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Den Akku erst ganz leer laufen lassen?

Der Rat, den Akku vollständig zu entladen, stammt aus der Zeit alter Zellen. Bei modernen Lithium-Akkus schadet Tiefentladung.

Aufwand:
ca. 10 Min.

Das Symptom

Es gibt keinen Fehler zu beheben. Es gibt nur einen Ratschlag, der seit Jahrzehnten weitergereicht wird: Man solle den Akku erst richtig leer laufen lassen, bevor man ihn wieder auflädt, sonst „gewöhne er sich daran“ und verliere Kapazität.

Die „Layer 8“-Wahrheit

Dieser Rat war einmal völlig korrekt – vor rund dreißig Jahren. Nickel-Cadmium-Akkus, wie sie in alten Handys, Camcordern und Akkuschraubern steckten, zeigten tatsächlich einen Memory-Effekt: Wurden sie regelmäßig nur teilweise entladen, verloren sie nutzbare Kapazität. Der Rat, sie ganz leer zu fahren, hatte handfeste Physik hinter sich.

Nur steckt diese Zellchemie in keinem Gerät mehr, das heute jemand in der Hosentasche trägt. Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus haben keinen Memory-Effekt. Und schlimmer: Für sie ist genau das Gegenteil richtig. Ein sehr niedriger Ladestand ist für einen Lithium-Akku Stress, und eine Tiefentladung kann ihn dauerhaft schädigen. Wer seinem Handy regelmäßig antut, was einem Nickel-Cadmium-Akku gutgetan hätte, verkürzt dessen Lebensdauer – im festen Glauben, ihn zu pflegen.

Der eigentliche Feind steht dabei in keinem der alten Ratschläge: Es ist die Wärme. Ein Handy, das im Sommer auf dem Armaturenbrett liegt oder nachts unter der Bettdecke lädt, altert schneller als eines, das jahrelang „falsch“ geladen wurde. Der Akku interessiert sich weit weniger für Ihre Ladedisziplin, als Sie denken. Für die Temperatur interessiert er sich sehr.

Die echte, verifizierte Lösung

1000 % faktenbasiert. Jeder Befehl ist real, jeder Pfad existiert. Schritt für Schritt:

  1. 1.

    Den Memory-Effekt einordnen

    Der Memory-Effekt war ein reales Phänomen bei Nickel-Cadmium-Akkus. Moderne Geräte nutzen Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus. Diese haben keinen Memory-Effekt – der Rat ist technisch überholt.

  2. 2.

    Nicht auf das Leerlaufen warten

    Apple sagt es für das iPad in einem Satz: Man könne jede Nacht laden, auch wenn der Akku nicht vollständig entleert sei. Ein Zwang, erst leer zu fahren, existiert also nicht. Für die Langzeitlagerung empfiehlt Apple ausdrücklich einen halb geladenen Akku – nicht einen leeren.

  3. 3.

    Häufiges Zwischenladen ist unproblematisch

    Ein Ladezyklus zählt nach entnommener Energiemenge, nicht nach der Zahl der Steckvorgänge: Apple definiert einen vollen Zyklus als die Nutzung einer Menge, die hundert Prozent der Akkukapazität entspricht. Zehnmal zehn Prozent nachladen ist also ein Zyklus, nicht zehn. Eine Untergrenze wie „nie unter zwanzig Prozent“ nennen die Hersteller dagegen nirgends – das ist Faustregel, keine Vorgabe.

  4. 4.

    Hitze als eigentlichen Feind erkennen

    Wärme schadet einem Lithium-Akku messbar. Apple nennt als ideales Umfeld 16 bis 22 Grad und warnt, Nutzung oder Laden über 35 Grad könne die Lebensdauer dauerhaft verringern; außerdem, dass ein Akku sich beim Laden erwärmt und genau das die Lebensdauer verkürzt. Das Gerät im heißen Auto liegen zu lassen oder unter der Bettdecke zu laden, ist damit belegbar schädlicher als jede Nachlässigkeit beim Ladestand.

  5. 5.

    Die Ladebegrenzung nutzen

    Viele Geräte bieten an, den Ladevorgang bei achtzig Prozent zu stoppen oder das Vollladen bis kurz vor dem Aufstehen zu verzögern. Apple begründet beides gleich: Weniger Zeit im vollgeladenen Zustand bedeutet weniger Verschleiß. Diese Funktionen sind kein Defekt, sondern gezielte Akkupflege – sie sollten eingeschaltet bleiben.

  6. 6.

    Die Kalibrierung nicht verwechseln

    Ein einmaliges vollständiges Entladen kann helfen, wenn die Ladeanzeige spinnt. Das ist eine Kalibrierung der Anzeige, keine Pflege des Akkus – und kein Grund, es regelmäßig zu tun.

Häufige Fragen (FAQ)

?Schadet es, das Handy über Nacht am Kabel zu lassen?

Kaum. Apple schreibt für das iPad wörtlich, das Gerät stoppe den Ladevorgang bei vollem Akku von selbst, weshalb es sicher sei, es über Nacht am Ladegerät zu lassen; unter 95 Prozent nimmt es das Laden wieder auf. Einen Zusatz macht Apple trotzdem: Wenn möglich nach dem Vollladen abstecken, weil weniger Zeit im vollen Zustand weniger Verschleiß bedeutet. Kritischer bleibt die Wärme: Ein Gerät, das unter dem Kopfkissen lädt, wird warm – und Wärme ist der eigentliche Akkukiller.

?Warum hält sich der Mythos so hartnäckig?

Weil er einmal richtig war. Bei den Nickel-Cadmium-Akkus alter Handys und Akkuschrauber gab es den Memory-Effekt tatsächlich. Der Rat wurde weitergegeben, die Technik hat sich geändert – der Rat nicht.

Belege

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