Das Symptom
Der Rechner wird eingeschaltet und startet ohne Umweg direkt ins Betriebssystem –
kein Auswahlmenü, keine Sekunde Bedenkzeit, keine Möglichkeit, ein anderes System
oder einen älteren Kernel zu wählen. Gerade bei einem Dual-Boot ist das ärgerlich:
Das zweite System scheint unerreichbar, obwohl es noch installiert ist.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Das Menü ist nicht kaputt, es ist bloß ausgeblendet. GRUB kennt einen versteckten
Modus, in dem es das Auswahlmenü überspringt und sofort den Standardeintrag startet –
gedacht als Beschleunigung für Rechner, auf denen scheinbar nur ein System liegt.
Gesteuert wird das über zwei Variablen in /etc/default/grub: GRUB_TIMEOUT_STYLE,
das auf hidden stehen kann, und GRUB_TIMEOUT, das bei 0 gar nicht erst wartet.
Für den Moment genügt eine gedrückte Umschalttaste (oder Esc bei UEFI) beim Start,
um das Menü hervorzuholen. Dauerhaft hilft nur die Konfiguration: den Stil auf menu
stellen, eine Wartezeit von ein paar Sekunden setzen und – bei Dual-Boot – die Suche
nach Fremdsystemen einschalten, damit Windows und Co. wieder auftauchen. Entscheidend
ist der letzte Schritt, den viele vergessen: Die Bootkonfiguration muss mit
update-grub beziehungsweise grub2-mkconfig neu erzeugt werden, sonst bleibt jede
Änderung in der Datei wirkungslos.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Das Menü sofort erzwingen
Zuerst der Weg ohne Konfiguration: gleich nach dem Einschalten die Umschalttaste (Shift) gedrückt halten – bei UEFI-Rechnern stattdessen wiederholt Esc drücken. So blendet GRUB das Menü für diesen Start ein, und man kann in Ruhe wählen.
2.Die GRUB-Konfiguration öffnen
Für die dauerhafte Lösung die zentrale Einstellungsdatei bearbeiten. Sie enthält die Variablen, die das Menüverhalten steuern:
sudo nano /etc/default/grub
3.Menü und Wartezeit dauerhaft einstellen
Den Anzeigestil auf „menu“ setzen, damit das Menü nicht mehr versteckt wird, und eine Wartezeit in Sekunden vergeben, wie lange es vor dem automatischen Start sichtbar bleibt:
GRUB_TIMEOUT_STYLE=menu
GRUB_TIMEOUT=5
4.Bei Dual-Boot andere Systeme aufnehmen
Fehlt Windows oder ein zweites Linux im Menü, ist meist die Suche nach Fremdsystemen abgeschaltet. Diese Zeile aktiviert sie wieder, damit alle installierten Systeme erkannt und aufgelistet werden:
GRUB_DISABLE_OS_PROBER=false
5.Die Änderung übernehmen
Damit die Einstellungen greifen, muss die eigentliche Bootkonfiguration neu erzeugt werden. Auf Debian und Ubuntu geschieht das mit update-grub, das laut seiner Handbuchseite nur ein Platzhalter für grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg ist; dieser Aufruf funktioniert deshalb überall dort, wo GRUB unter seinem ursprünglichen Namen installiert ist. Fedora nennt Befehl und Verzeichnis grub2 statt grub; diese Zeile stammt aus keiner Quelle dieser Seite, sondern aus der Erfahrung mit dem System selbst — vor dem Ausführen mit ls /boot/grub2 nachsehen, ob das Verzeichnis so heißt:
# Debian / Ubuntu
sudo update-grub
# allgemein (was update-grub aufruft)
sudo grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
# Fedora (nicht aus einer Quelle dieser Seite belegt)
sudo grub2-mkconfig -o /boot/grub2/grub.cfg