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Passkeys: Anmelden ohne Passwort, richtig verstanden

Ein Passkey ist kein gespeichertes Passwort, sondern ein Schlüsselpaar. Warum das Phishing strukturell aushebelt und was beim Geräteverlust gilt.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Voraussetzung:
Smartphone, Rechner oder Sicherheitsschlüssel, Zugang zu den Kontoeinstellungen
Gilt für:
Dienste mit Passkey- bzw. FIDO2-Unterstützung

Das Symptom

Beim Anmelden fragt der Dienst plötzlich nicht mehr nach dem Passwort, sondern will einen Fingerabdruck oder eine Gesichtserkennung – und bietet an, das Passwort gleich ganz abzuschaffen. Das wirkt gleichzeitig zu bequem und zu riskant: Wenn das Handy weg ist, ist dann alles weg? Und gibt man damit nicht gerade seinen Fingerabdruck an einen Onlinedienst? Also klickt man auf „später“ und bleibt beim Passwort, das man seit Jahren kennt.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Der Begriff führt in die Irre, weil er nach „Passwort“ klingt. Ein Passkey ist kein besser verstecktes Geheimnis, sondern ein Schlüsselpaar: Dein Gerät erzeugt bei der Registrierung einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel, der öffentliche geht an den Dienst, der private bleibt laut BSI beim Nutzer und wird nicht versendet oder offengelegt. Beim Login schickt die Webseite eine Zufallszahl, dein Gerät signiert sie, fertig. Es gibt damit nichts mehr, was du weitergeben könntest – auch nicht versehentlich, auch nicht an eine überzeugend gebaute Fälschung. Und die Biometrie geht nirgendwohin: Der Fingerabdruck wird laut BSI nur gegenüber dem eigenen Authentikator präsentiert und muss beim Dienst nicht hinterlegt werden.

Der eigentliche Fortschritt liegt aber in einer Kleinigkeit, die man beim ersten Hinsehen übersieht: Der Schlüssel weiß, zu welcher Webseite er gehört. Das BSI beschreibt, dass der Client bei jedem Anmeldeversuch prüft, ob die Webseite auch diejenige ist, für die sie sich ausgibt, und dass ein Passkey deshalb nur für den einen, korrekten Zugang genutzt werden kann; die WebAuthn-Spezifikation des W3C hält dieselbe Bindung an die Origin der Relying Party fest und schreibt vor, dass Browser und Authentikator sie gemeinsam durchsetzen. Damit wandert die Erkennungsleistung, die bisher der Mensch erbringen musste – ist das wirklich meine Bank? – in eine Zeichenkettenprüfung, die eine Maschine perfekt und gelangweilt millionenfach richtig macht. Phishing scheitert hier nicht daran, dass du aufmerksam warst, sondern daran, dass auf der falschen Domain nichts passiert. Das ist der Unterschied zwischen einer Warnung und einer Sperre.

Bleibt die berechtigte Sorge um das verlorene Gerät – und die ist kein Gegenargument, sondern eine Aufgabe: einen zweiten Passkey registrieren oder die Synchronisierung bewusst wählen, bevor man das Passwort abschafft. Wer das vorher klärt, tauscht ein Geheimnis, das man verraten kann, gegen einen Schlüssel, den man verlegen kann. Verlegte Schlüssel lassen sich duplizieren, verratene Geheimnisse nicht zurückholen.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Den Begriff einordnen, bevor man etwas umstellt

    Ein Passkey ersetzt das Passwort, nicht nur den zweiten Faktor. Statt eines Geheimnisses, das du kennst und eintippst, verwaltet dein Gerät ein Schlüsselpaar. Beim Login sendet die Webseite laut BSI eine Nachricht mit einer kryptografischen Challenge – praktisch eine hinreichend große Zufallszahl –, und der Authentikator antwortet mit einer Signatur darüber. Du selbst bestätigst nur, wer sich anmeldet, etwa per Fingerabdruck oder Gesichtsscan.

  2. 2.

    Mit einem Konto anfangen, das nicht das wichtigste ist

    Passkeys sind einfach, aber der erste Durchlauf klärt Fragen, die man nicht beim E-Mail-Konto klären will: Wo landet der Schlüssel, welches Gerät fragt beim nächsten Mal, wie sieht der Anmeldedialog aus. Ein Nebenkonto als Testlauf kostet fünf Minuten und erspart die Panik am Zugang, über den alle anderen zurückgesetzt werden.

  3. 3.

    Vor der Umstellung den Wiederherstellungsweg klären

    Das ist der Schritt, den fast alle überspringen. Nach dem BSI ist die Wiederherstellung nach Geräteverlust nur über lokale Backups oder über in die Cloud synchronisierte Passkeys möglich. Also vorher entscheiden: synchronisiert im Schlüsselbund beziehungsweise Passwortmanager – dann muss dieses Konto selbst hart abgesichert sein –, oder gerätegebunden mit einem zweiten registrierten Gerät als Ersatz.

  4. 4.

