Das Foto verrät den Aufnahmeort: Metadaten in Bilddateien
Kamera und Telefon schreiben Ort und Zeitpunkt in die Bilddatei. Wer das Foto weitergibt, gibt beides mit. So siehst du nach und wirst es los.
Aufwand:
ca. 20 Min.
Voraussetzung:
exiv2 (Linux, macOS), Windows-Explorer, Fotos-App auf dem Telefon
Gilt für:
JPEG, PNG, WebP, HEIC, Android, iOS und iPadOS
Das Symptom
Ein Foto wird verschickt: die neue Wohnung, das Fahrrad im Verkaufsinserat, das Kind
im Garten. Auf dem Bild ist nichts Verräterisches zu sehen. Trotzdem weiß der
Empfänger anschließend, wann die Aufnahme entstand, mit welchem Telefon – und auf
ein paar Meter genau, wo.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Eine Bilddatei ist kein Bild. Sie ist ein Behälter, in dem neben den Bildpunkten ein
zweiter, unsichtbarer Datensatz liegt. Die Android-Dokumentation nennt ihn beim Namen
und beschreibt die Schnittstelle dafür schlicht als „a class for reading and writing
Exif tags in various image file formats“ – also als Werkzeug, das diese Angaben liest
und schreibt. Darin steht unter anderem GPSLatitude, GPSLongitude und
DateTimeOriginal. Das ist keine Panne und kein Angriff, sondern die dokumentierte
Bauweise seit Jahrzehnten: Die Kamera notiert brav, was sie weiß, damit die Fotos-App
später eine Karte zeichnen kann.
Der Layer-8-Anteil steckt in einer Annahme, die niemand je ausgesprochen hat: dass
eine Datei genau das enthält, was man auf dem Bildschirm sieht. Tut sie nicht. Beim
Weitergeben wandert der ganze Behälter mit, samt Beipackzettel. Wer ein
Verkaufsinserat mit einem Bild aus dem eigenen Wohnzimmer bestückt, verrät damit unter
Umständen die Adresse an jeden Interessenten – und das BSI zählt genau diese
Zurückhaltung zu den Grundregeln: „Löschen Sie mit entsprechenden Apps die Ortsangaben
aus den Metadaten der Fotos, die Sie ins Internet laden.“
Die gute Nachricht: Das Problem ist trivial lösbar, sobald man weiß, dass es existiert.
Nachsehen dauert eine Sekunde, Entfernen auch. Die schlechte: Man muss es bei jedem
Weg tun, den die Datei nimmt, und man muss es nachprüfen statt annehmen. Ein
Bildbearbeitungsprogramm, das die Daten manchmal entfernt und manchmal durchreicht,
ist keine Schutzmaßnahme, sondern ein Zufallsgenerator.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.
Erst einmal nachsehen, was wirklich in der Datei steht
Bevor irgendetwas entfernt wird, lohnt der Blick hinein. Das Kommandozeilenwerkzeug exiv2 zeigt alle gespeicherten Angaben an; die zweite Zeile filtert auf die Standortdaten. Unter Windows geht dasselbe ohne Zusatzprogramm über Rechtsklick auf die Datei, Eigenschaften, Reiter Details.
exiv2 -pa foto.jpg
exiv2 -g GPS -pa foto.jpg
2.
Beim Teilen den Standort weglassen
Der bequemste Weg ist der, bei dem die Originaldatei unangetastet bleibt. Auf dem iPhone lässt sich der Ort direkt am Bild ändern: Fotos öffnen, das Bild aufrufen, die Schaltfläche für weitere Optionen antippen, dann laut Apple „Tap Adjust Location, then tap No Location.“ In der Galerie unter Android findet sich beim Teilen eine entsprechende Option, den Standort nicht mitzugeben.
3.
Die Metadaten aus einer Kopie entfernen
Soll die Datei selbst sauber sein, hilft nur Löschen. Achtung: Der zweite Befehl entfernt den kompletten Exif-Block unwiederbringlich, also auch Aufnahmedatum, Kameramodell und Bildausrichtung. Deshalb zuerst kopieren und nur an der Kopie arbeiten.
Rechtsklick auf die Datei, Eigenschaften, Reiter Details, ganz unten der Punkt Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen. Dort lässt sich eine bereinigte Kopie anlegen oder gezielt einzelne Angaben löschen. Das ist der Weg für Leute, die kein Terminal öffnen wollen.
5.
Danach erneut nachsehen – und zwar an der Datei, die wirklich rausgeht
Ob eine Bildbearbeitung, ein Zuschneiden oder ein Umwandeln die Metadaten mitnimmt, verwirft oder sogar neu schreibt, hängt am jeweiligen Programm. Raten hilft hier nicht. Die einzige belastbare Antwort liefert der Blick in die fertige Datei – bei einer bereinigten Datei meldet exiv2 schlicht, dass keine Exif-Daten vorhanden sind.
exiv2 -pa foto-ohne-metadaten.jpg
6.
Die Kamera gar nicht erst orten lassen
Wer den Aufnahmeort grundsätzlich nicht braucht, schaltet ihn an der Wurzel ab. Apple beschreibt den Weg so: „Go to Settings > Privacy & Security > Location Services > Camera, then tap Never.“ Unter Android sitzt die entsprechende Berechtigung in den Einstellungen der Kamera-App. Danach entsteht das Problem für neue Aufnahmen nicht mehr – die alten Bilder bleiben davon unberührt.
Häufige Fragen (FAQ)
?Was steht denn überhaupt in so einer Bilddatei?
Neben dem eigentlichen Bild ein ganzer Block sogenannter Exif-Angaben. Die Android-Dokumentation der Klasse ExifInterface listet sie einzeln auf: GPSLatitude („Indicates the latitude.“), GPSLongitude („Indicates the longitude.“), dazu GPSAltitude, GPSImgDirection für die Blickrichtung und DateTimeOriginal („The date and time when the original image data was generated.“). Das BSI beschreibt dasselbe allgemeinverständlich: Metadaten sind „alle Informationen (Datum, Ort der Aufnahme etc.), die zusätzlich zum Foto automatisch von Ihrem Gerät bei der Aufnahme gespeichert werden“. Hinzu kommen Hersteller und Modell des Geräts sowie oft ein kleines Vorschaubild.
?Ich habe der Kamera nie Zugriff auf den Standort gegeben – reicht das?
Für die Koordinaten ja. Apple formuliert es eindeutig: „Location metadata in photos and videos can be collected only if your Camera app has access to Location Services.“ Ohne diese Berechtigung landen keine Koordinaten in der Datei. Zeitpunkt, Gerätemodell und Aufnahmeeinstellungen stehen trotzdem drin – wer wirklich nichts weitergeben will, muss die Metadaten entfernen und nicht nur die Ortung abschalten.
?Entfernen soziale Netzwerke die Daten beim Hochladen nicht ohnehin?
Manche Dienste verarbeiten Bilder beim Hochladen neu und verlieren die Metadaten dabei, andere reichen die Datei weiter, wie sie ist – und bei einem Anhang in einer Mail oder einer Datei in einer Cloud-Freigabe passiert ohnehin nichts davon. Das BSI empfiehlt deshalb, es selbst zu tun: „Löschen Sie mit entsprechenden Apps die Ortsangaben aus den Metadaten der Fotos, die Sie ins Internet laden.“ Verlassen sollte man sich auf niemanden, den man nicht nachprüfen kann – und nachprüfen kann man es mit Schritt 1.
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