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BetriebssystemSchweregrad: Lästig

NTLM ist abgekündigt, entfernt ist bisher nur NTLMv1

Abgekündigt heißt bei NTLM nicht abgeschaltet: NTLMv2 läuft weiter, NTLMv1 fehlt ab Windows 11 24H2 und Server 2025. Pauschal sperren trifft Geräte.

Aufwand:
ca. 1 Std.
Voraussetzung:
Gruppenrichtlinienverwaltung oder lokale Sicherheitsrichtlinie, Ereignisanzeige mit dem Betriebsprotokoll unter Microsoft\Windows\NTLM, Eine Liste aller Geräte, die sich an Windows anmelden: NAS, Scanner, Altanwendungen
Gilt für:
Windows 11 ab Version 24H2 und Windows 10 (Deprecated features in the Windows client, Seitenstand 23.09.2026), Windows Server 2025 (Features removed or no longer developed in Windows Server, Seitenstand 24.09.2025)

Das Symptom

Zwei Administratoren lesen dieselbe Zeile in Microsofts Liste der abgekündigten Funktionen: NTLM ist deprecated. Der eine folgert, das Verfahren sei ohnehin erledigt, und sperrt es per Gruppenrichtlinie im ganzen Netz. Am nächsten Morgen kommen die Multifunktionsgeräte nicht mehr an ihre Scan-Freigabe, das NAS im Keller verweigert die Anmeldung, und zwei Rechner, die nie in der Domäne waren, sehen sich gegenseitig nicht mehr.

Der andere liest deprecated als Entwarnung: Das läuft also weiter. Er spielt Windows 11 24H2 und Windows Server 2025 aus, und plötzlich scheitert die Anmeldung einer Branchenanwendung aus dem letzten Jahrzehnt und eines alten Archivsystems. Beide haben die Abkündigung gelesen. Keiner hat den Satz dahinter gelesen.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Microsoft hat beide Aussagen in einen einzigen Absatz geschrieben. Im Eintrag vom Juni 2024 heißt es über alle Versionen von NTLM, ausdrücklich einschließlich LANMAN, NTLMv1 und NTLMv2, sie seien „no longer under active feature development and are deprecated.“ Und direkt danach: „Use of NTLM will continue to work in the next release of Windows Server and the next annual release of Windows.“ Abgekündigt heißt also: keine neuen Funktionen mehr, aber weiterhin im Betrieb. Die Server-Fassung der Liste definiert den Begriff ausdrücklich so. Eine abgekündigte Komponente wird weiter ausgeliefert, ist für den Produktivbetrieb unterstützt und erhält Sicherheits- und Qualitätsupdates.

Die Ausnahme steht als Nachtrag vom November 2024 darunter, und sie betrifft genau eine Variante: „NTLMv1 is removed starting in Windows 11, version 24H2 and Windows Server 2025.“ Die Seite für Windows Server 2025 bestätigt das und ergänzt für die übrigen Varianten, dass NTLMv2 weiter funktioniert, aber in einer künftigen Version aus Windows Server entfernt werden soll. Wann, steht dort nicht. Der zweite Administrator wurde also nicht von der Abkündigung getroffen, sondern von der Entfernung von NTLMv1, die ausdrücklich danebensteht.

Den ersten Administrator hat ein anderer Satz erwischt, der in der NTLM-Übersicht steht: „NTLM authentication is still supported and must be used for Windows authentication with systems configured as a member of a workgroup.“ Muss, nicht kann. Kerberos nennt dieselbe Seite als bevorzugtes Verfahren für Active-Directory-Umgebungen; für Arbeitsgruppen bleibt NTLM vorgeschrieben. Wer das Verfahren netzweit sperrt, ohne zu wissen, wer es benutzt, schaltet diese Geräte ab.

Dass NTLM verschwinden soll, ist trotzdem kein Zufall. Microsofts Beschreibung der Überwachungsrichtlinie nennt die Gründe: „NTLM and NTLMv2 authentication is vulnerable to various malicious attacks, including SMB relay, man-in-the-middle attacks, and brute force attacks.“ Der Weg dahin ist aber ebenfalls beschrieben, und er beginnt nicht mit einer Sperre. Microsoft empfiehlt, Aufrufe von NTLM durch Negotiate zu ersetzen, das Kerberos bevorzugt und nur bei Bedarf auf NTLM zurückfällt. Für die Bestandsaufnahme gibt es eine eigene Richtlinie, die eingehenden NTLM-Verkehr protokolliert, genauso wie es die Sperrrichtlinie täte, aber ohne etwas zu blockieren. Erst wenn das Protokoll zeigt, wer noch NTLM braucht, ist der Zeitpunkt für die Sperre gekommen.

Der Unterschied zwischen den beiden Fehlern ist am Ende nur die Leserichtung. Der eine hat beim Wort deprecated aufgehört zu lesen, der andere davor. Die Wahrheit steht in den zwei Sätzen dazwischen.

Die echte, verifizierte Lösung

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  1. 1.

    Erst messen, wer überhaupt NTLM benutzt

    Die Richtlinie Network Security: Restrict NTLM: Audit incoming NTLM traffic protokolliert eingehende NTLM-Anmeldungen, ohne irgendetwas zu blockieren. Microsoft beschreibt sie als Gegenstück zur Sperrrichtlinie, die genauso funktioniert, aber keinen Verkehr verhindert. Sie liegt unter Computer Configuration, Windows Settings, Security Settings, Local Policies, Security Options und wirkt laut Dokumentation ohne Neustart. Nicht definiert bedeutet dasselbe wie ausgeschaltet.

