das keine Panne, sondern genau diese Einstellung – im Dialog für Seitenzahlen auf Fortsetzen umstellen.

  5. 5.

    Erste Seite und Doppelseiten bewusst setzen

    Zwei Schalter erzeugen zusätzliche Kopfzeilen. Der eine gilt je Abschnitt: „This element specifies whether the parent section in this document shall have a different header and footer for its first page.“ Der andere gilt für das ganze Dokument und zählt jeden Abschnitt neu ab: „each section in the document shall use an odd page header for all odd numbered pages in the section, and an even page header for all even numbered pages in the section (counting each page in the section starting from one, regardless of the page numbering settings for the section)“. Wer sich wundert, warum die gerade Kopfzeile auf einer ungeraden Seite steht, hat meist beides gleichzeitig aktiv.

  6. 6.

    Überflüssige Abschnittswechsel entfernen – von hinten nach vorn

    Erst wenn klar ist, welcher Abschnitt welche Einstellungen trägt, lohnt das Aufräumen. Weil die Einstellungen am Ende des Abschnitts gespeichert sind, überträgt das Löschen einer Umbruchmarke die Eigenschaften des nachfolgenden Abschnitts auf den davorliegenden. Deshalb: vor dem Löschen die gewünschte Seitenausrichtung, Ränder und Kopfzeilen des BEHALTENEN Abschnitts notieren, danach kontrollieren – und die Datei vorher einmal unter neuem Namen sichern.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ich habe die Kopfzeile geändert, aber nur der vordere Teil des Dokuments hat sie übernommen. Warum?

Weil das Dokument aus mehreren Abschnitten besteht und jeder Abschnitt eigene Kopf- und Fußzeilen hat. Die Norm hinter dem Dateiformat beschreibt bis zu drei Sorten je Abschnitt: „Within each section of a document there can be up to three different types of headers: First page header, Odd page header, Even page header“. Wer die Kopfzeile auf Seite 3 bearbeitet, bearbeitet die des Abschnitts, in dem Seite 3 liegt – und keine andere.

?Was bedeutet die Schaltfläche „Mit vorheriger verknüpfen“ wirklich?

Sie steuert, ob ein Abschnitt eine eigene Kopfzeile hinterlegt hat oder die des Vorgängers erbt. Die Spezifikation formuliert die Vererbung ausdrücklich: „If no headerReference for the odd page header is specified then the even page header shall be inherited from the previous section or, if this is the first section in the document, a new blank header shall be created.“ Solange die Verknüpfung besteht, verändert eine Bearbeitung also auch alle davorliegenden Abschnitte mit – genau der Effekt, den die meisten für einen Fehler halten.

?Ich lösche den Abschnittswechsel, und danach ist das Layout des ganzen Dokuments verstellt. Ist das normal?

Es ist erwartbar. Die Abschnittseigenschaften eines Abschnitts werden nicht am Anfang, sondern am Ende gespeichert – laut Norm im letzten Absatz des Abschnitts, und für den letzten Abschnitt am Ende des Textkörpers: „For any other section the properties are stored as a child element of the paragraph element corresponding to the last paragraph in the given section.“ Wer die Umbruchmarke löscht, löscht damit die Einstellungen des Abschnitts DAVOR, und der übernimmt die des folgenden. Deshalb kippt beim Löschen manchmal die Seitenausrichtung des halben Dokuments.

Belege

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