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Cloud-Synchronisierung ist keine Datensicherung

Was auf einem Gerät gelöscht wird, ist überall gelöscht. Der Papierkorb der Cloud ist eine Frist von Tagen, keine Sicherung.

Aufwand:
ca. 40 Min.
Voraussetzung:
Ein externer Datenträger für eine echte Sicherung, Zugang zu den Einstellungen des Cloud-Kontos
Gilt für:
iCloud, OneDrive, Google Drive, Dropbox und vergleichbare Dienste

Das Symptom

Ein Ordner ist verschwunden. Auf dem Rechner, auf dem Telefon, auf dem Tablet und im Webzugang des Anbieters – überall gleichzeitig. Manchmal hat jemand am Handy aufgeräumt, manchmal hat eine App im Hintergrund etwas gelöscht, manchmal hat ein Verschlüsselungstrojaner die Dateien auf dem Rechner überschrieben und der Synchronisierungsdienst hat die kaputten Fassungen gehorsam nach oben getragen. Die verbreitete Reaktion lautet: Aber ich habe doch alles in der Cloud.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Das stimmt. Nur ist eine Cloud in diesem Fall kein Tresor, sondern ein Spiegel. Ein Synchronisierungsdienst hat genau eine Aufgabe: dafür zu sorgen, dass alle Geräte denselben Stand sehen. Apple beschreibt das Prinzip in einem einzigen Satz, den man sich gut merken kann – weil die Informationen in der Cloud liegen, sieht man eine Änderung, die man an einer Stelle macht, überall. Der Satz verspricht nichts über Sicherheit. Er beschreibt eine Übertragung, und Übertragungen sind richtungsblind. Löschen ist eine Änderung wie jede andere.

Apple sagt die Konsequenz für Fotos so deutlich, wie man es sich wünscht: Wird ein Foto oder Video auf iCloud.com gelöscht, ist es zugleich auf allen Geräten gelöscht, auf denen iCloud-Fotos eingeschaltet ist. Und für geteilte Alben und Mediatheken gilt dasselbe für alle Mitglieder. Genau hier zerbricht die Vorstellung, das Hochladen sei schon das Sichern gewesen: Was hochgeladen wurde, ist nicht eine zweite, unabhängige Fassung, sondern dieselbe Datei aus einer anderen Blickrichtung.

Bleibt der Papierkorb, auf den sich die meisten stillschweigend verlassen. Er existiert, er hilft, und er hat eine Uhr. Apple nennt für gelöschte Fotos 30 Tage bis zur endgültigen Löschung. Das ist ein anständiger Puffer für den Fall, dass man den Fehler sofort bemerkt – und praktisch wertlos für den Ordner mit den Steuerunterlagen, den man einmal im Jahr öffnet. Eine Sicherung unterscheidet sich vom Papierkorb genau in diesem Punkt: Sie fragt nicht, wie schnell jemand etwas gemerkt hat.

Der zweite blinde Fleck ist das Überschreiben, und dagegen hilft kein Papierkorb, sondern nur eine Versionshistorie. Das BSI beschreibt diesen Fall präzise: Bietet ein Anbieter keine Versionierung, wird die ältere Datei ohne zusätzliche Rückfrage überschrieben und steht für eine Rücksicherung nicht mehr zur Verfügung. Genau das passiert bei einem Verschlüsselungstrojaner im großen Stil – er überschreibt, er löscht nicht, und der Synchronisierungsdienst hält alle Geräte brav auf dem neuen, unbrauchbaren Stand.

Und schließlich hängt alles an einem einzigen Faden, an den kaum jemand denkt: dem Konto. Das BSI führt ausdrücklich den Angriff auf, dessen Absicht die Sperrung der Benutzerkonten ist, weil damit der Zugriff auf das Backup verhindert wird. Ein gesperrtes, gekündigtes, übernommenes oder schlicht vergessenes Konto macht in einem Moment alle Kopien unerreichbar, die darin liegen. Wer seine gesamten Daten in einem Konto hält, hat sie nicht dreifach gesichert, sondern einfach – nur eben an einem Ort, der sich nach dreifach anfühlt.

Nichts davon spricht gegen Cloud-Speicher. Er ist bequem, er ist erreichbar, und für den häufigsten aller Schäden – kaputtes oder verlorenes Gerät – hilft er tatsächlich. Er ersetzt nur nicht das eine, was eine Sicherung ausmacht: eine Kopie, die von dem, was dem Original zustößt, nichts mitbekommt.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Sich klarmachen, was Synchronisierung tut

    Sie hält mehrere Geräte auf demselben Stand. Das ist ihre Aufgabe, und sie erfüllt sie zuverlässig – in beide Richtungen. Ein Löschen, ein Überschreiben, eine kaputt gespeicherte Datei sind Änderungen wie jede andere und werden entsprechend verteilt. Apple formuliert es für iCloud so: Weil die Informationen in der Cloud liegen, sieht man eine Änderung, die man an einer Stelle macht, überall.

