Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Die Präsentation ist zu groß für den Mailversand

Zwanzig Folien, 90 Megabyte, der Server weist die Mail ab. Schuld sind fast immer Bilder in Kameraauflösung – samt der weggeschnittenen Ränder.

Aufwand:
ca. 25 Min.
Voraussetzung:
PowerPoint, Word oder Excel, unzip, Terminal oder Eingabeaufforderung
Gilt für:
PowerPoint (pptx), Word (docx) und Excel (xlsx), Versand als E-Mail-Anhang

Das Symptom

Zwanzig Folien, ein paar Fotos, ein kurzer Film — und die Datei wiegt 90 Megabyte. Das Mailprogramm meckert schon beim Anhängen, oder die Nachricht geht raus und kommt Minuten später als Unzustellbarkeitsmeldung zurück, mit einer Zahl, die kleiner ist als die Datei.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Was auf einer Folie klein aussieht, ist in der Datei nicht klein. Beim Einfügen eines Fotos wandert die Bilddatei so hinein, wie sie ist; wie groß sie auf der Folie erscheint, steht als völlig getrennte Angabe daneben. Man kann ein Foto aus einer Systemkamera auf Briefmarkengröße ziehen und hat trotzdem alle zwölf Millionen Bildpunkte in der Datei.

Noch überraschender ist der Zuschnitt. Wer einen störenden Bildrand wegschneidet, hat nichts weggeschnitten — er hat einen Ausschnitt festgelegt. Der Rest bleibt liegen. Das ist keine Vermutung, sondern steht in der Beschreibung der Bildkomprimierung, die genau dieses Problem behebt: Bei zugeschnittenen oder verkleinerten Bildern werden die verborgenen Teile in der Datei gespeichert. Das kostet Platz — und es ist zugleich ein Vertraulichkeitsproblem, denn der weggeschnittene Rand lässt sich zurückholen.

Der zweite Layer-8-Anteil liegt beim Versand. Eine Anhangsgrenze von 25 Megabyte ist keine Grenze für die Datei, sondern für die fertige Nachricht — und die ist rund ein Drittel größer, weil der Anhang für den Transportweg umkodiert wird. Wer bis 24 Megabyte auffüllt, überschreitet die Grenze deutlich und bekommt eine Absage, die er für einen Serverfehler hält. Sie ist keiner. Sie ist Arithmetik.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Herausfinden, was die Datei wirklich groß macht

    Eine pptx-Datei ist ein Zip-Archiv, und ihr Inhalt lässt sich auflisten, ohne sie zu öffnen. Der Befehl sortiert die Bestandteile nach Größe und zeigt die fünfzehn schwersten. In aller Regel stehen dort einige wenige Bilder oder ein Video – und nicht, wie oft vermutet, die Folien selbst. Damit ist die Suche vorbei, bevor sie anfängt.

    unzip -l praesentation.pptx | sort -k1 -n | tail -15
    
  2. 2.

    Zugeschnittene Bildbereiche wirklich entfernen

    In der Bildkomprimierung von PowerPoint gibt es die Option, zugeschnittene Bildbereiche zu löschen. Sie ist der wirksamste einzelne Handgriff, weil sie die versteckten Reste tatsächlich aus der Datei entfernt statt sie nur unsichtbar zu machen. Danach lässt sich das Bild allerdings nicht mehr weiter aufziehen – deshalb dieser Schritt an einer Kopie, nicht an der Arbeitsdatei.

  3. 3.

    Die Auflösung auf den Verwendungszweck senken

    Die eingebaute Bildkomprimierung rechnet die Auflösung herunter; die Formatdokumentation nennt als Zielwerte 96 Bildpunkte je Zoll für die Bildschirmanzeige und 200 für den Druck. Für eine Präsentation, die auf einem Beamer landet, ist die kleinere Stufe reichlich. Wer die Bilder schon vor dem Einfügen auf Folienbreite bringt, spart sich den Schritt ganz – und hat nebenbei eine Datei, die sich flüssiger bedienen lässt.

  4. 4.

    Videos gesondert behandeln

    Ein eingebetteter Film ist meist größer als alle Bilder zusammen. Zeigt Schritt 1 einen Eintrag unter ppt/media mit zweistelliger Megabyte-Zahl, ist er die Ursache. Möglichkeiten: den Film vorher in geringerer Auflösung ausgeben, ihn auf die tatsächlich gezeigten Sekunden kürzen, oder ihn getrennt bereitstellen. Vorsicht beim letzten Weg: Eine bloße Verknüpfung läuft beim Empfänger nicht – das ist ein eigenes Problem, kein Nebeneffekt.

  5. 5.

    Die zulässige Dateigröße zurückrechnen

    Aus der Anhangsgrenze des Empfängers ergibt sich die zulässige Dateigröße, nicht umgekehrt. Weil die Umkodierung rund ein Drittel aufschlägt, teilt man die Grenze durch 1,33: Bei 25 Megabyte bleiben knapp 19 für die Datei, bei 10 Megabyte gut 7. Und maßgeblich ist immer die kleinere der beiden Grenzen – die des sendenden und die des empfangenden Servers.

  6. 6.

    Nicht in ein Archiv packen, sondern verlinken

    Der verbreitete Reflex, die Datei noch einmal zu packen, bringt fast nichts: Schritt 1 hat gezeigt, dass sie bereits ein komprimiertes Archiv ist, und Bilder und Videos darin sind ihrerseits schon komprimiert. Wer wirklich unter die Grenze muss und nicht weiter verkleinern kann, legt die Datei in einen Speicherort ab und verschickt den Verweis. Das umgeht die Größenbeschränkung nicht heimlich, sondern macht sie gegenstandslos.

Häufige Fragen (FAQ)

?Zwanzig Folien mit ein paar Fotos – wie werden daraus 90 Megabyte?

Weil ein eingefügtes Foto in voller Größe in der Datei landet, unabhängig davon, wie klein es auf der Folie erscheint. Die Anzeigegröße ist eine eigene Angabe: Das Format beschreibt sie als Größe des umgebenden Rahmens („This element specifies the size of the bounding box enclosing the referenced object.“) – sie sagt nichts darüber, wie viele Bildpunkte gespeichert sind. Ein 12-Megapixel-Foto, auf Briefmarkengröße gezogen, bleibt ein 12-Megapixel-Foto.

?Ich habe die Bilder doch zugeschnitten. Warum hilft das nicht?

Weil Zuschneiden nichts wegwirft, sondern nur einen Ausschnitt festlegt. Das Format nennt das Element beim Namen: „This element specifies the portion of the blip used for the fill.“ Der Rest des Bildes bleibt in der Datei. Microsoft schreibt das in der Beschreibung der automatischen Bildkomprimierung selbst hin: „When a picture has been cropped or resized, the ‚hidden‘ parts of the picture are stored in the file.“ Das ist nicht nur eine Frage der Größe, sondern auch eine der Vertraulichkeit – der weggeschnittene Rand ist wiederherstellbar.

?Warum lehnt der Mailserver eine 24-MB-Datei ab, obwohl 25 MB erlaubt sind?

Weil ein Anhang unterwegs nicht in Rohform reist. Er wird umkodiert, und RFC 2045 beziffert den Aufschlag: „the encoded data are consistently only about 33 percent larger than the unencoded data“. Aus 24 Megabyte Datei werden rund 32 Megabyte Nachricht. Wer eine Grenze von 25 Megabyte einhalten will, darf die Datei selbst also nur etwa 18 Megabyte groß sein lassen. Reißt man die Grenze, antwortet der Server laut RFC 1870 mit dem Code 552.

Belege

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