Das Symptom
Die Prüfung auf Windows 11 lehnt den Rechner ab. Prozessor, Speicher, Platte, alles in Ordnung, nur beim TPM 2.0 steht ein rotes Kreuz. Der Besitzer zieht den naheliegenden Schluss: Da fehlt ein Bauteil. Er bestellt ein TPM-Steckmodul für das Mainboard, gibt das Upgrade ganz auf oder sucht nach einer Anleitung, wie man die Prüfung umgeht.
Wer etwas tiefer gräbt, liest irgendwo, dass das TPM womöglich schon im Prozessor steckt und nur das BIOS falsch eingestellt ist. Also ins Firmware-Setup, CSM aus, UEFI an, speichern, neu starten. Und dann startet gar nichts mehr. Statt Windows erscheint bestenfalls eine Meldung der Firmware, dass sie nichts Startfähiges findet. Aus einem Upgrade-Problem ist ein Rechner geworden, der nicht mehr hochfährt.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Das fehlende Bauteil muss gar nicht das Problem sein. Microsofts TPM-Empfehlungen beschreiben, dass es TPM 2.0 in drei Bauformen gibt: als eigenen Chip, als integrierte Lösung neben anderen Komponenten und als Firmware-TPM, das in einer geschützten Ausführungsumgebung eines gewöhnlichen Prozessors läuft. Für Windows macht das keinen Unterschied: „Windows uses any compatible TPM in the same way.“
Warum es trotzdem nicht erkannt wird, steht auf derselben Seite in einem unscheinbaren Hinweiskasten: „TPM 2.0 is not supported in Legacy and CSM Modes of the BIOS.“ Geräte mit TPM 2.0 müssen im reinen nativen UEFI-Modus starten, Legacy- und CSM-Optionen müssen abgeschaltet sein. Die Hardwareanforderungen von Windows 11 verlangen ohnehin beides nebeneinander: als Firmware „UEFI, Secure Boot capable“ und als TPM die Version 2.0. Wer im Kompatibilitätsmodus startet, scheitert also an zwei Zeilen der Liste mit einem einzigen Schalter.
Der zweite Fehler folgt aus dem ersten. Ein Windows, das im Legacy-Modus installiert wurde, ist für den alten Startweg eingerichtet. Microsoft warnt im selben Hinweis ausdrücklich: „Installed Operating System on hardware in legacy mode will stop the OS from booting when the BIOS mode is changed to UEFI.“ Wer nur den Schalter umlegt, nimmt dem installierten System den Boden unter den Füßen weg. Die Reihenfolge, die Microsoft nennt, ist eindeutig: erst MBR2GPT, das Betriebssystem und Platte auf UEFI vorbereitet, dann den BIOS-Modus ändern. Das Werkzeug wandelt dazu die Partitionierung der Systemplatte von MBR nach GPT um.
MBR2GPT ist dabei kein exotisches Zusatzwerkzeug, sondern liegt laut Dokumentation auf jedem unterstützten Windows bereits im Systemordner. Die Umwandlung geschieht laut Microsoft, ohne Daten zu verändern oder zu löschen; das Werkzeug prüft vorher die Aufteilung der Platte und bricht ab, wenn etwas nicht passt. Danach, so die Dokumentation, muss die Firmware auf den Start im UEFI-Modus umgestellt werden.
Das TPM-Steckmodul aus dem Symptom kann in diesem Fall also im Karton bleiben. Gekauft wurde es, weil die Prüfung ein fehlendes TPM gemeldet hat, obwohl eines da war, nur im falschen Startmodus nicht nutzbar. Die Umgehungsanleitung aus dem Netz hätte ebenfalls nur das Symptom versteckt: Der Rechner liefe dann weiter im Kompatibilitätsmodus, ohne nutzbares TPM 2.0 und ohne UEFI-Start, also genau ohne die beiden Dinge, die Windows 11 verlangt.