Das Symptom
Die App für Kopfhörer, Fitnessarmband, Wallbox, Messgerät oder Lautsprecher fragt beim Einrichten nach dem Standort. Der Mensch hält das für Schnüffelei, lehnt ab, und die App findet danach kein einziges Gerät, obwohl das Handy es in den Bluetooth-Einstellungen längst sieht. Er glaubt an einen Defekt des Zubehörs oder an eine unseriöse App und lässt schlechte Bewertungen da. Auf neueren Handys kommt eine zweite Verwirrung dazu: Dort fragt dieselbe App plötzlich nach Geräten in der Nähe, und auch das wird reflexartig abgelehnt.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Google erklärt in der Dokumentation der Bluetooth-Berechtigungen den Grund: Für Apps, die auf Android 11 oder älter zielen, gilt „ACCESS_FINE_LOCATION is necessary because, on Android 11 and lower, a Bluetooth scan could potentially be used to gather information about the location of the user.“ Die Berechtigung heißt also Standort, weil das System sie so einsortiert, nicht weil die Kopfhörer-App navigieren will. Aus einem Bluetooth-Scan lässt sich potenziell ableiten, wo jemand ist, und deshalb hat Android die Suche jahrelang unter den Standort gestellt.
Ab Android 12 sind die Bluetooth-Rechte davon getrennt. Fordert eine App die neuen Berechtigungen für Suche, Verbindung oder Sichtbarkeit an, gilt: „When your app requests at least one of these permissions, the system prompts the user to allow your app to access Nearby devices, as shown in figure 1.“ Die Freigabe Geräte in der Nähe enthält keinen Standortzugriff. Für WLAN-Geräte wie Drucker oder Cast-Empfänger zieht Android 13 nach, und Google begründet das ausdrücklich: „Because it’s difficult for users to associate location permissions with Wi-Fi functionality, Android 13 (API level 33) introduces a runtime permission in the NEARBY_DEVICES permission group for apps that manage a device’s connections to nearby access points over Wi-Fi.“
Eine ältere App, die noch auf Android 11 zielt, fragt auch auf neuen Geräten weiter nach dem Standort; das Update im Store ist dann der erste Schritt. Und ein Nebeneffekt der neuen Ehrlichkeit steht ebenfalls in der Dokumentation: Apps, die erklären, aus Bluetooth keinen Standort abzuleiten, bekommen manche Beacons nicht mehr zu sehen. „If you include neverForLocation in your android:usesPermissionFlags, some BLE beacons are filtered from the scan results.“ Findet eine App ein Zubehör trotz Freigabe nicht, kann das die Ursache sein.
Die Abfrage war nie ein Zeichen für Schnüffelei, sondern für eine Einsortierung, die Google selbst als schwer verständlich bezeichnet und seit Android 12 schrittweise auflöst. Wer heute nach Geräten in der Nähe gefragt wird, sieht die Frage, die die ganze Zeit gemeint war.