Layer 8Ehrlicher Tech-Support

Die Sicherung liegt auf derselben Platte

Ein Sicherungsordner auf demselben Laufwerk überlebt keinen Plattendefekt. Apple und das BSI verlangen beide ausdrücklich ein getrenntes Medium.

Aufwand:
ca. 45 Min.
Voraussetzung:
Ein externer Datenträger oder ein Netzspeicher, Die Sicherungsfunktion des Betriebssystems
Gilt für:
Windows, macOS mit Time Machine, Linux, NAS und externe Laufwerke

Das Symptom

Die Sicherung lief seit Jahren, jede Woche, brav und unbemerkt. Dann fällt die Festplatte aus – und mit ihr verschwindet nicht nur der Arbeitsordner, sondern auch der Ordner daneben, in dem die Sicherung lag. Manchmal ist es eine zweite Partition, manchmal ein Ordner namens Backup direkt auf C:, manchmal ein Zeitmaschinen-Schnappschuss. Das Ergebnis ist dasselbe: Es gibt keine Kopie mehr, die man zurückspielen könnte.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Der Denkfehler steckt in einem einzigen Wort, das zwei völlig verschiedene Dinge meint: Kopie. Eine zweite Datei auf demselben Datenträger ist eine Kopie im Sinne des Dateimanagers – zwei Einträge, zwei Namen, doppelter Platzverbrauch. Sie ist keine Kopie im Sinne einer Datensicherung, denn eine Datensicherung ist nicht als Antwort auf gelöschte Dateien gebaut, sondern als Antwort auf ein verschwundenes Gerät.

Ein Datenträger fällt selten teilweise aus. Er fällt als Ganzes aus. Die Elektronik brennt durch, der Controller der SSD nimmt keine Befehle mehr an, der Schreib-Lese-Kopf setzt auf, der Anschluss bricht ab, das Netzteil schickt eine Überspannung durch. In jedem dieser Fälle ist die Partitionierung ohne jede Bedeutung: Partitionen sind eine Vereinbarung darüber, wie das Gerät seine Blöcke einteilt, und diese Vereinbarung steht auf demselben Gerät. Deshalb formuliert das BSI seine Anforderung nicht über Ordner oder Laufwerksbuchstaben, sondern über Medien: Datensicherungen müssen immer auf separaten Speichermedien gespeichert werden, und diese Medien müssen räumlich getrennt vom gesicherten System aufbewahrt werden, nach Möglichkeit sogar in einem anderen Brandabschnitt.

Besonders lehrreich ist der Fall Time Machine, weil hier ausnahmsweise der Hersteller selbst die Falle beschreibt, in die man tappen kann. macOS legt auf Systemen mit APFS stündlich lokale Schnappschüsse an. Die sind praktisch, sie brauchen kaum Platz, und sie holen ein versehentlich überschriebenes Dokument in Sekunden zurück. Apple schreibt aber im selben Atemzug dazu, wo diese Schnappschüsse liegen: auf derselben Platte wie die Originaldateien, aufbewahrt für bis zu 24 Stunden oder bis der Platz gebraucht wird. Und daraus zieht Apple selbst die Empfehlung, die Dateien zusätzlich an einem anderen Ort als der internen Platte zu sichern, damit sich bei einem Schaden an der Platte oder am Mac das ganze System auf ein anderes Gerät zurückholen lässt. Wer nur die Schnappschüsse hat, hat eine Rückgängig-Funktion mit 24 Stunden Reichweite – und das ist etwas anderes als eine Sicherung.

Die zweite Hälfte des Problems betrifft die Leute, die den ersten Teil schon verstanden haben und deshalb eine externe Platte gekauft haben, die seither dauerhaft am Rechner hängt. Ein permanent verbundenes, frei beschreibbares Laufwerk teilt sein Schicksal mit dem Rechner bei fast allem, was nicht der reine Hardwaredefekt ist: Ein Verschlüsselungstrojaner verschlüsselt es mit, ein falscher Löschbefehl trifft es mit, eine Überspannung über dasselbe Netzteil erwischt es mit. Das BSI verlangt deshalb ausdrücklich sicherzustellen, dass Datensicherungen nicht absichtlich oder unbeabsichtigt überschrieben werden können, und nennt für kleinere Umgebungen den einfachen Weg: das Medium nur während der Sicherung verbinden. Für einen Haushalt heißt das eine externe Platte, die nach dem Sichern wieder abgezogen wird und im Idealfall nicht im selben Zimmer liegt. Das klingt nach 1995 und ist trotzdem die wirksamste Maßnahme in diesem ganzen Text.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Zuerst nachsehen, wo die Sicherung wirklich liegt

    Die Frage ist nicht, welchen Buchstaben oder Namen das Ziel trägt, sondern auf welchem physischen Gerät es liegt. Unter Linux zeigt lsblk die Schichtung: Alles, was unter demselben Eintrag vom Typ disk eingerückt steht, liegt auf einer einzigen Hardware. Unter Windows leistet die Datenträgerverwaltung dasselbe, unter macOS das Festplattendienstprogramm. Sehr oft endet die Prüfung schon hier.

    lsblk -o NAME,TYPE,SIZE,MOUNTPOINTS
    
  2. 2.

    Den Unterschied zwischen Partition und Medium ernst nehmen

    Eine Partition schützt gegen genau eine Sorte Fehler: das versehentliche Löschen einer Datei. Gegen alles, was das Gerät selbst betrifft – Ausfall der Elektronik, Mechanik, Controller, Netzteilschaden, Diebstahl, Feuer –, schützt sie überhaupt nicht. Das BSI zählt genau diese Ursachen auf: Daten können durch Schadsoftware, technische Fehlfunktionen oder einen Brand verloren gehen, aber auch, wenn Mitarbeitende sie absichtlich oder unabsichtlich löschen.