    Einen zweiten Passkey oder Sicherheitsschlüssel registrieren

    Die meisten Dienste erlauben mehrere Passkeys pro Konto. Genau dafür ist das da: ein zweites Gerät oder ein Hardware-Sicherheitsschlüssel, der an einem anderen Ort liegt. Ein einziger Schlüssel auf einem einzigen Gerät ist derselbe Fehler wie ein einziger Wohnungsschlüssel ohne Zweitschlüssel – nur dass die Tür hier vom Anbieter aufgemacht werden müsste, was mühsam bis unmöglich ist.

  5. 5.

    Das alte Passwort nicht stillschweigend liegen lassen

    Solange das Passwort im Konto aktiv bleibt, existiert der alte, phishbare Anmeldeweg weiter, und die strukturelle Verbesserung ist zum Teil dahin. Wo der Dienst es zulässt, das Passwort nach der Umstellung entfernen. Wo nicht, ein langes, einmaliges Passwort im Passwortmanager hinterlassen und den zweiten Faktor aktiv halten – die Angreifer suchen den schwächsten Weg, nicht den, den du gerade eingerichtet hast.

  6. 6.

    Die geräteübergreifende Anmeldung einmal ausprobieren

    Wer am Rechner sitzt, dessen Passkey aber auf dem Telefon liegt, scannt laut BSI einen QR-Code und bestätigt den Login so, als würde er sich auf dem Handy anmelden, zum Beispiel per Fingerabdruck. Das einmal in Ruhe durchzuspielen lohnt sich, denn im Ernstfall an einem fremden Rechner sucht man diesen Ablauf sonst unter Zeitdruck.

Häufige Fragen (FAQ)

?Ist der Passkey nicht einfach mein Fingerabdruck als Passwort?

Nein, und das ist der häufigste Denkfehler. Der Fingerabdruck ist nur die Freigabe für dein eigenes Gerät, nicht das Anmeldemerkmal gegenüber dem Dienst. Das BSI beschreibt es so: Der zweite Faktor werde lediglich gegenüber dem Authentikator präsentiert, er müsse insbesondere nicht bei den Onlinediensten hinterlegt werden. Der Dienst bekommt also weder deinen Fingerabdruck noch dein Gesicht, sondern nur eine Signatur, die dein Gerät erzeugt hat. Wer keine Biometrie mag, kann die Freigabe je nach Gerät auch per Geräte-PIN erledigen – am Verfahren ändert das nichts.

?Was genau ist dann auf meinem Gerät gespeichert?

Ein privater Schlüssel, und beim Dienst liegt der passende öffentliche. Das BSI: Bei der Registrierung erzeuge der Authentikator ein neues Schlüsselpaar, der private Schlüssel werde sicher verwahrt, während der öffentliche Schlüssel der Webseite zur Verfügung gestellt wird – und weiter: Der private Schlüssel verbleibe beim Nutzer und werde nicht etwa versendet oder offengelegt. Praktische Folge: Wird der Dienst gehackt, erbeuten die Angreifer öffentliche Schlüssel. Damit lässt sich nichts anfangen, denn sie sind zum Prüfen da, nicht zum Anmelden.

?Warum hilft das gegen Phishing, wenn ich mich doch trotzdem täuschen lasse?

Weil die Prüfung nicht bei dir liegt, sondern beim Gerät. Das BSI schreibt, der Client prüfe sowohl bei der Registrierung als auch bei jedem Anmeldeversuch, ob die Webseite auch diejenige ist, für die sie sich ausgibt – auf diese Weise könne ein Passkey nur für den einen, korrekten Zugang genutzt werden. Die WebAuthn-Spezifikation des W3C formuliert dieselbe Eigenschaft: Auf ein Credential könne anschließend nur von Origins zugegriffen werden, die zu dieser Relying Party gehören; diese Bindung werde gemeinsam von Browser und Authentikator durchgesetzt. Auf der Fälschung passiert also schlicht nichts – es gibt dort nichts zum Herausgeben.

?Und wenn ich mein Handy verliere, bin ich dann ausgesperrt?

Das hängt davon ab, wie eingerichtet wurde – und deshalb gehört diese Frage vor die Umstellung, nicht danach. Das BSI: Falls das Gerät verloren gegangen ist oder gestohlen wurde, könne man seine Zugänge dann wiederherstellen, wenn man entweder lokale Backups angelegt hat oder wenn die Passkeys in einer Cloud synchronisiert werden. Wer synchronisierte Passkeys nutzt, hängt damit alles am Konto des Anbieters – das gehört entsprechend abgesichert. Wer gerätegebundene Schlüssel bevorzugt, braucht einen zweiten registrierten Schlüssel oder aufbewahrte Wiederherstellungscodes.

?Bin ich damit an Apple oder Google gefesselt?

Das Verfahren selbst ist ein offener Standard: FIDO2 wurde laut BSI gemeinsam von der FIDO-Allianz und dem W3C entwickelt, die Browserseite steht als WebAuthn beim W3C. Gefesselt wird man nicht durch den Standard, sondern durch die Wahl des Speicherorts – wenn alle Passkeys ausschließlich im Schlüsselbund eines einzigen Anbieters liegen. Wer das nicht will, legt seine Passkeys in einen plattformübergreifenden Passwortmanager oder registriert zusätzlich einen eigenen Sicherheitsschlüssel.

Belege

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