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Der SMS-Code ist der schwächste zweite Faktor

Zwei-Faktor per SMS ist besser als gar keine – aber das schwächste Verfahren. Authenticator-App, TAN-Generator und Passkey schützen deutlich besser.

Aufwand:
ca. 20 Min.
Voraussetzung:
Zugang zu den Kontoeinstellungen, Smartphone, optional ein Sicherheitsschlüssel
Gilt für:
Online-Konten mit wählbarem zweiten Faktor

Das Symptom

Der Login fragt nach einem Code, der per SMS kommt. Das fühlt sich sicher an – es ist ja das Handy, das man in der Hand hält. Bis der Code entweder gar nicht ankommt, weil das Netz gerade zickt oder man im Ausland ist, oder bis eine Anmeldeseite ihn abfragt, die man selbst nie angesteuert hat. Und irgendwo in den Kontoeinstellungen steht seit Jahren ungenutzt eine Liste anderer Verfahren, die niemand je angesehen hat.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Zwei-Faktor ist kein Schalter mit zwei Stellungen, sondern eine Rangfolge – und fast alle bleiben auf der untersten Stufe stehen, weil sie beim Einrichten zuerst angeboten wurde. Das BSI sortiert die Verfahren ausdrücklich: Codes per SMS unten, Authenticator-Apps und Hardware-TAN-Generatoren darüber, an der Spitze Verfahren, die Transaktionsdaten einbeziehen oder auf Passkeys beruhen. Der entscheidende Bruch in dieser Liste verläuft aber nicht dort, wo man ihn vermutet. Er liegt zwischen „irgendein Code, den ich abtippe“ und „ein Schlüssel, der weiß, mit welcher Webseite er spricht“. Alles Abtippbare – SMS, E-Mail, auch der Sechser aus der Authenticator-App – schützt laut BSI nicht gegen Phishing in Echtzeit, weil eine gefälschte Seite den Code entgegennimmt und in Sekunden an die echte weiterreicht. Nur die Passkey-Verfahren nennt das BSI resistent gegen übliche Phishing-Angriffe.

Die SMS ist innerhalb der abtippbaren Verfahren noch einmal die schwächste, weil sie zusätzlich an der Rufnummer hängt und damit an einem Vertragsverhältnis, das man selbst nicht kontrolliert. NIST stuft die Nutzung des Telefonnetzes für solche Bestätigungen als eingeschränkt ein und verlangt von Diensten, auf Indikatoren wie SIM-Wechsel und Rufnummernmitnahme zu achten – das ist der nüchterne Behördenausdruck dafür, dass eine Rufnummer den Besitzer wechseln kann, ohne dass ihr Besitzer davon weiß. Nichts davon heißt, dass SMS-Zwei-Faktor schlechter wäre als gar keine; sie ist deutlich besser als ein bloßes Passwort. Es heißt nur, dass die Einstellung, die man beim ersten Einrichten genommen hat, selten die ist, die man behalten sollte. Zehn Minuten in den Kontoeinstellungen der drei wichtigsten Zugänge sind hier mehr wert als jede weitere Sicherheitssoftware.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Erst überhaupt einen zweiten Faktor einrichten

    Die Rangfolge der Verfahren ist erst der zweite Schritt. Das BSI empfiehlt, eine Zwei-Faktor-Authentisierung anzuwenden, sobald ein Online-Dienst dies ermöglicht – und rät in jedem Fall davon ab, sie zu deaktivieren. Wichtig ist das besonders beim Online-Banking und bei Konten mit weitreichenden Rechten, allen voran der E-Mail-Adresse, über die alle anderen Konten zurückgesetzt werden können.

  2. 2.

    Die verfügbaren Verfahren in den Kontoeinstellungen ansehen

    In den Sicherheitseinstellungen des Dienstes steht meist mehr zur Auswahl, als beim ersten Einrichten angeboten wurde. Die Rangfolge nach der BSI-Bewertung, von unten nach oben: Codes per E-Mail oder SMS, dann zeitbasierte Codes aus einer Authenticator-App, dann Hardware-TAN-Generatoren, und an der Spitze Passkeys beziehungsweise Sicherheitsschlüssel nach FIDO2.

  3. 3.

    Von SMS auf eine Authenticator-App wechseln

    Die App erzeugt den Code lokal, ohne Mobilfunknetz und ohne Zustellweg. Beim Einrichten unbedingt die angebotenen Wiederherstellungscodes ausdrucken oder in den Passwortmanager legen – ohne sie ist ein verlorenes Telefon ein verlorener Zugang. Danach die SMS als Methode im Konto entfernen, sonst bleibt sie als schwächster Weg weiter offen und der Wechsel bringt nichts.

  4. 4.