  3. 3.

    Ein zweites, physisch getrenntes Ziel einrichten

    Eine externe Festplatte, eine SSD im Gehäuse oder ein Netzspeicher. Bei Time Machine heißt der Schritt schlicht, eine Sicherungsfestplatte hinzuzufügen; unter Windows übernimmt das der Dateiversionsverlauf oder ein Sicherungsprogramm. Wichtig ist nur die eine Eigenschaft: Wenn der Rechner morgen komplett ausfällt, muss das Ziel davon unberührt bleiben.

  4. 4.

    Die Sicherung nicht dauerhaft verbunden lassen

    Das Medium gehört nur während der Sicherung an den Rechner, oder es gehört so eingerichtet, dass der Rechner darauf nicht frei schreiben darf. Das BSI nennt beide Wege ausdrücklich: entweder schreibender Zugriff nur für autorisierte Sicherungen, oder das Medium wird nur für die Sicherung verbunden. Für einen Privathaushalt ist die zweite Variante die einfachere und die wirksamere.

  5. 5.

    Bei wirklich wichtigen Daten eine Kopie außer Haus geben

    Das BSI verlangt für die Aufbewahrung räumliche Trennung vom gesicherten System, nach Möglichkeit in einem anderen Brandabschnitt. Übersetzt in den Alltag: Eine zweite Platte im selben Schreibtisch überlebt einen Wohnungsbrand oder einen Einbruch genauso wenig wie der Rechner daneben. Eine Platte bei Verwandten, im Büro oder in einem Bankschließfach ist die billigste Versicherung, die es gibt.

  6. 6.

    Mehrere Stände aufbewahren, nicht nur den letzten

    Eine Sicherung, die immer nur den aktuellen Zustand spiegelt, hilft nicht gegen einen Schaden, der unbemerkt bleibt. Wird eine Datei am Montag beschädigt und fällt es erst am Freitag auf, braucht es den Stand von Sonntag. Wer nur überschreibt, hat den Schaden mitgesichert.

  7. 7.

    Zum Schluss prüfen, ob sich wirklich etwas zurückholen lässt

    Die Einrichtung ist erst fertig, wenn einmal eine Datei aus der Sicherung zurückgeholt wurde. Ohne diesen Versuch ist unbekannt, ob die Sicherung überhaupt lesbar ist – und der schlechteste Zeitpunkt, das herauszufinden, ist der Ernstfall.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ich habe eine zweite Partition D: nur für Sicherungen. Reicht das nicht?

Nein. Eine Partition ist eine Einteilung, kein zweiter Datenträger. Fällt die Elektronik aus, stirbt der Schreib-Lese-Kopf oder gibt der Controller einer SSD auf, dann sind C: und D: im selben Moment weg – sie lagen immer auf demselben Stück Hardware. Das BSI formuliert das als Muss-Anforderung: Datensicherungen müssen immer auf separaten Speichermedien für die Datensicherung gespeichert werden. Separates Medium heißt separates Gerät, nicht separater Laufwerksbuchstabe.

?Mein Mac macht doch stündlich Schnappschüsse. Ist das nicht schon eine Sicherung?

Apple selbst sagt Nein, und zwar in derselben Anleitung, in der die Schnappschüsse beschrieben werden. Time Machine legt lokale Schnappschüsse an, die stündlich entstehen, auf derselben Platte wie die Originaldateien liegen und bis zu 24 Stunden aufbewahrt werden. Genau deshalb empfiehlt Apple im nächsten Absatz, die Dateien an einem anderen Ort als der internen Platte zu sichern – damit sich das System bei einem Schaden an der internen Platte oder am Mac auf ein anderes Gerät zurückholen lässt. Der Schnappschuss rettet ein versehentlich überschriebenes Dokument. Er rettet keinen Plattendefekt.

?Und wenn die externe Platte dauerhaft angesteckt bleibt?

Dann ist ein großer Teil des Schutzes wieder weg. Ein dauerhaft verbundenes und beschreibbares Laufwerk wird von einem Verschlüsselungstrojaner mitverschlüsselt und von einem versehentlichen Löschbefehl mitgelöscht. Das BSI verlangt deshalb ausdrücklich, dass sichergestellt sein muss, dass Datensicherungen nicht absichtlich oder unbeabsichtigt überschrieben werden können, und nennt als Weg für kleinere Lösungen, die Medien nur während der Sicherung mit dem System zu verbinden.

Belege

Diese Seite ist gegen die folgenden Primärquellen geprüft – Hersteller, Standard oder Gesetzestext. Wer es nicht glaubt, muss es nicht: Da steht, wo es nachzulesen ist.

Zuletzt geprüft am . Dokumentation altert – ein Datum daneben ist der einzige ehrliche Umgang damit.

Verwandte Fehler

SWSystemzerstörend

Versehentlich formatiert statt kopiert

Eine Schnellformatierung löscht die Dateitabelle, nicht die Daten. Entscheidend ist jetzt, nichts mehr auf den Datenträger zu schreiben.

SWSystemzerstörend

RAID ist kein Backup

Der RAID-Verbund lief, trotzdem sind die Daten weg. RAID schützt vor Plattenausfall – nicht vor Löschen, Verschlüsselung oder Feuer.

OSLästig

macOS: Ihr Startvolume ist fast voll

macOS warnt 'Ihr Startvolume ist fast voll'? So findest du die echten Speicherfresser – Caches, Snapshots, alte Backups – und gibst dauerhaft Platz frei.

OSLästig

Mac: Systemdaten belegen zig Gigabyte

Der Punkt Systemdaten frisst den halben Speicher? Vieles davon ist auslagerbarer Ballast — Caches und Snapshots, die sich gefahrlos lösen lassen.