Im Mehrfamilienhaus bricht das WLAN abends ein? Bei 2,4 GHz überlappen sich fast alle Kanäle. Nur drei sind wirklich frei von Überlappung.
Aufwand:
ca. 30 Min.
Voraussetzung:
Zugang zur Router-Oberfläche
Das Symptom
Abends bricht das WLAN ein. Videos stocken, Videotelefonate frieren ein, und der
Speedtest zeigt einen Bruchteil dessen, was tagsüber ankommt. Der Router steht zwei Meter
entfernt, das Signal ist voll. Ein Scan zeigt: zwölf fremde Netze in Reichweite.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Volle Balken bedeuten, dass Ihr Signal stark ankommt. Sie bedeuten nicht, dass es
verstanden wird.
Funk ist ein geteiltes Medium. In einem Frequenzbereich kann zu einem Zeitpunkt immer nur
einer sprechen – wie in einem Raum voller Menschen. Und das 2,4-GHz-Band ist ein sehr
kleiner Raum: Es hat in Europa dreizehn Kanäle, aber die liegen nur fünf Megahertz
auseinander, während ein WLAN etwa zwanzig Megahertz breit sendet. Jeder Kanal ragt also
tief in seine Nachbarn hinein. Von dreizehn Kanälen sind in Wahrheit nur drei wirklich
überlappungsfrei: 1, 6 und 11.
Damit wird der beliebteste Optimierungsversuch zum Eigentor. Man sieht, dass die Nachbarn
auf 1, 6 und 11 sitzen, wählt den „freien“ Kanal 4 – und stört damit gleichzeitig die
Netze auf 1 und auf 6. Schlimmer noch: Man wird von ihnen gestört, ohne dass es einer der
Beteiligten merkt. Denn zwei Netze auf demselben Kanal verhalten sich höflich: Sie
hören einander, warten ab, teilen sich die Zeit. Zwei Netze auf überlappenden Kanälen
hören sich nur als Rauschen und senden ungerührt gleichzeitig.
Der scheinbar leere Kanal ist deshalb fast immer die schlechtere Wahl. Zusammen mit den
Nachbarn auf Kanal 6 zu sitzen ist unangenehm – gegen sie zu funken ist ruinös.
Die echte, verifizierte Lösung
1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:
1.
Die Lage aufnehmen
Eine WLAN-Analyse-App auf dem Handy zeigt alle Netze in Reichweite samt Kanal und Signalstärke. Erst damit sieht man, was tatsächlich los ist – statt zu raten. Im Mehrfamilienhaus sind zwölf oder mehr Netze völlig normal.
2.
Die Kanal-Wahrheit verstehen
Im 2,4-GHz-Band liegen die Kanäle nur 5 MHz auseinander, ein Netz belegt aber rund 20 MHz. Jeder Kanal überlappt daher mit seinen Nachbarn. Nur 1, 6 und 11 überlappen einander nicht. Alle anderen sind keine Ausweichmöglichkeit, sondern eine zusätzliche Störquelle für zwei fremde Netze.
3.
Auf 1, 6 oder 11 gehen – nicht dazwischen
Wählen Sie im Router einen dieser drei Kanäle, und zwar den, auf dem die Nachbarn das schwächste Signal haben. Der scheinbar clevere Ausweichkanal 3 oder 9 macht die Sache messbar schlechter: Er stört gleich zwei der drei sauberen Kanäle.
4.
Auf demselben Kanal ist besser als daneben
Das klingt falsch und ist richtig: Zwei Netze auf demselben Kanal erkennen einander und teilen sich die Sendezeit ordentlich auf. Zwei Netze auf überlappenden Kanälen hören sich nur als Rauschen und senden gleichzeitig – das Ergebnis sind Fehler und Wiederholungen.
5.
Die Kanalbreite begrenzen
Steht der Router im 2,4-GHz-Band auf 40 MHz Kanalbreite, belegt er den halben Frequenzbereich und stört praktisch jeden. In dicht besiedelten Lagen gehört er auf 20 MHz. Man verliert theoretische Spitzenrate und gewinnt echte Stabilität.
6.
Alles Schnelle auf 5 GHz verlagern
Die dauerhafte Lösung ist ein Umzug: Laptop, Fernseher und Handy ins 5-GHz-Band, das 2,4-GHz-Band den Geräten überlassen, die nichts anderes können – Smart-Home-Zubehör und alte Drucker. Damit ist der Streit um die drei Kanäle beendet, weil kaum noch jemand mitstreitet.
Häufige Fragen (FAQ)
?Warum gibt es 13 Kanäle, wenn nur drei nutzbar sind?
Weil die Kanäle im 2,4-GHz-Band nur 5 MHz auseinanderliegen, ein WLAN aber rund 20 MHz breit sendet. Ein Kanal überlappt damit seine vier Nachbarn zu beiden Seiten. Nur die Kanäle 1, 6 und 11 liegen weit genug auseinander, um sich nicht ins Gehege zu kommen. Die anderen zehn sind keine Alternativen, sondern Störquellen.
?Ist ein freier Kanal besser als ein belegter?
Erstaunlicherweise oft nicht. Zwei Netze auf demselben Kanal sind höflich zueinander: Sie hören sich gegenseitig und warten ab. Zwei Netze auf teilweise überlappenden Kanälen hören sich nur als Rauschen – und senden gnadenlos gleichzeitig. Kanal 6 mit drei Nachbarn ist meist besser als Kanal 4 ganz allein.
?Löst der Wechsel auf 5 GHz das Problem endgültig?
Weitgehend, ja. Dort gibt es deutlich mehr überlappungsfreie Kanäle, und weil die Reichweite geringer ist, stören die Nachbarn schlicht seltener. Der Preis ist genau diese geringere Reichweite: durch massive Wände kommt 5 GHz schlechter. Für Geräte im selben oder angrenzenden Raum ist es fast immer die bessere Wahl.
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