    SMS und Login nicht auf demselben Gerät nutzen

    Solange die SMS im Einsatz bleibt, gilt die ausdrückliche Einschränkung des BSI: Es sei davon abzuraten, für den Empfang der mTAN dasselbe Gerät zu verwenden wie für das Login beziehungsweise die Nutzung des Dienstes. Wer auf demselben Telefon einloggt, auf dem der Code ankommt, hat den zweiten Faktor auf denselben Kanal gelegt wie den ersten – und damit einen guten Teil des Sinns aufgegeben.

  5. 5.

    Die Codeanzeige vom Sperrbildschirm nehmen

    Ein Code, der als Vorschau auf dem gesperrten Telefon erscheint, ist für jeden lesbar, der das Gerät in der Hand hält oder daneben steht. In den Benachrichtigungseinstellungen die Inhaltsvorschau für Nachrichten auf dem Sperrbildschirm ausschalten. Das kostet nichts und schließt den banalsten aller Wege.

  6. 6.

    Für die wichtigsten Konten auf Passkey oder Sicherheitsschlüssel gehen

    Das ist der einzige Schritt, der die Klasse wechselt statt nur den Grad. Laut BSI sind die beiden Passkey-Verfahren resistent gegen übliche Phishing-Angriffe, während SMS-TAN und TOTP dagegen nicht schützen. Für E-Mail-Konto, Passwortmanager und Bankzugang lohnt der Aufwand am meisten. Ein zweiter, an sicherer Stelle verwahrter Sicherheitsschlüssel als Ersatz gehört zur Einrichtung dazu.

  7. 7.

    Die Rufnummer beim Mobilfunkanbieter absichern

    Der zweite Faktor per SMS hängt daran, dass die Rufnummer bei dir bleibt. NIST verlangt vom Diensteanbieter ausdrücklich, Risikoindikatoren wie Gerätetausch, SIM-Wechsel und Rufnummernmitnahme zu berücksichtigen – ein Hinweis darauf, dass genau hier der Angriffspunkt liegt. Was du selbst tun kannst: beim Mobilfunkanbieter ein Kundenkennwort setzen und prüfen, welche Auskunft am Telefon ohne dieses Kennwort möglich ist.

Häufige Fragen (FAQ)

?Soll ich die SMS-Zwei-Faktor jetzt abschalten?

Nein – jedenfalls nicht ersatzlos. Das BSI rät in jedem Fall davon ab, die Zwei-Faktor-Authentisierung zu deaktivieren, und empfiehlt, sie anzuwenden, sobald ein Online-Dienst dies ermöglicht. Der SMS-Code ist das schwächste der gängigen Verfahren, aber er ist immer noch eine zusätzliche Hürde gegenüber einem reinen Passwort-Login. Die richtige Reihenfolge lautet deshalb: erst ein besseres Verfahren einrichten, dann die SMS als Methode entfernen. Wo ein Dienst nichts anderes anbietet, bleibt die SMS die richtige Wahl.

?Warum ist der Code aus der Authenticator-App besser als der per SMS?

Er verlässt nie das Mobilfunknetz, weil er gar nicht darüber verschickt wird: Die App berechnet ihn lokal aus einem gemeinsamen Geheimnis und der Uhrzeit. Damit entfallen alle Angriffe, die am Transportweg ansetzen – auf die Rufnummer, auf die Zustellung, auf die Anzeige auf dem Sperrbildschirm. Das BSI ordnet TAN-Generatoren in Hardware und Authenticator-Apps in Software entsprechend als besser ein als die klassischen Verfahren. Gegen Phishing in Echtzeit hilft aber auch die App nicht – dazu die dritte Frage.

?Ich habe Zwei-Faktor aktiviert – kann mir bei Phishing dann noch etwas passieren?

Ja, und das ist der wichtigste Punkt hier. Das BSI führt genau diese Annahme als Irrtum. In seiner technischen Bewertung der 2FA-Verfahren steht, dass E-Mail- und SMS-TAN-Verfahren sowie TOTP nicht vor Echtzeit-Phishing schützen, weil der zweite Faktor durch einen Realtime-Proxy der Angreifenden abgefangen werden kann. Übersetzt: Die gefälschte Seite fragt dich nach dem Code und reicht ihn binnen Sekunden an die echte Seite weiter. Nur die Passkey-Verfahren bezeichnet das BSI als resistent gegen übliche Phishing-Angriffe.

?Was ist mit chipTAN und den Geräten meiner Bank?

Die stehen in der BSI-Bewertung sogar noch über der reinen Authenticator-App: Als noch sicherer gelten TAN-Generatoren, die Daten aus der Transaktion in die Erzeugung der TAN einbeziehen, etwa eTAN und chipTAN. Der Grund ist einleuchtend: Ein Code, der nur zu genau dieser Überweisung mit genau diesem Betrag und Empfänger passt, nützt an anderer Stelle nichts. Ein reiner Zahlencode dagegen passt zu jedem Vorgang, den jemand damit anstößt.

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