Layer 8Ehrlicher Tech-Support
BetriebssystemSchweregrad: LästigA start job is running for...

Linux: Boot hängt bei „A start job is running“

Der Boot hängt bei 'A start job is running' und wartet 90 Sekunden? Meist blockiert ein fehlendes Laufwerk aus der fstab. So behebst du es.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Voraussetzung:
sudo-Rechte, Terminal
Gilt für:
Linux mit systemd

Das Symptom

Der Rechner startet, das Logo erscheint – und dann steht da eine Zeile wie A start job is running for ... mit einem langsam hochzählenden Countdown. Anderthalb Minuten lang tut sich scheinbar nichts, dann bootet das System doch noch durch, als wäre nichts gewesen. Beim nächsten Start dasselbe Spiel.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Dieser Hänger ist kein Absturz, sondern eine ablaufende Uhr. systemd will beim Start etwas einbinden oder auf ein Gerät warten, das nicht auftaucht – und es wartet geduldig, bis seine eingebaute Frist verstreicht. Diese Frist, DefaultTimeoutStartSec, steht standardmäßig auf 90 Sekunden. Genau deshalb ist der Countdown so charakteristisch anderthalb Minuten lang.

Die Ursache steht fast immer in /etc/fstab: ein Eintrag für eine externe Platte, die gerade nicht angesteckt ist, eine UUID, die sich geändert hat, oder ein Netzlaufwerk, das beim Start noch gar nicht erreichbar ist. systemd behandelt solche Einbindungen als Pflicht und hält den Start auf, bis die Uhr abläuft. Der Ausweg ist kein Neuaufsetzen, sondern eine kleine Korrektur: die UUID richtigstellen, ein zeitweiliges Laufwerk mit nofail als optional markieren und ein Netzlaufwerk, das beim Start nicht erreichbar ist, ebenso entschärfen. _netdev braucht es nur dort, wo systemd ein Netzlaufwerk nicht schon am Dateisystemtyp erkennt, etwa bei iSCSI. Ein Test mit mount -a bestätigt die Reparatur, bevor man neu startet.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Sehen, worauf systemd wartet

    Die Bootmeldung nennt bereits den Namen des Geräts oder der Einbindung, auf die gewartet wird. Nach dem Hochfahren zeigt das Journal es dauerhaft, und die fehlgeschlagenen Einheiten lassen sich auflisten:

    journalctl -b -p err
    systemctl --failed
    
  2. 2.

    Den fstab-Eintrag als Ursache finden

    Der Übeltäter ist meist eine Zeile in /etc/fstab, die auf ein Laufwerk verweist, das gerade nicht da ist. Die Datei öffnen und den zuletzt hinzugefügten oder ein externes/Netz-Laufwerk betreffenden Eintrag prüfen. Stimmt die UUID nicht mehr, die aktuelle auslesen:

    sudo nano /etc/fstab
    blkid
    
  3. 3.

    Ein fehlendes Laufwerk beim Start überspringen

    Damit ein nur zeitweise angestecktes Laufwerk den Start nicht mehr blockiert, die Optionen nofail und eine kurze Gerätewartezeit ergänzen. Dann fährt das System durch, statt 90 Sekunden zu warten – Beispielzeile:

    UUID=xxxx  /mnt/daten  ext4  defaults,nofail,x-systemd.device-timeout=5s  0  2
    
  4. 4.

    Netzlaufwerke richtig kennzeichnen

    Hängt der Start an einem Netzlaufwerk (NFS, SMB/CIFS), liegt es selten an einer fehlenden Markierung: systemd erkennt solche Einbindungen laut Handbuch am Dateisystemtyp und ordnet sie ohnehin nach dem Netzwerk ein (network-online.target). Die Option _netdev braucht es nur, wo der Typ das nicht verrät, etwa bei iSCSI und anderen Netzwerk-Blockgeräten. Ist der Server beim Start nicht erreichbar, hilft dasselbe wie beim externen Laufwerk: nofail, damit der Start nicht auf die Einbindung wartet, und eine kurze Frist für den Einbindeversuch – Beispielzeile:

    server:/export  /mnt/nas  nfs  defaults,nofail,x-systemd.mount-timeout=10s  0  0
    
  5. 5.

    Die Änderung testen, bevor man neu startet

    Vor dem Neustart die Einträge trocken durchprobieren und systemd die neue Konfiguration einlesen lassen. Läuft der Test fehlerfrei durch, gelingt auch der nächste Start ohne Hänger:

    sudo systemctl daemon-reload
    sudo mount -a
    

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum hängt der Start ausgerechnet rund anderthalb Minuten?

Weil das die eingebaute Geduld von systemd ist. Der Wert DefaultTimeoutStartSec steht standardmäßig auf 90 Sekunden: So lange wartet systemd auf ein Gerät oder eine Einbindung, bevor es aufgibt und ohne sie weitermacht. Die zähen 90 Sekunden sind also kein Absturz, sondern eine ablaufende Uhr für etwas, das nie kommt.

?Der Rechner bootet am Ende ja doch. Muss ich überhaupt etwas ändern?

Ja, sonst kostet jeder Start diese Wartezeit aufs Neue. Die Ursache ist fast immer ein Eintrag in /etc/fstab, der auf ein nicht vorhandenes Laufwerk zeigt – eine abgezogene externe Platte, eine geänderte UUID oder ein nicht erreichbares Netzlaufwerk. Wird der Eintrag korrigiert oder mit nofail entschärft, ist der Start sofort wieder flott.

Belege

Diese Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft – Hersteller, Standard oder Gesetzestext. Wer es nicht glaubt, muss es nicht: Da steht, wo es nachzulesen ist.

Zuletzt geprüft am . Dokumentation altert – ein Datum daneben ist der einzige ehrliche Umgang damit.

Auch zu finden unter

Verwandte Fehler

OSSystemzerstörend

Linux: Start endet im Notfallmodus (fstab)

Nach dem Bearbeiten der fstab landet das System im Emergency Mode. Meist blockiert ein einziger fehlerhafter Eintrag den gesamten Start — reparierbar.

OSSystemzerstörendKernel panic - not syncing: VFS: Unable to mount root fs

Linux Kernel Panic: VFS unable to mount root fs

Linux bootet nicht mehr und zeigt 'Kernel panic – VFS: Unable to mount root fs'? So rettest du initramfs, fstab und Bootloader.

OSLästigOut of memory: Killed process

Linux: Prozess wurde vom OOM-Killer beendet

Ein Dienst verschwindet ohne Absturzmeldung? Bei Speichermangel beendet der Kernel selbst Prozesse. Das Protokoll verrät, wen es traf und warum.