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KI-Dienst meldet 429: zu viele Anfragen

Zu viele Anfragen, Kapazität erschöpft, 429: Der KI-Dienst ist nicht ausgefallen, sondern gedeckelt. Wiederholen hilft nur bei einer der Ursachen.

Aufwand:
ca. 20 Min.
Voraussetzung:
Die Fehlermeldung im vollen Wortlaut, Bei eigenem Zugang: ein Werkzeug, das die Kopfzeilen der Antwort zeigt, Zugang zur Abrechnungsseite des Anbieters, Die Bereitschaft, zwei Minuten nichts zu tun
Gilt für:
Claude API (Anthropic, Stand 09/2026), Gemini API (Google, Stand 09/2026), KI-Chatfenster mit Nutzungsgrenzen

Das Symptom

Mitten in der Arbeit bricht der KI-Dienst ab. Auf dem Bildschirm steht je nach Anbieter etwas wie „zu viele Anfragen“, „Kapazität erschöpft“, rate limit oder, wenn man sich die Antwort selbst ansieht, schlicht:

HTTP/1.1 429
{"type":"error","error":{"type":"rate_limit_error","message":"..."}}

Der Reflex ist überall derselbe: noch einmal senden. Und noch einmal. Dann die Seite neu laden, den Browser wechseln, den Rechner neu starten – wobei jeder dieser Versuche selbst wieder eine Anfrage ist, die auf denselben Zähler geht.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Der Fehler ist kein Ausfall, sondern eine Rechnung. 429 heißt seit RFC 6585 nichts anderes als: In einem bestimmten Zeitraum kamen zu viele Anfragen. Der Dienst funktioniert tadellos – er weigert sich nur, in diesem Moment noch mehr zu tun. Layer 8 sitzt an zwei Stellen zugleich. Erstens im Wort „Anfragen“: Gezählt wird nicht nur, wie oft gefragt wurde, sondern auch, wie viel Text dabei hin- und herging. Anthropic misst getrennt in Anfragen, Eingabe-Token und Ausgabe-Token pro Minute, Google in Anfragen pro Minute, Eingabe-Token pro Minute und Anfragen pro Tag – und eine einzige gerissene Grenze genügt, während alle anderen Zähler noch fast leer sind. Wer ein Buch als Anhang hochlädt, hat eine Anfrage gestellt und ein Kontingent geleert.

Zweitens im Wort „Wiederholen“. Es gibt zwei Wände mit derselben Nummer, und sie verlangen das genaue Gegenteil voneinander. Die Ratenbegrenzung ist eine Warteschlange: Die Antwort trägt eine retry-after-Kopfzeile, die nach RFC 9110 entweder Sekunden oder ein Datum enthält, und wer sie abwartet, kommt durch. Die erreichte Ausgabengrenze des Kontos ist dagegen ein geschlossener Schalter: derselbe Fehlertyp, derselbe Code, aber keine retry-after-Kopfzeile – und Anthropic schreibt ausdrücklich, dass Wiederholungen einschließlich der automatischen Wiederholungen der SDKs so lange scheitern, bis der Zugriff von selbst zurückkehrt. Die Antwort sagt einem also, welcher Fall vorliegt; man muss sie nur lesen, statt sie wegzuklicken.

Deshalb ist der Wiederholen-Knopf hier ausgerechnet das schlechteste Werkzeug. Im ersten Fall scheitert er ohnehin – zu frühe Versuche schlagen laut Anthropic fehl, und das SDK wiederholt im Hintergrund längst selbst. Im zweiten Fall tut er nachweislich gar nichts. Was tatsächlich hilft, ist unspektakulär: die Wartezeit aus der Antwort nehmen, statt sie zu schätzen. Weniger Text pro Anfrage schicken – Google nennt kleinere Kontextfenster und kürzere Ausgaben selbst als Abhilfe. Bei mehreren Versuchen exponentiell länger warten und einen Zufallsversatz einstreuen, damit nicht alle Clients im Gleichschritt anklopfen. Und Lastspitzen verteilen statt sie zu stapeln, weil Anthropic zusätzlich Beschleunigungsgrenzen kennt und wörtlich empfiehlt, den Verkehr allmählich hochzufahren. Kurz: Der Dienst hat nicht Nein gesagt, sondern „nicht so viel auf einmal“.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Die Meldung zu Ende lesen, bevor irgendetwas gedrückt wird

    In der Meldung steht fast immer mehr als das Wort „Limit“: eine Zahl (429), ein Fehlertyp, oft ein Zeitpunkt, ab dem es weitergeht. Genau dieser Satz entscheidet über alles Weitere. Anthropic nennt bei erreichter Ausgabengrenze im Klartext das Datum und die Uhrzeit, ab der wieder Zugriff besteht; Google gibt bei ausgabenbasierten Grenzen einen 429 mit dem Zusatz RESOURCE_EXHAUSTED aus. Wer die Meldung wegklickt, wirft die einzige Information weg, die er gerade bekommen hat.

