Das Symptom
Ein Programm soll getestet werden, also wird es in der Windows Sandbox installiert, mühsam eingerichtet, mit Testdaten gefüttert. Ein paar Dateien entstehen, eine Konfiguration sitzt endlich. Abends wird das Fenster geschlossen, ein Dialog fragt irgendetwas, OK. Am nächsten Morgen startet die Sandbox wieder, und sie ist leer. Keine Installation, keine Dateien, kein Verlauf. Die Suche nach einem Wiederherstellungspunkt oder dem Speicherort der Sandbox-Festplatte bleibt ergebnislos.
Verwandte Überraschungen kommen gleich mit: Das auf dem Rechner installierte Office fehlt in der Sandbox. Eine zweite Sandbox für ein anderes Projekt lässt sich nicht parallel öffnen. Und auf dem privaten Notebook mit Windows Home ist die Funktion gar nicht erst zu finden, egal, wo man sucht.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Die Windows Sandbox tut genau das, was auf der Packung steht. Microsoft beschreibt sie als Wegwerfumgebung, und zwar ohne jede Einschränkung: „The sandbox is temporary; closing it deletes all software, files, and state. Each launch provides a fresh instance.“ In der Merkmalsliste heißt es unter „Disposable“ noch deutlicher: „Nothing persists on the device.“ Der Dialog beim Schließen war keine Formalie, sondern laut Microsoft die Frage, ob der gesamte Inhalt der Sandbox gelöscht werden soll. Wer dort OK klickt, hat die Löschung bestellt und bekommen.
Der Denkfehler liegt im Wort Sandbox. Es klingt nach einer abgeschotteten Ecke des eigenen Systems, die man aufräumt, wenn man Lust hat. Tatsächlich ist es eine kleine virtuelle Maschine, die bei jedem Start neu aufgesetzt wird. Deshalb fehlt auch das Office vom Host: „Host-installed software isn’t available in the sandbox.“ Und deshalb gibt es nichts wiederherzustellen, denn es gibt keinen Zustand, der aufbewahrt würde. Die einzige Ausnahme ist schmal: Ab Windows 11, Version 22H2, überstehen Daten einen Neustart, der innerhalb der Sandbox ausgelöst wird. Das Schließen des Fensters ist kein solcher Neustart.
Wer Ergebnisse behalten will, muss sie vorher hinausbringen. Der vorgesehene Weg ist ein eingebundener Host-Ordner in einer .wsb-Konfigurationsdatei. Microsoft schreibt dazu klar: „Changes made during a Sandbox session to a mapped folder with write-permissions will persist after a Sandbox is disposed.“ Das ist zugleich die Warnung, denn derselbe Ordner ist ein Weg zurück auf den Host. Wer die Sandbox für verdächtige Dateien nutzt, bindet den Ordner deshalb schreibgeschützt ein und schaltet das standardmäßig aktive Netzwerk ab.
Zwei Grenzen gehören ebenfalls dazu. Es läuft immer nur eine Instanz gleichzeitig. Und auf Windows Home gibt es die Funktion nicht: „Windows Sandbox is currently not supported on Windows Home edition.“ Wer also eine Umgebung braucht, die bleibt, mehrfach existiert oder auf einer Home-Edition läuft, braucht keine reparierte Sandbox, sondern ein anderes Werkzeug.