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Bild zerreißt in der Mitte: Tearing verstehen

Das Bild wirkt waagerecht zerschnitten und versetzt? Tearing entsteht, wenn ohne Synchronisierung ein neues Bild mitten in den Bildaufbau fällt.

Aufwand:
ca. 15 Min.
Voraussetzung:
Monitor-Menü (OSD), Windows-Einstellungen
Gilt für:
Windows 11, Windows 10

Das Symptom

Sobald sich die Kamera schnell dreht, wirkt das Bild wie zerschnitten: Eine waagerechte Kante teilt es, oben ist die Welt noch einen Wimpernschlag weiter links als unten. Die Kante steht nicht still, sondern wandert langsam nach oben oder unten. Im Standbild ist alles tadellos, ein Bildschirmfoto zeigt oft nichts.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Der Monitor baut sein Bild in einem festen Takt von oben nach unten auf. Die Grafikkarte hält sich an diesen Takt nicht, sie liefert, wenn sie fertig ist. Trifft ein neues Bild ein, während der Aufbau noch läuft, wird ab dieser Zeile mit dem neuen Inhalt weitergemalt – fertig ist die Bruchkante. Das ist kein Panelschaden und keine kaputte Grafikkarte, sondern schlicht das Fehlen einer Absprache. Microsoft schreibt es ganz offen hin: Variable Bildwiederholraten setzen voraus, dass genau dieses Zerreißen erlaubt ist, und nennt das denselben Zustand wie „vsync aus“. Die klassische Lösung, die Synchronisierung, lässt die Grafikkarte auf den Monitor warten. Die modernere dreht es um: Der Monitor wartet auf die Grafikkarte und variiert seinen Takt. Dafür haben sich die Hersteller in der VESA auf die Adaptive-Sync-Protokolle geeinigt, und dafür gibt es ein messbares Zertifizierungsprogramm statt Marketing. Ärgerlich ist nur, an wie vielen Stellen der Schalter dafür ausgeschaltet sein kann: im Monitor-Menü, in den Windows-Grafikeinstellungen und noch einmal im Spiel. Drei Orte, ein Häkchen – und solange eines fehlt, malt der Monitor weiter zwei halbe Bilder übereinander.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Adaptive-Sync im Monitor-Menü einschalten

    Der wichtigste Schalter sitzt nicht im Rechner, sondern im Bildschirm. Im OSD des Monitors den Eintrag für Adaptive-Sync, FreeSync oder G-Sync-Kompatibilität suchen und aktivieren. Viele Geräte liefern ihn ab Werk ausgeschaltet aus – und was der Monitor nicht anbietet, kann die Grafikkarte auch nicht aushandeln.

  2. 2.

    Variable Bildwiederholrate in Windows aktivieren

    Windows hat einen eigenen Schalter für die variable Bildwiederholrate. Er sitzt in den Standardeinstellungen für Grafik und lässt sich direkt öffnen. Den Befehl in das Ausführen-Fenster (Windows-Taste und R) eingeben:

    start ms-settings:display-advancedgraphics-default
    
  3. 3.

    Bildwiederholrate und Anschluss kontrollieren

    Adaptive-Sync wird zwischen Grafikkarte und Monitor über die Anzeigeverbindung ausgehandelt. Läuft der Monitor auf einer niedrigeren Bildwiederholrate als möglich oder hängt er am Bildausgang des Mainboards statt an der Grafikkarte, greift die Synchronisierung nicht. Die Anzeigeeinstellungen öffnen und die Bildwiederholrate prüfen:

    start ms-settings:display
    
  4. 4.

    Im Spiel gegenprüfen: Synchronisierung an und aus

    Im Grafikmenü des Spiels die Synchronisierung einmal einschalten. Verschwindet die Bruchkante sofort, ist die Ursache eindeutig die fehlende Synchronisierung und nicht das Panel. Bleibt sie, liegt es an der Verbindung oder daran, dass die Anwendung im Vollbild an Adaptive-Sync vorbei ausgibt.

  5. 5.

    Zerreißen von Schlieren und Flackern unterscheiden

    Eine scharfe, waagerechte Versatzkante ist Tearing. Ein blasser Schatten hinter bewegten Objekten ist Ghosting und hat mit Synchronisierung nichts zu tun. Ein kurzes Dunkelwerden des ganzen Bildes ist wieder etwas anderes. Wer das verwechselt, dreht an den falschen Reglern – VESA misst Bildwiederholrate, Flackern und Grau-zu-Grau-Reaktionszeit deshalb getrennt.

  6. 6.

    Kabel und Anschlussart gegentesten

    Wenn die Option zur variablen Bildwiederholrate gar nicht erst erscheint, ein anderes Kabel und einen anderen Anschluss am Monitor probieren. Ein zu schwaches oder beschädigtes Kabel kann die nötige Datenrate nicht übertragen, und dann fällt die Verbindung auf eine Betriebsart ohne Adaptive-Sync zurück.

Häufige Fragen (FAQ)

?Warum sieht das Bild aus, als sei es waagerecht zerschnitten?

Weil der Monitor gerade mitten im Bildaufbau war, als das Spiel ein neues Bild nachgeschoben hat. Oben steht dann noch das alte, unten schon das neue – die Bruchkante wandert. Microsoft nennt das beim Namen: „Variable refresh rate displays require tearing to be enabled, this is also known as ‚vsync-off‘ support.“ Ohne Synchronisierung ist das Zerreißen also kein Defekt, sondern die logische Folge davon, dass niemand auf den Monitor wartet.

?Beseitigt VSync das Problem einfach?

Ja, aber mit Gegenrechnung. Die klassische Synchronisierung koppelt die Bildausgabe starr an den Bildtakt des Monitors – die Bruchkante verschwindet, dafür wartet das Spiel. Der modernere Weg ist umgekehrt: Der Monitor passt seinen Takt dem Spiel an. Genau dafür gibt es die Adaptive-Sync-Protokolle der VESA. Nebenbei gilt laut Microsoft auch die Umkehrung nicht automatisch: „Disabling vsync does not necessarily uncap your frame rate“.

?Was prüft VESA eigentlich, wenn ein Monitor als AdaptiveSync-Display zertifiziert ist?

Die VESA beschreibt ihren Adaptive-Sync-Display-Standard als „the first publicly open standard for front-of-screen performance of variable refresh rate displays“ und misst unter anderem „refresh rate, flicker, gray-to-gray response time (including limits on overshoot and undershoot to ensure high-quality images), video frame drop, and video frame rate jitter“. Für die neu hinzugekommene Zertifizierung in zwei Betriebsarten verlangt VESA zudem „a minimum of 144Hz at maximum resolution“. Ein Aufkleber auf dem Karton ohne solche Zertifizierung sagt darüber nichts aus.

Belege

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