  2. 2.

    Nachsehen, ob eine Wartezeit mitgeliefert wurde

    Bei einer echten Ratenbegrenzung schickt die Schnittstelle laut Anthropic-Dokumentation einen 429 zusammen mit einer `retry-after`-Kopfzeile, die angibt, wie lange zu warten ist. Der Standard erlaubt dort zwei Formen: eine Sekundenzahl oder ein festes Datum (RFC 9110, Abschnitt 10.2.3). Wer eigenen Zugang hat, macht die Kopfzeilen sichtbar, statt zu raten – bei Anthropic stehen daneben auch die verbleibenden Anfragen und Token sowie der Zeitpunkt, zu dem das Kontingent wieder voll ist.

    # -D - schreibt die Kopfzeilen der Antwort auf die Standardausgabe,
    # -o /dev/null wirft den Rumpf weg.
    curl -sS -D - -o /dev/null -X POST "$ENDPUNKT" -H "content-type: application/json" -d @anfrage.json
    
  3. 3.

    Fehlt die Wartezeit, ist Wiederholen sinnlos

    Das ist der Unterschied, den fast niemand kennt. Ist die monatliche Ausgabengrenze des Kontos erreicht, kommt bei Anthropic derselbe Fehlertyp `rate_limit_error` mit demselben Code 429 – aber ohne `retry-after`-Kopfzeile, und die Dokumentation ist unmissverständlich: Wiederholungen scheitern, „including the SDKs' automatic retries“, bis der Zugriff von selbst zurückkehrt. Erkennungszeichen auf der Messages-API ist `enforced_spend_limit_reached`. Hier hilft nur eine höhere Stufe oder der nächste Monat, und jeder Klick auf „Nochmal“ ist verlorene Lebenszeit.

  4. 4.

    Herausfinden, welche der Grenzen getroffen wurde

    „Zu viele Anfragen“ ist ein irreführender Name, denn gezählt wird mehrfach. Anthropic misst Anfragen pro Minute, Eingabe-Token pro Minute und Ausgabe-Token pro Minute getrennt; Google misst Anfragen pro Minute, Eingabe-Token pro Minute und Anfragen pro Tag und schreibt dazu, dass das Überschreiten einer einzigen dieser Größen den Fehler auslöst – auch wenn alle anderen weit unter der Grenze liegen. Eine einzige Anfrage mit einem riesigen Anhang kann die Token-Grenze reißen, während der Anfragezähler bei eins steht.

  5. 5.

    Die Menge senken, nicht die Schlagzahl erhöhen

    Google nennt als Abhilfe ausdrücklich, die Rate teurer Anfragen zu senken, etwa durch kleinere Kontextfenster und kürzere Ausgaben. Übersetzt fürs Chatfenster: nicht das ganze Archiv in eine Nachricht kippen, lange Gespräche neu anfangen statt endlos weiterschleppen, Ausgaben knapp halten. Bei eigenem Zugang kommt hinzu, dass bei Anthropic für die meisten Modelle nur ungecachte Eingabe-Token auf die Minutengrenze zählen – aus dem Cache gelesener Kontext zählt also nicht jedes Mal erneut gegen das Minutenkontingent.

  6. 6.

    Wiederholen mit System – und die Last verteilen

    Wenn wiederholt wird, dann nach den Regeln, die Google in seiner Fehlersuche aufschreibt: erst kurz warten, dann die Pause exponentiell verlängern, einen Zufallsversatz einstreuen, damit nicht alle gleichzeitig wieder anklopfen, und eine Obergrenze für die Versuche festlegen. Nur bei 429, 408 und 5xx wiederholen – bei 400 oder 403 nie, das sind eigene Fehler und keine Warteschlange. Eine mitgelieferte `retry-after`-Angabe hat immer Vorrang vor der eigenen Rechnerei. Und für das nächste Mal: Anthropic dokumentiert neben den Minutengrenzen noch Beschleunigungsgrenzen, die bei einem plötzlichen starken Anstieg der Nutzung greifen, und empfiehlt wörtlich, den Verkehr allmählich hochzufahren und gleichmäßig zu halten. Wer am Montagmorgen tausend Dokumente auf einmal durchjagt, den bremst nicht die Minutengrenze, sondern die Steigung.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ist der Dienst gerade ausgefallen, oder ist mein Rechner schuld?

