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Linux: GRUB zeigt kein Bootmenü

GRUB startet direkt ins System, ohne Auswahlmenü? Meist ist das Menü nur ausgeblendet. So erzwingst du es und stellst den Timeout dauerhaft ein.

Aufwand:
ca. 10 Min.
Voraussetzung:
sudo-Rechte, Terminal

Das Symptom

Der Rechner wird eingeschaltet und startet ohne Umweg direkt ins Betriebssystem – kein Auswahlmenü, keine Sekunde Bedenkzeit, keine Möglichkeit, ein anderes System oder einen älteren Kernel zu wählen. Gerade bei einem Dual-Boot ist das ärgerlich: Das zweite System scheint unerreichbar, obwohl es noch installiert ist.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Das Menü ist nicht kaputt, es ist bloß ausgeblendet. GRUB kennt einen versteckten Modus, in dem es das Auswahlmenü überspringt und sofort den Standardeintrag startet – gedacht als Beschleunigung für Rechner, auf denen scheinbar nur ein System liegt. Gesteuert wird das über zwei Variablen in /etc/default/grub: GRUB_TIMEOUT_STYLE, das auf hidden stehen kann, und GRUB_TIMEOUT, das bei 0 gar nicht erst wartet.

Für den Moment genügt eine gedrückte Umschalttaste (oder Esc bei UEFI) beim Start, um das Menü hervorzuholen. Dauerhaft hilft nur die Konfiguration: den Stil auf menu stellen, eine Wartezeit von ein paar Sekunden setzen und – bei Dual-Boot – die Suche nach Fremdsystemen einschalten, damit Windows und Co. wieder auftauchen. Entscheidend ist der letzte Schritt, den viele vergessen: Die Bootkonfiguration muss mit update-grub beziehungsweise grub2-mkconfig neu erzeugt werden, sonst bleibt jede Änderung in der Datei wirkungslos.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Das Menü sofort erzwingen

    Zuerst der Weg ohne Konfiguration: gleich nach dem Einschalten die Umschalttaste (Shift) gedrückt halten – bei UEFI-Rechnern stattdessen wiederholt Esc drücken. So blendet GRUB das Menü für diesen Start ein, und man kann in Ruhe wählen.

  2. 2.

    Die GRUB-Konfiguration öffnen

    Für die dauerhafte Lösung die zentrale Einstellungsdatei bearbeiten. Sie enthält die Variablen, die das Menüverhalten steuern:

    sudo nano /etc/default/grub
    
  3. 3.

    Menü und Wartezeit dauerhaft einstellen

    Den Anzeigestil auf „menu“ setzen, damit das Menü nicht mehr versteckt wird, und eine Wartezeit in Sekunden vergeben, wie lange es vor dem automatischen Start sichtbar bleibt:

    GRUB_TIMEOUT_STYLE=menu
    GRUB_TIMEOUT=5
    
  4. 4.

    Bei Dual-Boot andere Systeme aufnehmen

    Fehlt Windows oder ein zweites Linux im Menü, ist meist die Suche nach Fremdsystemen abgeschaltet. Diese Zeile aktiviert sie wieder, damit alle installierten Systeme erkannt und aufgelistet werden:

    GRUB_DISABLE_OS_PROBER=false
    
  5. 5.

    Die Änderung übernehmen

    Damit die Einstellungen greifen, muss die eigentliche Bootkonfiguration neu erzeugt werden. Auf Debian und Ubuntu geschieht das mit update-grub, das laut seiner Handbuchseite nur ein Platzhalter für grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg ist; dieser Aufruf funktioniert deshalb überall dort, wo GRUB unter seinem ursprünglichen Namen installiert ist. Fedora nennt Befehl und Verzeichnis grub2 statt grub; diese Zeile stammt aus keiner Quelle dieser Seite, sondern aus der Erfahrung mit dem System selbst — vor dem Ausführen mit ls /boot/grub2 nachsehen, ob das Verzeichnis so heißt:

    # Debian / Ubuntu
    sudo update-grub
    # allgemein (was update-grub aufruft)
    sudo grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
    # Fedora (nicht aus einer Quelle dieser Seite belegt)
    sudo grub2-mkconfig -o /boot/grub2/grub.cfg
    

Häufige Fragen (FAQ)

?Wie sehe ich das Menü einmalig, wenn es beim Start übersprungen wird?

Direkt nach dem Einschalten, noch bevor GRUB durchstartet, hilft eine gedrückte Taste: Bei klassischem BIOS die Umschalttaste (Shift) gedrückt halten, bei UEFI-Systemen mehrfach Esc tippen. Das erzwingt das Menü für diesen einen Start, ohne dass man etwas an der Konfiguration ändern muss.

?Warum erscheint bei nur einem installierten System gar kein Menü?

Weil GRUB das Menü absichtlich versteckt, wenn es glaubt, nur ein Betriebssystem sei vorhanden – das spart Startzeit. Gesteuert wird das über GRUB_TIMEOUT_STYLE (auf „hidden“) und GRUB_TIMEOUT (auf 0). Setzt man den Stil auf „menu“ und eine Wartezeit von einigen Sekunden, erscheint das Menü wieder bei jedem Start.

Belege

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