Nach einem Windows-Update bootet der PC nur noch Windows, Linux ist weg? Meist hat Windows nur seinen Booteintrag nach vorn gesetzt — GRUB kommt zurück.
Aufwand:
ca. 40 Min.
Voraussetzung:
sudo-Rechte, Terminal, Zugang zum BIOS/UEFI-Setup, Bootfähiger USB-Stick
Gilt für:
GRUB 2 im Dual-Boot mit Windows auf UEFI-Rechnern, Befehl update-grub: Debian und Ubuntu (Paket grub2-common); sonst grub-mkconfig direkt
Das Symptom
Auf dem Rechner waren Linux und Windows parallel installiert, und beim Start konnte
man bequem zwischen ihnen wählen. Nach einem Windows-Update ist dieses Auswahlmenü
verschwunden: Der PC bootet sofort und ausschließlich in Windows, und die
Linux-Installation scheint spurlos weg zu sein.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Der erste Schreck — „mein Linux ist gelöscht“ — ist fast immer unbegründet. In einem
Dual-Boot-System gibt es einen Türsteher, der beim Start fragt, welches System
gestartet werden soll; bei Linux ist das GRUB. Windows aber betrachtet den Rechner
gern als sein alleiniges Zuhause und schiebt bei einem größeren Update seinen eigenen
Starteintrag nach vorn, sodass GRUB übergangen wird. Die Linux-Partition mit allen
Daten liegt weiterhin unberührt auf der Platte — nur der Wegweiser dorthin wurde
verstellt.
Deshalb ist die Reihenfolge der Rettung vom Einfachen zum Aufwändigen: Oft genügt es,
im UEFI den Linux-Bootmanager wieder an die erste Stelle zu setzen, und schon meldet
sich GRUB mit beiden Systemen zurück. Erst wenn das nicht reicht, bootet man von einem
Live-Stick und schreibt GRUB neu — ein etablierter Vorgang, für den es sogar fertige
Reparaturwerkzeuge gibt. Und weil Windows-Updates das Spiel wiederholen, lohnt es
sich, den Linux-Bootmanager dauerhaft vorn zu verankern, statt nach jedem Update aufs
Neue zu reparieren.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.
Die Ursache verstehen
Bei einem Dual-Boot-System übernimmt meist der Linux-Bootloader GRUB die Auswahl beim Start. Ein größeres Windows-Update setzt gern seinen eigenen Booteintrag nach vorn und übergeht GRUB — der PC startet dann direkt in Windows, obwohl die Linux-Installation samt Daten unangetastet vorhanden ist. Es ist nichts gelöscht, nur die Startreihenfolge verstellt.
2.
Die Bootreihenfolge im UEFI prüfen
Der einfachste Versuch zuerst: Ins UEFI/BIOS gehen und in der Startreihenfolge nachsehen, ob ein Eintrag für den Linux-Bootmanager existiert. Ihn nach oben schieben. Oft startet damit GRUB wieder und bietet beide Systeme an, ohne dass man etwas reparieren muss.
3.
Von einem Live-Medium starten
Hilft das nicht, von einem Linux-Live-USB-Stick derselben Distribution booten. Von dort lässt sich GRUB neu installieren — entweder mit einem Reparaturwerkzeug wie boot-repair oder von Hand, indem man die vorhandene Installation einhängt und den Bootloader neu schreibt.
4.
GRUB neu schreiben
Nach dem Einhängen der Systempartition (und der EFI-Partition) GRUB in einer chroot-Umgebung neu installieren und die Konfiguration erzeugen, damit beide Systeme wieder erkannt werden. Die zweite Zeile gilt so für Debian, Ubuntu und deren Abkömmlinge; update-grub ist dort laut Handbuchseite nur ein Kürzel für grub-mkconfig mit fester Ausgabedatei. Auf anderen Distributionen folgt der Aufruf im nächsten Schritt:
Meldet die Shell, update-grub sei unbekannt, fehlt nicht GRUB, sondern nur der Debian-Hilfsbefehl. Dann erzeugt grub-mkconfig die Konfiguration selbst; der Schalter -o nennt die Datei, in die geschrieben wird. Das Arch Wiki verwendet genau diesen Aufruf mit /boot/grub/grub.cfg. Manche Distributionen legen die Datei woanders ab oder benennen das Programm anders, deshalb Pfad und Namen vorher im Handbuch der eigenen Distribution nachsehen, statt eine fremde Zeile blind zu übernehmen.
sudo grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg
6.
Fehlt Windows im Menü: os-prober einschalten
grub-mkconfig nimmt andere Systeme nur auf, wenn os-prober installiert ist und die Partitionen eingehängt sind, von denen sie starten. Kommt beim Erzeugen die Warnung, os-prober werde nicht ausgeführt, ist die Suche in /etc/default/grub abgeschaltet. Das Arch Wiki nennt als Abhilfe die Zeile GRUB_DISABLE_OS_PROBER=false; danach die Konfiguration erneut erzeugen, mit update-grub oder grub-mkconfig wie oben.
GRUB_DISABLE_OS_PROBER=false
7.
Beide Systeme prüfen und vorbeugen
Nach dem Neustart sollte GRUB wieder Linux und Windows anbieten. Damit ein Windows-Update die Reihenfolge nicht erneut verstellt, hilft es, im UEFI den Linux-Bootmanager dauerhaft an die erste Stelle zu setzen — dann greift GRUB auch nach künftigen Updates.
Häufige Fragen (FAQ)
?Nach einem Windows-Update startet Linux nicht mehr. Ist es gelöscht?
Nein. Windows hat lediglich seinen eigenen Bootloader wieder an die erste Stelle der Startreihenfolge gesetzt – die Linux-Installation liegt vollständig unangetastet auf der Platte. Es fehlt nur der Weg dorthin, und der lässt sich wiederherstellen.
?Was ist der schnellste Weg zurück?
Oft genügt ein Blick ins UEFI-Menü: Dort steht der Eintrag für GRUB oder Ubuntu meist noch, nur nicht mehr an erster Stelle. Ihn hochzusetzen löst das Problem in zwei Minuten – ganz ohne Live-Medium und ohne GRUB neu zu schreiben.
?Das Terminal kennt update-grub nicht. Ist GRUB kaputt?
Nein. update-grub ist kein Teil von GRUB selbst, sondern ein Hilfsbefehl, den Debian und Ubuntu im Paket grub2-common mitliefern. Beide Handbuchseiten beschreiben ihn wortgleich als „a stub for running grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg to generate a grub2 config file“. Wo es ihn nicht gibt, ruft man grub-mkconfig mit der Ausgabedatei direkt auf; das Arch Wiki dokumentiert genau diesen Aufruf. Pfad und Programmname können je nach Distribution abweichen, deshalb vorher in deren Handbuch nachsehen, wohin die Datei gehört.
?GRUB ist zurück, aber Windows fehlt im Menü. Warum?
Weil grub-mkconfig fremde Systeme nur mit einem Zusatzprogramm findet. Das Arch Wiki beschreibt den Weg: „To have grub-mkconfig search for other installed systems and automatically add them to the menu, install the os-prober package and mount the partitions from which the other systems boot. Then re-run grub-mkconfig.“ Erscheint dabei die Meldung, os-prober werde nicht ausgeführt, gehört in /etc/default/grub die Zeile GRUB_DISABLE_OS_PROBER=false, danach wird die Konfiguration neu erzeugt.
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