Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Überall abmelden bringt nichts ohne neues Passwort

Der Knopf „Von allen Geräten abmelden“ wirkt entschlossen und ist folgenlos, solange das alte Passwort gilt. Und er wirkt nicht überall sofort.

Aufwand:
ca. 20 Min.
Voraussetzung:
Zugang zu den Sicherheitseinstellungen des Kontos, ein Gerät, dem man vertraut
Gilt für:
Online-Konten mit Sitzungsübersicht, Microsoft-Entra-Konten

Das Symptom

In den Sicherheitseinstellungen steht ein Knopf, der genau das verspricht, was man in diesem Moment will: von allen Geräten abmelden. Man drückt ihn, die Liste der Sitzungen wird leer, und für zwei Minuten fühlt sich das nach Kontrolle an. Dann kommt die nächste Benachrichtigung über eine Anmeldung, die man nicht war. Oder umgekehrt: Man drückt den Knopf, und eine App auf dem Tablet läuft danach seelenruhig weiter, als wäre nichts gewesen.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Abmelden und Aussperren sind nicht dasselbe. Der Abmeldeknopf beendet laufende Sitzungen; er nimmt niemandem das Passwort weg. Wer die Zugangsdaten hat, meldet sich danach wieder an – und hat obendrein erfahren, dass er bemerkt wurde. Deshalb steht in der Anleitung des BSI der Passwortwechsel vor dem Beenden der Sitzungen, und die Begründung liefert das BSI gleich mit: Beim erneuten Öffnen muss auf jedem Gerät das neue Passwort eingegeben werden. Erst diese Kombination sperrt aus. Jeder der beiden Schritte für sich ist eine halbe Maßnahme, und zwar in beide Richtungen – ein Passwortwechsel ohne Abmelden lässt bestehende Sitzungen weiterlaufen, ein Abmelden ohne Passwortwechsel lädt zum Wiederkommen ein.

Der zweite Irrtum betrifft die Uhr. Der Knopf sieht aus wie ein Lichtschalter, arbeitet aber nicht wie einer. Microsoft beschreibt für die eigene Plattform, dass zwischen dem Auslösen des Widerrufs und dem tatsächlichen Verlust des Zugriffs eine Zeitspanne liegen kann: Ein ausgegebenes Zugriffstoken gilt bis zum Ablauf, im Standardfall eine Stunde lang. Und für Anwendungen, die eine eigene Sitzung führen, sagt Microsoft noch etwas Unbequemeres – der Identitätsdienst könne ein von der Anwendung selbst ausgestelltes Sitzungstoken gar nicht direkt widerrufen. Das ist kein Fehler in der Bedienung, sondern die Bauweise, und es erklärt beide Beobachtungen: die fremde Aktivität, die noch eine Weile nachhallt, und die eigene App, die sich vom Abmelden unbeeindruckt zeigt.

Praktisch folgt daraus eine schlichte Reihenfolge: neues Passwort, dann abmelden, dann Geräteliste und Zweitfaktor-Methoden durchsehen, dann eine Stunde später noch einmal hinschauen. Und das neue Passwort nirgends dort hinterlegen, wo die Gegenseite vielleicht noch mitliest – Microsoft warnt ausdrücklich davor, es per E-Mail zu verschicken, weil das Postfach ja gerade der strittige Ort ist.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Das Passwort ändern, bevor irgendetwas abgemeldet wird

    Das BSI stellt beide Schritte in genau dieser Reihenfolge auf: erst schnellstmöglich die Passwörter ändern, beginnend beim betroffenen E-Mail-Konto, dann alle aktiven Sitzungen beenden. Andersherum meldet man jemanden ab, der die Zugangsdaten noch hat – das kostet ihn ein paar Sekunden und verrät ihm, dass er entdeckt ist.

  2. 2.

    Ein wirklich neues Passwort setzen, nicht die nächste Variante

    Microsoft verlangt ein eindeutiges Kennwort, das der Angreifer nicht erraten kann, und verbietet ausdrücklich die Wiederverwendung eines der letzten fünf Kennwörter, selbst wenn die Kennwortverlaufsanforderung es zuließe. Aus demselben Grund taugt auch die Jahreszahl am Ende nicht: Wer das alte Passwort kennt, kennt auch das Bildungsgesetz dahinter.

  3. 3.

    Das neue Passwort nicht über das betroffene Postfach verteilen

    Microsoft: Senden Sie das neue Kennwort nicht per E-Mail an den Benutzer, da der Angreifer an diesem Punkt möglicherweise Zugriff auf das Postfach haben könnte. Dasselbe gilt für jeden anderen Kanal, der am betroffenen Konto hängt – Chat mit demselben Login, Notiz-App in derselben Cloud, SMS auf ein Gerät, das man nicht mehr sicher zuordnen kann.

  4. 4.

    Jetzt alle Sitzungen beenden

    Das BSI beschreibt die Wirkung: Aktive Sitzungen können bestehen, wenn man von mehreren Geräten zugreift, und lassen sich meist mit einem Klick beenden; beim erneuten Öffnen muss dann auf jedem Gerät das neue Passwort eingegeben werden. Microsoft nennt dasselbe für seine Umgebung so: Durch das Widerrufen aktiver Sitzungen werden alle aktiven Zugriffe mithilfe der gestohlenen Anmeldeinformationen sofort ungültig.

