Das Symptom
Kein Fehler, sondern eine Dauerbeschallung: Öffentliches WLAN sei brandgefährlich, Hacker läsen dort im Vorbeigehen die Bankdaten mit, und nur ein Abonnement für ein VPN könne davor schützen. Die Botschaft kommt aus jedem zweiten Werbeblock.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Diese Warnung war einmal richtig. Vor rund zehn Jahren lief ein großer Teil des Webs noch unverschlüsselt, und in einem offenen WLAN mitzulesen war tatsächlich trivial. Es gab sogar Browser-Erweiterungen, die fremde Sitzungen mit zwei Klicks übernahmen. Die Angst hatte handfeste Gründe.
Seitdem hat sich das Web grundlegend geändert. Praktisch jede Seite ist heute per HTTPS verschlüsselt, und diese Verschlüsselung besteht zwischen dem Browser und dem Zielserver – nicht zwischen Browser und Router. Das WLAN dazwischen transportiert also einen unlesbaren Datenstrom. Der Betreiber des Café-Netzes sieht, mit welchen Servern gesprochen wird. Er sieht nicht, was gesagt wird, und er sieht keine Passwörter. Die Werbung, die das Gegenteil behauptet, verkauft eine Bedrohung, die das Web weitgehend selbst gelöst hat.
Was ein VPN tatsächlich tut, ist ehrlicher und weniger spektakulär: Es verbirgt vor dem WLAN-Betreiber und dem Internetanbieter, welche Seiten man ansteuert. Diese Information sieht ab sofort der VPN-Anbieter. Man wird nicht unsichtbar, man wechselt den Zuschauer – und man sollte sich sehr genau überlegen, welchem der beiden man mehr vertraut. Ein kostenloser VPN-Dienst, der Server in aller Welt betreibt, finanziert sich schließlich irgendwie.
Die reale Gefahr im fremden Netz ist übrigens eine andere, und sie steht in keiner Werbung: die weggeklickte Zertifikatswarnung. Sie ist der einzige Weg, auf dem die Verschlüsselung tatsächlich fällt – und sie wird per Mausklick geöffnet. Von Layer 8.