Weder noch. Der Statuscode 429 bedeutet laut RFC 6585, Abschnitt 4, dass ein Nutzer in einem bestimmten Zeitraum zu viele Anfragen gesendet hat – eine bewusst gezogene Grenze, kein Defekt. Der Dienst antwortet, er antwortet sogar sehr schnell, und er sagt in derselben Antwort, was er von einem will. Ein Ausfall sähe anders aus: keine Antwort, Zeitüberschreitung, oder ein 503. Und der eigene Rechner hat mit der Sache nichts zu tun; Neustart, anderer Browser und frisches Profil ändern an einer serverseitigen Zählung genau nichts.

?Warum trifft es mich, obwohl ich nur eine einzige Frage gestellt habe?

Weil nicht nur Fragen gezählt werden, sondern auch deren Umfang. Anthropic misst Ratenbegrenzungen in Anfragen pro Minute (RPM), Eingabe-Token pro Minute (ITPM) und Ausgabe-Token pro Minute (OTPM); Google misst Anfragen pro Minute, Eingabe-Token pro Minute und Anfragen pro Tag und hält ausdrücklich fest, dass das Überschreiten einer einzigen dieser Größen den Fehler auslöst, auch wenn die anderen noch Luft haben. Ein einziges Gespräch mit einem sehr langen Anhang kann also die Token-Grenze sprengen, während der Anfragezähler bei eins steht. Bei Google kommt hinzu, dass pro Projekt gezählt wird und nicht pro Schlüssel: Ein zweiter API-Schlüssel im selben Projekt verschafft keinerlei zusätzliches Kontingent.

?Warum hilft Wiederholen mal sofort und mal überhaupt nicht?

Weil hinter demselben Code zwei verschiedene Wände stehen. Bei einer Ratenbegrenzung füllt sich das Kontingent laufend wieder auf, und die Antwort trägt eine `retry-after`-Kopfzeile mit der genauen Wartezeit – wer sie abwartet, kommt durch. Bei erreichter monatlicher Ausgabengrenze meldet Anthropic zwar denselben Fehlertyp `rate_limit_error` und denselben Code 429, liefert aber keine `retry-after`-Kopfzeile, und die Dokumentation stellt klar, dass Wiederholungen einschließlich der automatischen Wiederholungen der SDKs scheitern, bis der Zugriff zurückkehrt. Erkennbar ist der Fall am Kennzeichen `enforced_spend_limit_reached`. Eine selbst gesetzte Ausgabengrenze wiederum liefert bei Anthropic gar keinen 429, sondern einen 400 mit dem Typ `invalid_request_error` – die hebt man einfach selbst wieder an.

?Ich habe nichts geändert und plötzlich kommt der Fehler bei jedem zweiten Aufruf. Wieso?

Es muss sich nichts am eigenen Code geändert haben – es reicht, dass sich die Menge geändert hat. Anthropic beschreibt Beschleunigungsgrenzen, die greifen, wenn eine Organisation ihre Nutzung sprunghaft steigert, und rät dazu, den Verkehr allmählich hochzufahren und gleichmäßig zu halten. Dazu kommt, dass eine Minutengrenze in kürzeren Abschnitten durchgesetzt werden kann: 60 Anfragen pro Minute können faktisch eine Anfrage pro Sekunde bedeuten, sodass ein kurzer Stoß von zehn parallelen Aufrufen bereits abgewiesen wird, obwohl die Minute rein rechnerisch nicht voll ist. Und bei Google gibt es zusätzlich eine ausgabenbasierte Grenze in einem gleitenden Zehn-Minuten-Fenster, die ebenfalls mit 429 antwortet.

?Bringt es etwas, einfach ein zweites Konto oder einen zweiten Schlüssel zu nehmen?

Technisch meistens nicht, und wo es etwas bringt, ist es eine schlechte Idee. Google zählt Ratenbegrenzungen ausdrücklich pro Projekt und nicht pro API-Schlüssel – ein weiterer Schlüssel im selben Projekt teilt sich dasselbe Kontingent. Bei Anthropic gelten die Grenzen auf Ebene der Organisation, wobei Arbeitsbereiche darunter zusätzlich enger gestellt werden können; die Grenze der Organisation gilt aber immer, auch wenn die Arbeitsbereiche zusammen mehr ergäben. Der vorgesehene Weg ist stattdessen der Antrag auf höhere Grenzen beim Anbieter – der existiert genau für diesen Fall.

Belege

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SWLästig429 Too Many Requests

HTTP 429: Too Many Requests

Eine API antwortet mit 429? Du hast das Anfragelimit überschritten. Die Antwort sagt oft, wie lange du warten musst — Geduld und Backoff helfen.