    Revoke-MgUserSignInSession -UserId <UPN>
  5. 5.

    Nicht damit rechnen, dass alles in derselben Sekunde zufällt

    Microsoft: In einigen Szenarien kann zwischen der Einleitung des Widerrufs des Zugriffs und dem Zeitpunkt, an dem der Zugriff tatsächlich widerrufen wird, eine gewisse Zeitspanne liegen. Bei Anwendungen mit Zugriffstoken verliert die Gegenseite den Zugriff, wenn das Token abläuft – standardmäßig nach einer Stunde. In dieser Zeit kann noch Aktivität sichtbar werden, ohne dass etwas schiefgelaufen ist.

  6. 6.

    Die Liste der angemeldeten Geräte durchgehen

    Nach dem Abmelden bleibt oft die Geräteliste stehen – und die ist der bessere Hinweis als jede Anmeldehistorie, weil dort auch steht, was hinzugefügt wurde. Apple formuliert den Schritt für sein Konto so: auf account.apple.com die Option Geräte auswählen und alle mit dem Konto verknüpften Geräte entfernen, die man nicht erkennt.

  7. 7.

    Die hinterlegten Zweitfaktor-Methoden prüfen

    Das ist der Schritt, den fast alle auslassen. Microsoft führt ihn als eigenen Punkt: die für den betroffenen Benutzer registrierten MFA-Geräte überprüfen, verdächtige von einem Angreifer hinzugefügte Geräte identifizieren und entfernen und sicherstellen, dass alle nicht erkannten MFA-Methoden entfernt werden. Eine fremde Authenticator-App im eigenen Konto übersteht Passwortwechsel und Abmelden gleichermaßen.

  8. 8.

    Erst danach die eigenen Geräte wieder anmelden

    Jedes Gerät fragt jetzt nach dem neuen Passwort – das ist die Rückmeldung, dass die beiden Schritte zusammen gewirkt haben. Bleibt ein Gerät ohne Nachfrage angemeldet, arbeitet es entweder noch mit einem gültigen Token oder mit einer eigenen App-Anmeldung, die vom zentralen Abmelden nicht erfasst wurde. Beides ist ein Grund, in den App-Zugriffen des Kontos nachzusehen.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ich habe alle Sitzungen beendet. Warum reicht das nicht?

Weil das Abmelden nur beendet, was gerade läuft – nicht die Berechtigung, sich neu anzumelden. Wer das Passwort kennt, tippt es danach einfach wieder ein. Das BSI setzt deshalb den Passwortwechsel vor das Beenden der Sitzungen und begründet es mit dem Ergebnis: Beim erneuten Öffnen muss dann auf jedem Gerät das neue Passwort eingegeben werden. Genau das ist der Sinn der Übung – und er entsteht erst durch die Kombination.

?Wirkt der Rauswurf sofort?

Nicht zwangsläufig. Microsoft schreibt für seine eigene Umgebung, dass in einigen Szenarien zwischen der Einleitung des Widerrufs und dem Zeitpunkt, an dem der Zugriff tatsächlich widerrufen wird, eine gewisse Zeitspanne liegen kann. Der Grund liegt in der Bauweise: Ein einmal ausgegebenes Zugriffstoken gilt weiter, bis es abläuft – standardmäßig eine Stunde. Wer nach dem Abmelden noch fremde Aktivität sieht, hat deshalb nicht unbedingt einen zweiten Vorfall, sondern manchmal nur das Ende der Frist noch vor sich.

?Warum ist eine Anwendung nach dem Abmelden immer noch offen?

Weil viele Anwendungen eine eigene Sitzung führen. Microsoft formuliert das erstaunlich deutlich: Um ein Sitzungstoken zu widerrufen, müsse die Anwendung den Zugriff anhand ihrer eigenen Autorisierungsrichtlinien widerrufen; Microsoft Entra ID könne ein von einer Anwendung ausgestelltes Sitzungstoken nicht direkt widerrufen. Der zentrale Abmeldeknopf reicht also nicht immer bis in jede App hinein.

?Kann ich mir das neue Passwort nicht einfach an mich selbst mailen?

Nein, und Microsoft nennt den Grund in einem Halbsatz: Das neue Kennwort nicht per E-Mail an den Benutzer senden, da der Angreifer an diesem Punkt möglicherweise Zugriff auf das Postfach haben könnte. In der eigenen Wohnung klingt das übertrieben, bis man daran denkt, dass genau dieses Postfach der Ort ist, um den es geht. Das neue Passwort gehört in einen Passwortmanager oder auf Papier, nicht in eine Nachricht.

?Was mache ich, wenn ich das Konto gar nicht in den Griff bekomme?

Im Firmenumfeld ist die Antwort eindeutig: Microsoft bezeichnet das Deaktivieren des kompromittierten Kontos als bevorzugt und dringend empfohlen, bis die Untersuchung abgeschlossen ist, und nennt das Zurücksetzen des Kennworts erst als nächstbesten Schritt. Privat gibt es diesen Schalter meist nicht – dort ist das Gegenstück, den Anbieter einzuschalten, wie es das BSI für den Fall ohne Zugriff empfiehlt.

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