Das Symptom
Auf der Packung stand eine Meterangabe, und die klang großzügig. In der Wirklichkeit stottert der Kopfhörer, sobald das Telefon in der hinteren Hosentasche steckt, die Freisprecheinrichtung verliert die Verbindung beim Gang um das Auto herum, und der Sensor im Keller meldet sich nur, wenn man mit dem Telefon direkt davorsteht. Zwei Geräte, beide mit demselben Bluetooth-Logo, verhalten sich dabei völlig unterschiedlich.
Die „Layer 8“-Wahrheit
Der Denkfehler steckt schon in der Frage. Bluetooth hat keine Reichweite, so wenig wie ein Auto eine Geschwindigkeit hat – es hat eine Bandbreite von möglichen Werten, und wo man darin landet, entscheidet der Aufbau. Die Bluetooth SIG selbst beantwortet die Frage nach der Reichweite mit der Spanne von mehr als einem Kilometer bis weniger als einem Meter und erklärt das ausdrücklich zur Absicht: Die Technik ist darauf ausgelegt, sehr unterschiedliche Reichweiten zu unterstützen, damit Entwickler sie auf ihren Anwendungsfall zuschneiden können. Eine Zahl auf einer Verpackung ist deshalb keine Eigenschaft von Bluetooth, sondern eine Messung an genau diesem Gerät unter genau den Bedingungen, unter denen es am besten dasteht.
Was die Reichweite tatsächlich bestimmt, sind fünf voneinander unabhängige Größen, und der Hersteller darf bei jeder einzelnen sparen: das Frequenzband, der benutzte PHY, die Empfangsempfindlichkeit, die Sendeleistung und die Antenne. Die zulässige Sendeleistung spannt sich über vier Größenordnungen – von 0,01 mW bis 100 mW – und mehr Leistung kostet Akkulaufzeit, weshalb Geräte, die lange durchhalten sollen, systematisch leise sprechen. Die Antenne verschiebt das Ergebnis noch einmal, und ihr Entwurf ist laut Bluetooth SIG ebenso Kunst wie Wissenschaft, also nichts, was auf dem Karton steht.
Dazu kommt der Pfadverlust: die schlichte Tatsache, dass ein Funksignal auf dem Weg durch die Luft schwächer wird, und zwar je nach Umgebung unterschiedlich schnell. Wände, Fenster, Metall, Beton, Feuchtigkeit – alles dämpft, nur eben verschieden stark. Der eigene Körper ist dabei kein Sonderfall, sondern schlicht ein weiteres Hindernis zwischen Sender und Empfänger. Wer sein Telefon einsteckt und sich umdreht, verändert damit die Funkstrecke stärker als die meisten Einstellungsdialoge, in denen anschließend nach der Ursache gesucht wird.