  2. 2.

    Nachsehen, wie lange der Papierkorb wirklich hält

    Jeder Dienst hat eine Frist, und sie steht in den Hilfeseiten des Anbieters, nicht im Bauchgefühl. Apple nennt für gelöschte Fotos in iCloud 30 Tage bis zur endgültigen Löschung. Diese Zahl ist der eigentliche Schutzumfang, den ein Sync-Dienst bietet – wer sie kennt, weiß, wie viel Zeit er im Ernstfall hat.

  3. 3.

    Prüfen, ob es eine Versionshistorie gibt und wie weit sie reicht

    Ohne Versionierung ist die alte Fassung nach dem Speichern weg. Das BSI beschreibt genau diesen Fall: Ohne Versionierung wird die ältere Datei ohne zusätzliche Rückfrage überschrieben und ist für eine Rücksicherung nicht mehr verfügbar. Wo es eine Historie gibt, gehört ihre Tiefe geprüft – zehn Versionen einer Datei, die täglich zwanzigmal gespeichert wird, decken keinen halben Tag ab.

  4. 4.

    An geteilte Ordner und Alben denken

    In gemeinsam genutzten Bereichen löschen auch andere. Apple beschreibt das ausdrücklich: Wird ein Foto oder Video in einem geteilten Album oder einer geteilten Mediathek gelöscht, ist es von den Geräten aller Mitglieder gelöscht. Wer wichtige Daten ausschließlich in geteilten Bereichen hält, hat die Kontrolle über ihren Fortbestand an alle Beteiligten abgegeben.

  5. 5.

    Das Konto als eigenen Ausfallpunkt behandeln

    Ein gesperrtes, gekündigtes oder übernommenes Konto sperrt gleichzeitig alle Kopien darin. Das BSI führt das als vorstellbaren Angriff auf: Werden die Benutzerkonten gesperrt, wird auf diesem Weg der Zugriff auf das Backup der Daten verhindert. Zwei-Faktor-Anmeldung und hinterlegte Wiederherstellungswege sind deshalb Teil der Datensicherung, nicht bloß Teil der Anmeldung.

  6. 6.

    Eine echte, getrennte Sicherung daneben stellen

    Eine Kopie, die nicht mitsynchronisiert wird: ein externer Datenträger, der nach dem Sichern abgezogen wird, oder ein Sicherungsdienst, der ausdrücklich Versionsstände aufbewahrt statt zu spiegeln. Entscheidend ist die eine Eigenschaft, die der Synchronisierung fehlt: Ein Löschen auf dem Rechner darf dort nicht ankommen.

  7. 7.

    Den Rückweg einmal ausprobieren

    Eine Datei aus der Cloud herunterladen und öffnen, eine Datei aus der Sicherung zurückholen und öffnen. Erst danach ist bekannt, ob beides funktioniert. Vorher ist es eine Annahme.

Häufige Fragen (FAQ)

?Meine Dateien liegen doch in der Cloud. Wieso sind sie weg?

Weil Synchronisierung nicht kopiert, sondern angleicht. Apple beschreibt das Prinzip für iCloud in einem Satz: Weil die Informationen in der Cloud liegen, sieht man eine Änderung, die man an einer Stelle macht, überall. Das gilt für jede Art von Änderung – auch für das Löschen. Apple sagt es für Fotos wörtlich: Wird ein Foto oder Video auf iCloud.com gelöscht, ist es zugleich auf allen Geräten gelöscht, auf denen iCloud-Fotos eingeschaltet ist. Der Dienst hat dabei keinen Fehler gemacht. Er hat getan, wofür er gebaut wurde.

?Es gibt doch einen Papierkorb in der Cloud. Reicht der nicht?

Er hilft, aber er ist eine Frist, keine Sicherung. Bei iCloud-Fotos nennt Apple 30 Tage, in denen sich ein gelöschtes Bild zurückholen lässt, bevor es endgültig verschwindet. Wer den Verlust später bemerkt – bei selten geöffneten Ordnern der Normalfall –, ist zu spät. Und ein Papierkorb greift ohnehin nur beim Löschen: Gegen eine Datei, die durch eine kaputte oder verschlüsselte Fassung überschrieben wurde, hilft nur eine Versionshistorie.

?Wenn der Anbieter versioniert, ist es dann eine Sicherung?

Es kommt näher heran, ist aber immer noch nicht dasselbe. Das BSI nennt die Versionierung als das entscheidende Merkmal: Bietet der Anbieter sie nicht, wird die ältere Datei ohne zusätzliche Rückfrage überschrieben und steht für eine Rücksicherung nicht mehr zur Verfügung. Bleibt der zweite Punkt, den das BSI ebenfalls aufführt: Wird das Benutzerkonto gesperrt, ist damit der Zugriff auf die Sicherung verhindert – ganz gleich, wie viele Versionen dort liegen. Ein Konto ist ein einzelner Ausfallpunkt.

Belege

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