Das Symptom
Deckel zu, Notebook in die Tasche, Feierabend. Zu Hause ist die Tasche warm, der Lüfter war unterwegs zu hören, und am nächsten Morgen ist der Akku leer, obwohl das Gerät doch geschlafen hat. Die Suche im Netz liefert schnell einen Schuldigen, nämlich Modern Standby, und gleich dazu die Lösung: im BIOS den klassischen S3-Schlaf wieder einschalten oder per Registry-Eintrag zurückholen.
Also wird das Setup durchsucht, nach etwas mit S3, Legacy oder Sleep im Namen. Mal gibt es so einen Punkt, mal nicht. Mal wird ein Registry-Rezept angewendet. Danach verhält sich das Gerät genauso wie vorher, und der Besitzer ist sicher, dass Windows kaputt ist.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Windows 10 kennt laut Microsoft zwei Energiemodelle, S3 und Modern Standby, und dazwischen gibt es keinen Kippschalter. Die Hardware-Dokumentation sagt es ohne Umschweife: „Switching between S3 and Modern Standby cannot be done by changing a setting in the BIOS. Switching the power model is not supported in Windows without a complete OS re-install.“ Das Modell ist eine Eigenschaft der Installation, nicht eine Option im laufenden Betrieb. Wer trotzdem am BIOS oder an der Registry dreht, bewegt sich außerhalb dessen, was Microsoft unterstützt.
Der eigentliche Denkfehler steckt aber im Wort Standby. Wer S3 im Kopf hat, erwartet einen Rechner, der schläft und sonst nichts tut. Modern Standby ist ausdrücklich anders gebaut: „On any Modern Standby system, the system remains in S0 while in standby“, also in einem Zustand, in dem das System grundsätzlich arbeiten kann. Microsoft verkauft das als Vorteil: Der Schlafzustand entspreche S3, nur mit dem Zusatznutzen, dass ausdrücklich erlaubte Software zwischendurch laufen darf. Dieser Zusatznutzen ist das, was die Tasche wärmt. Die Seite nennt selbst Beispiele: „These longer active intervals occur for a variety of reasons, for example, processing incoming email or downloading critical Windows updates.“ Am Netzteil kommt ein Wartungsmodus dazu, in dem Updates und andere Aktivitäten das Netzwerk nutzen können.
Die Lösung liegt deshalb nicht im BIOS, sondern in der Frage, wer das Gerät wach hält. Dafür hat Windows ein eingebautes Werkzeug: Die Dauer dieser Aktivitäten lässt sich laut Microsoft mit SleepStudy ansehen. Der Bericht nennt die Komponenten, die das System aktiv halten, und damit die Stellen, an denen man ansetzen kann. Und wer sichergehen will, dass in der Tasche wirklich nichts passiert, schaltet das Gerät aus, statt einem Standby zu vertrauen, der per Definition arbeiten darf.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die zitierten Microsoft-Seiten sind von 2020 bis 2022 und sprechen von Windows 10. Für Windows 11 treffen sie keine Aussage, und dieser Eintrag tut deshalb auch nicht so, als ob.