  2. 2.

    Das NTLM-Protokoll in der Ereignisanzeige auswerten

    Die Ereignisse landen im Betriebsprotokoll unter Applications and Services Log, Microsoft, Windows, NTLM; über Richtlinien der Sicherheitsüberwachung lassen sie sich laut Microsoft nicht anzeigen. Microsoft empfiehlt, die Größe dieses Protokolls während der Testphase regelmäßig zu überwachen und bei vielen Servern ein System zur Sammlung von Ereignissen zu verwenden. Aus den Einträgen ergibt sich die Liste der Server, Clients und Anwendungen, die noch auf NTLM angewiesen sind.

  3. 3.

    Geräte mit NTLMv1 zuerst behandeln

    Alles, was nur NTLMv1 spricht, funktioniert gegenüber Windows 11 ab Version 24H2 und Windows Server 2025 nach Microsofts Liste nicht mehr, weil NTLMv1 dort entfernt ist. Das können alte Geräte oder Anwendungen sein, für die es keine neue Version gibt. Hier hilft kein Schalter am Windows-Rechner, sondern nur ein Update, ein Austausch oder ein Umstieg auf ein Verfahren, das das Gerät beherrscht.

  4. 4.

    Anwendungen auf Negotiate umstellen

    Für eigene und eingekaufte Software lautet Microsofts Empfehlung in beiden Abkündigungslisten gleich: Aufrufe von NTLM durch Aufrufe von Negotiate ersetzen, das zuerst Kerberos versucht und nur bei Bedarf auf NTLM zurückfällt. Damit Kerberos tatsächlich zum Zug kommt, muss die Anwendung einen Dienstprinzipalnamen, einen Benutzerprinzipalnamen oder einen NetBIOS-Kontonamen als Ziel angeben, sonst wählt Negotiate wieder NTLM.

  5. 5.

    Erst danach sperren, und zwar gezielt

    Wenn das Protokoll ausgewertet ist, lässt sich die zugehörige Sperrrichtlinie Network Security: Restrict NTLM: Incoming NTLM traffic mit Deny all accounts oder Deny all domain accounts setzen, so beschreibt es Microsoft als nächsten Schritt nach der Überwachung. Rechner in einer Arbeitsgruppe sind davon auszunehmen, denn dort muss NTLM laut der NTLM-Übersicht verwendet werden. Ein Komplettverbot ohne vorherige Messung ist kein Sicherheitsgewinn, sondern ein angekündigter Ausfall.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ist NTLM in Windows 11 abgeschaltet?

Nein. Microsofts Liste der nicht mehr weiterentwickelten Funktionen im Windows-Client sagt zweierlei. Erstens gelten alle Versionen von NTLM, ausdrücklich einschließlich LANMAN, NTLMv1 und NTLMv2, als „no longer under active feature development and are deprecated.“ Zweitens im selben Absatz: „Use of NTLM will continue to work in the next release of Windows Server and the next annual release of Windows.“ Entfernt wurde nach dem Nachtrag vom November 2024 nur eine Variante: „NTLMv1 is removed starting in Windows 11, version 24H2 and Windows Server 2025.“

?Was bedeutet abgekündigt genau?

Die Server-Fassung der Liste definiert es: „Deprecation means that a feature, functionality, or service is no longer in active development.“ Eine abgekündigte Funktion könne in künftigen Versionen entfernt werden, werde aber weiterhin ausgeliefert, für den Produktivbetrieb unterstützt und mit Sicherheits- und Qualitätsupdates versorgt. Für NTLMv2 unter Windows Server 2025 wird die Seite konkreter: „NTLMv2 will continue to work but will be removed from Windows Server in a future release.“ Ein Datum nennt sie nicht.

?Warum lässt sich NTLM in kleinen Netzen nicht einfach verbieten?

Weil Microsoft es dort selbst vorschreibt. Die NTLM-Übersicht bei Microsoft Learn sagt: „NTLM authentication is still supported and must be used for Windows authentication with systems configured as a member of a workgroup.“ Kerberos nennt dieselbe Seite als bevorzugtes Verfahren für Active-Directory-Umgebungen, also für Domänen. Außerdem wird NTLM laut derselben Seite für die lokale Anmeldung auf Rechnern verwendet, die keine Domänencontroller sind. Wer in einer Arbeitsgruppe NTLM komplett sperrt, sperrt also die Windows-Anmeldung zwischen diesen Geräten.

?Was ist Negotiate, und warum soll ich darauf umstellen?

Negotiate ist laut Microsoft ein Sicherheitspaket, das zwischen Kerberos und NTLM auswählt. Es nimmt Kerberos, solange keine von zwei Bedingungen zutrifft: Kerberos kann von einem der beteiligten Systeme nicht verwendet werden, oder die aufrufende Anwendung liefert nicht genug Angaben dafür. Gemeint sind ein Dienstprinzipalname, ein Benutzerprinzipalname oder ein NetBIOS-Kontoname als Ziel. Fehlt das, heißt es dort: „Otherwise, Negotiate always selects the NTLM security provider.“ Umstellen allein reicht also nicht, die Anwendung muss Kerberos auch die nötigen Angaben machen.

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