Das Symptom
Man hört zu, nickt gelegentlich, tippt nichts – und dann wird der Bildschirm
dunkel. Ein Wackeln mit der Maus holt ihn zurück, aber zehn Minuten später
passiert es wieder. Im schlimmeren Fall geht der ganze Rechner in den
Ruhezustand, die Verbindung reißt ab, und man kommt mit einem fröhlichen
„Entschuldigung, ich war kurz weg“ zurück in eine Diskussion, die ohne einen
weitergelaufen ist.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Windows hat keine Ahnung, was auf dem Bildschirm passiert. Es zählt nicht Videos,
es zählt Untätigkeit – und was als Aktivität gilt, ist eine erstaunlich kurze
Liste: Tastatur- und Mauseingaben, Serveraktivität, Wechsel des Fensterfokus.
Ausdrücklich nicht dazu gehören Prozessorlast und die Videoanzeige. Eine
zweistündige Konferenz, in der man zuhört statt zu tippen, ist für die
Energieverwaltung deshalb exakt dasselbe wie ein leerer Schreibtisch.
Damit das trotzdem funktioniert, gibt es einen Vertrag: Eine Anwendung, die
längere Zeit ohne Benutzereingabe Video darstellt, soll dem System sagen, dass
sie in Benutzung ist, und damit den Untätigkeitszähler ausbremsen. Microsoft
schreibt genau das in die Dokumentation – Multimedia- und Präsentationsprogramme
müssen die Anzeige-Anforderung stellen. Tut die Konferenz-App das nicht oder gibt
sie die Anforderung beim Wechsel in den Hintergrund wieder frei, dann macht
Windows nichts falsch, es hält sich an die Regeln. Der Fehler steht in der
Anwendung, nicht im Energieplan.
Deshalb lohnt der Blick auf die Liste der Energieanforderungen, bevor irgendjemand
den Energiesparplan zerschießt. Sie beantwortet die Frage in einer Zeile: Steht
die Konferenz-App drin, ist die Ursache woanders. Steht sie nicht drin, weiß man,
wem man die Wachhaltung notfalls von Hand nachreichen muss. Nur sollte man sich
merken, dass man das getan hat: Eine Ausnahme, die dauerhaft stehen bleibt, hält
den Rechner auch dann wach, wenn längst niemand mehr zuhört. Der parameterlose
Aufruf listet auf, was eingetragen ist – ein Blick, den sich jeder gönnen sollte,
der einmal an dieser Schraube gedreht hat.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.Nachsehen, wer die Wachhaltung anfordert
Der erste Blick geht nicht in die Energieoptionen, sondern auf die Liste der aktiven Anforderungen. Der Befehl zeigt, welche Prozesse, Dienste und Treiber gerade verhindern, dass Bildschirm oder System abschalten. In einer laufenden Konferenz sollte dort die Konferenz-Anwendung stehen. Steht sie nicht dort, ist die Ursache gefunden. Eingabeaufforderung mit Administrator-Rechten:
powercfg /requests
2.Die Zeitlimits anheben
Solange keine Anwendung die Wachhaltung anfordert, entscheidet allein die Zeitüberschreitung. Beide Werte lassen sich direkt setzen, die Angabe erfolgt in Minuten. Das erste Kommando betrifft den Bildschirm im Netzbetrieb, das zweite den Standby im Netzbetrieb – für den Akkubetrieb lauten die Schlüssel monitor-timeout-dc und standby-timeout-dc:
powercfg /change monitor-timeout-ac 60
powercfg /change standby-timeout-ac 120
3.Eine gezielte Ausnahme für die Konferenz-App setzen
Wenn die Anwendung die Anforderung selbst nicht stellt, kann Windows sie stellvertretend gewähren. Dafür den Namen einsetzen, den der erste Schritt ausgegeben hat, und die gewünschten Anforderungsarten benennen – zulässig sind laut Dokumentation Display, System und Awaymode. Ohne Parameter aufgerufen, zeigt derselbe Befehl die bereits eingetragenen Ausnahmen; damit lässt sich später kontrollieren, was man sich eingehandelt hat:
powercfg /requestsoverride
powercfg /requestsoverride process ANWENDUNG.EXE display system
4.Den Energiebericht erstellen lassen
Bleibt das Verhalten unklar, analysiert Windows das System selbst und schreibt einen HTML-Bericht in das aktuelle Verzeichnis. Der Bericht nennt verbreitete Probleme der Energieeffizienz, darunter Anwendungen und Treiber, die die Energieverwaltung stören. Die Beobachtungsdauer wird in Sekunden angegeben, voreingestellt sind 60. Der Aufruf soll laut Dokumentation an einem im Leerlauf befindlichen Rechner ohne offene Programme erfolgen:
powercfg /energy /duration 120
5.Bei modernem Standby den Schlafbericht auswerten
Notebooks mit modernem Standby schlafen nicht schlagartig, sondern gleiten hinein – und protokollieren das. Der folgende Befehl erzeugt einen Diagnosebericht über die Qualität des modernen Standbys der letzten drei Tage als Datei im aktuellen Verzeichnis. Dort steht, wann und wodurch das Gerät in den Schlaf gegangen ist:
powercfg /sleepstudy
6.Zuletzt die Bequemlichkeitsfalle prüfen
Der Deckel des Notebooks und der Netzschalter setzen sich über alles hinweg – auch über jede Energieanforderung einer Anwendung. Wer während der Besprechung den Deckel anlehnt, um Platz zu schaffen, beendet die Sitzung zuverlässig. Ebenso prüfenswert: ein Bildschirmschoner mit Kennwortschutz, der den Rechner zwar nicht schlafen legt, dafür aber den Bildschirm sperrt – und damit jede laufende Bildschirmfreigabe unbrauchbar macht.