Das Symptom
Der Film läuft, die Untertitel nicht. Oder sie laufen, aber eine halbe Sekunde zu früh, was beim Zusehen erstaunlich schnell aggressiv macht. Oder sie stehen da, nur heißt die Hauptfigur jetzt „Müller“ und wohnt in einer „Straße“. Oder sie sind da, in der falschen Sprache, und lassen sich partout nicht abschalten. Vier Beschwerden, die im selben Menü landen — und trotzdem vier verschiedene Ursachen haben.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Der ganze Ärger beginnt damit, dass „Untertitel“ drei völlig verschiedene Dinge bezeichnet. Erstens die eingebrannten: Sie sind Teil des Bildes, so wie ein Straßenschild im Hintergrund Teil des Bildes ist. Man kann sie nicht abschalten, nicht übersetzen, nicht vergrößern und nicht verschieben — jede Suche nach der passenden Einstellung ist verlorene Zeit. Zweitens die mitgelieferten: eine eigene Spur in der Videodatei oder im Datenstrom, die der Abspieler ein- und ausschalten kann. Und drittens die externen: eine separate Datei, die nichts über den Film weiß außer den Zeitangaben, die jemand einmal hineingeschrieben hat.
Selbst innerhalb der Spuren gibt es noch eine Trennlinie, die die meisten überrascht. Der W3C-Standard für Internet-Untertitel führt zwei Profile: eines, in dem der zeitgesteuerte Text ausschließlich aus Unicode-Zeichen besteht, und eines, in dem er ausschließlich aus Rasterbildern besteht. Bildbasierte Untertitel sind Fotos von Sätzen. Deshalb kann man sie nicht durchsuchen, nicht in eine andere Schrift setzen und nicht maschinell übersetzen — und deshalb kann ihnen umgekehrt auch keine Zeichenkodierung etwas anhaben.
Denn die Zeichenkodierung ist der Klassiker bei den externen Dateien, und die Ursache ist bemerkenswert banal: Reiner Text trägt nicht in sich, wie er zu lesen ist. Unicode hält dazu fest, dass eine Signatur am Dateianfang der Hinweis darauf ist, dass eine ansonsten unmarkierte Textdatei in UTF-8 vorliegt. Fehlt sie, wird geraten. Rät der Abspieler falsch, wird aus einem Umlaut ein Buchstabenpaar, und zwar zuverlässig bei jedem einzelnen. Im Browser ist das Problem übrigens gelöst, weil dort nicht geraten werden darf: WebVTT schreibt UTF-8 fest vor, samt Auslieferungskennung. Das ist der Grund, warum dieselbe Datei auf der Webseite entweder sauber läuft oder gar nicht — ein Mittelweg ist nicht vorgesehen.
Wo endet hier die Belegbarkeit? Beim verbreitetsten Format überhaupt. Für die schlichten SRT-Dateien, die das halbe Netz benutzt, gibt es keine Spezifikation einer Normungsorganisation, auf die man zeigen könnte — sie sind gewachsene Praxis, und genau deshalb behandelt sie jeder Abspieler ein bisschen anders. Was sich belegen lässt, sind die Regeln der standardisierten Formate und die Physik der Zeichenkodierung. Das reicht aus, um jeden der vier Fälle zu sortieren: abschaltbar oder eingebrannt, Text oder Bild, verschoben oder driftend, geraten oder festgeschrieben.