Das Symptom
Ein Systemupdate ist durchgelaufen, darunter ein neuer Kernel. Nach dem Neustart bleibt
der Bildschirm schwarz, das System hängt beim Start, oder es landet in einer Konsole
ohne grafische Oberfläche.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Das sieht nach Katastrophe aus und ist meistens ein Zwei-Minuten-Problem – wenn man
weiß, dass die Rettungsleine bereits ausgelegt ist.
Distributionen sind an dieser Stelle klüger als ihr Ruf: Sie löschen den alten Kernel
beim Update nicht, sondern stellen ihn im Bootmenü unter den erweiterten Optionen
weiterhin zur Auswahl. Ein Kernel-Update ist damit ein Angebot, keine Einbahnstraße.
Wer das weiß, wählt beim nächsten Start einfach den vorherigen Eintrag und sitzt Sekunden
später wieder in einem funktionierenden System.
Der Schuldige ist dabei selten der Kernel selbst. In der überwiegenden Zahl der Fälle
ist es ein Modul, das zum Kernel passen muss und es nicht mehr tut – allen voran ein
proprietärer Grafiktreiber. Solche Module müssen für jeden neuen Kernel neu übersetzt
werden. Scheitert das im Hintergrund, meldet sich niemand. Der Rechner startet dann
brav, bis er die Grafik hochfahren will, und bleibt schwarz.
Bleibt der eine Fehler, den man wirklich nicht machen sollte: den alten Kernel löschen,
um Platz zu schaffen. Die /boot-Partition ist oft klein, sie läuft irgendwann voll, und
der Reflex ist, aufzuräumen. Wer dabei den letzten funktionierenden Kernel mitnimmt,
zersägt den Ast, auf dem er beim nächsten missglückten Update sitzen wird.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Den alten Kernel im Bootmenü wählen
Die Rettung ist meist schon da. Distributionen behalten den vorherigen Kernel und bieten ihn im Bootmenü unter den erweiterten Optionen an. Von dort startet das System in aller Regel wieder normal.
2.Das Bootmenü sichtbar machen
Erscheint kein Menü, wird es beim Start mit gedrückter Umschalttaste oder durch mehrmaliges Drücken der Escape-Taste hervorgeholt. Ohne Menü fehlt die einfachste Rettungsleine.
3.Die Ursache eingrenzen
Startet das System mit dem alten Kernel problemlos, liegt es am neuen. Häufigste Gründe: ein proprietärer Grafiktreiber, der noch nicht gegen den neuen Kernel gebaut wurde, oder ein zusätzliches Kernelmodul, das nicht mehr passt.
4.Die Treibermodule neu bauen lassen
Zusatzmodule – etwa für Grafikkarten oder Virtualisierung – müssen zu jedem Kernel neu übersetzt werden. Läuft dieser Mechanismus nicht sauber durch, fehlt dem neuen Kernel der Treiber. Die Pakete neu installieren stößt den Bau erneut an.
5.Den funktionierenden Kernel nicht löschen
Nie den letzten funktionierenden Kernel entfernen, um Platz zu schaffen. Er ist die Rückfallebene. Wer beim Aufräumen der /boot-Partition den alten Kernel mit löscht, nimmt sich genau die Rettung, die er beim nächsten Mal braucht.
6.Eine volle /boot-Partition prüfen
Ein häufiger und tückischer Auslöser: Die /boot-Partition ist voll, das Update kann den neuen Kernel nicht vollständig schreiben, und das Ergebnis ist ein halb installierter, nicht startfähiger Kernel. Freien Platz prüfen und alte Kernel gezielt entfernen.
df -h /boot