Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Manche Webseiten laden nicht, andere problemlos

Einzelne Seiten hängen ewig, der Rest läuft? Eine zu große MTU und geblockte ICMP-Pakete lassen Datenpakete lautlos verschwinden.

Aufwand:
ca. 30 Min.
Voraussetzung:
Zugang zur Router-Oberfläche

Das Symptom

Das Internet funktioniert – meistens. Die Suchmaschine lädt sofort, kleine Seiten erscheinen ohne Verzögerung. Doch bestimmte Seiten bauen sich halb auf und hängen dann, ein Download bricht nach wenigen Sekunden ab, und eine bestimmte Anwendung im Firmen-VPN öffnet sich nie. Ein Geschwindigkeitstest zeigt volle Bandbreite. Der Neustart des Routers ändert nichts.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Irgendwo auf dem Weg gibt es einen Türrahmen, der niedriger ist, als dein Rechner glaubt. Jede Netzstrecke hat eine maximale Paketgröße. Trifft ein zu großes Paket auf einen zu engen Abschnitt, gibt es zwei Möglichkeiten: Es wird zerlegt, oder es wird verworfen. Beim Verwerfen soll der Absender eine höfliche Rückmeldung bekommen: zu groß, bitte kleiner. Diese Rückmeldung ist eine ICMP-Nachricht.

Und hier beginnt das Elend. Unzählige Firewalls blockieren ICMP pauschal, weil irgendein Ratgeber das einmal als sicher angepriesen hat. Damit verschwindet die Rückmeldung, der Absender ahnt nichts und schickt weiter Pakete, die niemand zustellt. Der Verbindungsaufbau gelingt, weil er mit winzigen Paketen auskommt. Erst wenn echte Daten fließen, verschwinden sie lautlos. Das ist der Grund für das absurde Muster: Die Seite antwortet, aber sie lädt nicht.

Bei DSL kommt eine hausgemachte Ursache dazu. Das Einwahlverfahren PPPoE nimmt sich acht Byte für seinen eigenen Kopf; statt 1500 trägt die Leitung nur 1492. Steht im Router die 1500, ist jedes volle Paket eines zu viel. Bei einem VPN schrumpft der Platz noch einmal. Der Fehler sitzt also nicht im Browser und nicht beim Anbieter der Webseite. Er sitzt in einer Zahl, die acht zu hoch ist.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Die passende Paketgröße ertasten

    Ein Ping mit gesetztem Nicht-fragmentieren-Bit zeigt, wie groß Pakete auf der Strecke sein dürfen. Unter Linux und macOS tastet man sich von oben heran; die Größe bezeichnet hier nur die Nutzlast, zu der noch achtundzwanzig Byte Kopfdaten kommen:

    ping -M do -s 1464 -c 2 1.1.1.1
    
  2. 2.

    Dasselbe unter Windows prüfen

    Unter Windows heißt die Option anders, das Prinzip ist identisch. Meldet der Befehl, das Paket müsse fragmentiert werden, ist die gewählte Größe zu groß:

    ping -f -l 1464 1.1.1.1
    
  3. 3.

    Den größten funktionierenden Wert suchen

    Den Wert schrittweise verringern, bis der Ping durchkommt. Zur gefundenen Nutzlast achtundzwanzig Byte addieren – das Ergebnis ist die tatsächliche maximale Paketgröße der Strecke.

  4. 4.

    Den Wert im Router eintragen

    Die ermittelte Größe in den Interneteinstellungen des Routers setzen. Bei DSL mit PPPoE ist 1492 der Normalfall, nicht 1500. Der Router gibt den Wert anschließend an alle Geräte weiter.

  5. 5.

    Bei VPN die MSS begrenzen

    Läuft der Verkehr durch ein VPN, kommt dessen Verpackung obendrauf. Viele Router und VPN-Dienste bieten deshalb eine Begrenzung der maximalen Segmentgröße, oft MSS Clamping genannt. Sie löst das Problem für alle Verbindungen, ohne dass an jedem Gerät geschraubt werden muss.

  6. 6.

    ICMP nicht pauschal blockieren

    Der eigentliche Übeltäter ist eine Firewall, die die Rückmeldung Fragmentierung erforderlich verschluckt. Ohne diese Meldung merkt der Absender nie, dass seine Pakete zu groß sind. Wer ICMP komplett sperrt, baut sich dieses Problem selbst.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum funktionieren kleine Seiten, große aber nicht?

Kleine Antworten passen in kleine Pakete und kommen durch. Erst wenn eine Antwort so groß wird, dass sie die maximale Paketgröße der Strecke überschreitet, muss unterwegs etwas passieren: fragmentieren oder verwerfen. Wird verworfen und die Rückmeldung darüber unterdrückt, wartet dein Rechner auf ein Paket, das nie kommt. Die Verbindung steht, die Seite bleibt weiß.

?Warum ist bei DSL oft 1492 statt 1500 die richtige Zahl?

Weil das eingesetzte Einwahlverfahren PPPoE für seinen eigenen Kopfteil acht Byte von der üblichen Paketgröße abzwackt. Aus 1500 werden 1492. Wer im Router 1500 stehen lässt, obwohl die Leitung nur 1492 trägt, produziert exakt dieses Fehlerbild. Bei einem VPN geht zusätzlich Platz für dessen Verpackung ab.

Belege

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